Schnippsel

Die Lechtaler Kirchengeschichte

Aufsatz von Arthur Lechleitner, Elmen (1932-33)

elbigenalp
Elbigenalp - Foto: Sammlung Risch-Lau, Vorarlberger Landesbibliothek



Serie aus: Außferner Bote (1932 - 1933)

Kuratie Hinterhornbach.


Der erste Anwohner in Hinterhornbach, Besitzer des Rauterhofes, so lautet die durchgedrungene Tradition, soll sich, um die sonntäglichen Gottesdienste zu besuchen, in die Kirche zu St. Joh. Bapt. zu Oberstdorf im Allgäu begeben haben. Soweit aber die Schriften zurückgehen, findet man Hinterhornbach bei der Pfarre Elbigenalp und später bei Elmen. Spätere Zeit besuchten die Bewohner von Hinterhornbach die Kirche von Vorderhornbach.

Vorderhornbach hatte bereits im Jahre 1675 eine eigene Kirche und einen perpetuierlichen (ständigen) Priester. Von Seiten der Gotteshausverwaltung in Vorderhonbach ist gegen den Besuch fremder Anwohner kein Widerspruch erhoben worden und demnach erschienen in der Folge alle Frommgläubigen aus Hinterhornbach zu den sonntäglichen Gottesdiensten in genannter Gemeinde.

Gelegentlich einer Mission in Hinterhornbach sahen die heilverkündenden Missionäre das Elend der in den 17 zerstreuten Wohnungen sich befindlichen Menschen und nahmen es sich derart zu Herzen, daß sie allsogleich edelgesinnte Christen veranlaßten, zur Gründung einer Kuratie in Form von Geldmitteln beizutragen. Zu diesem Zwecke spendete Josef Jakob von Sterzinger, Gerichtsschreiber der Herrschaft Imst, im Jahre 1758 die nette Summe von 4000 Gulden unter der Bedingung, daß dem Kuraten die Jahresinteressen von je 200 Gulden ordentlich zugestanden, für den Stifter 2 Wochenmessen gelesen und jedesmal 2 Vaterunser laut gebetet werden. Durch dieses Beispiel angeeifert, stellte auch Jakob Mang Amann, Handelsmann zu Reutte, 1400 Gulden bei, wofür monatlich eine hl. Messe appliziert und vom Volke ebenfalls gebetet werden sollte. Der Hauptstifter Jos. von Sterzinger eignete das durch Zession an den Landessürsten gekommene Patronatsrecht sich selbst und seiner männlichen und weiblichen Nachkommenschaft zu.

Der Bau der Kirche und des Widums wurde von Wohltätern saniert, von denen Ammann an erster Stelle steht. Die Kirchenweihe vollzog Johann Nepomuk von Umgelter, Freiherr von Diesenhausen, am 29. Juli 1782 und es ward das Gotteshaus der unbefleckten Empfängnis Maria geweiht.

Die Reihenfolge der Priester in Hinterhornbach ist nachstehende: Josef Schonger 1764; Josef Putsch 1767—1799; P. Franz Winkler, Franziskaner von Reutte, bis 1805; Alois Lechleitner von Gutschau 1810; P. Johann Spornberger, Franziskaner; Johann Anton Koch 1811 bis 1815; Anton Prutscher 1815—1817; Alois Kraig aus der Schweiz 1820; Bernhard Bischof 1824—1827 und Kassian Obbrugger.

Im Jahre 1833 bestand Hinterhornbach aus 23 Häusern mit 22 Familien, insgesamt 108 Seelen. Zu verzeichnen waren innerhalb der 10 Jahre 1823—1833 35 Geburten, 25 Sterbefälle und 7 Eheschließungen.

Expositur Vorderhornbach.


Vorderhornbach war seit jeher dem Niedergericht Aschau einverleibt und ist bereits im Schirmbriefe von Friedrich II. aus dem Jahre 1219 davon Erwähnung. Wie eine Kirchenrechnung aus dem Jahre 1642 bezeugt, war der Pfarrer von Wängle verbunden, am Tage des hl. Johannes des Täufers, sowie am hl. Kreuzerhöhungstage als auch zu Ostern dorten den Gottesdienst zu halten und Beichte zu hören.

Den 23. April 1675 wurde Martin Hanni aus Zams provisorisch als Seelsorger dortselbst eingesetzt, wozu erst zwei Monate später die Bewilligung gegeben wurde. Da die Toten zur Beerdigung nach Aschau überführt werden mußten und zwar auf Flößen dem Lech entlang, so wurde, dieses Umstandes halber, am 18. Oktober 1682 gestattet, einen Gottesacker errichten zu dürfen und einsegnen zu lassen.

Das Sanktissimum aufbewahren zu dürfen, wurde vom Bischof Joseph von Augsburg, Landgraf von Hessen-Darmstadt den 8. Juli 1753 bewilligt. Laut Regierungsdekret vom 17. Mai 1786, Nr. 7374, ist die Kaplanei zur Expositur erhoben worden, mit der Befugnis, alle geistlichen Funktionen verrichten zu dürfen. Als Zehent erhielt der Pfarrer ein Aversum von 15 fl. 26 kr. Der Expositus genoß jährlich 50 Gulden aus dem Religionsfonds an Kongrua-Beitrag.

Kirche zum hl. Täufer Johannes.


Diese Kirche hat nach der Volkssage folgenden Ursprung: Ein Bewohner aus Hinterhornbach, auf dem sogenannten Boden wohnend, ging seiner Gewohnheit gemäß zur Kirche St. Joh. Baptist nach Oberstdort ins Allgäu, um dort, da es näher gelegen war als Elbigenalp, seine Andacht zu verrichten. Einmal fand er auf dem Wege dorthin auf der Wildalpe einen Klumpen Erz. Er gelobte, da er das Kupfer für Gold ansah, und im Falle, daß solches dort ausgebeutet werden könnte, in Vorderhornbach eine Kapelle zu Ehren des Vorläufers Christi zu gründen. Diese kam auf den so genannten Kreuzäckern wirklich zustande, besteht aber heute nicht mehr. Wenn man der mündlichen Ueberlieferung und dem Gerichtsprotokolle zu Aschau vom 17. Feber 1752 Glauben beimessen kann, so ist bereits im Jahre 1093 auf dem Bühel, inmitten des Dorfes, eine Kapelle gestanden, worin ebenfalls genannter Patron verehrt wurde. Bei der Renovierung im Jahre 1596 konnten noch die Jahreszahl 1093 und die Namen der Kemptener Bauleute abgelesen werden. Anno 1752 wurde die Kapelle bedeutend vergrößert und vom Suffragan-Bischofe Umgelter eingeweiht.

Priester in Vorderhornbach.


Nach Martin Hanni von Zams — Leonhard Hodum 1679—1694; Konrad Pfaundler 1702; Franz Schott von Schongau 1709; Math. Leiprecht 1764; Joh. Baptist Falger 1768; Ant. Zech 1782; Joh. Fleisch 1783; Gr. Lumper 1788; Eugen Hehenberger 1812; Jos. Knitel 1813; Jos. Stecher 1821; Pius Hafner; Jos. Günther 1824 und Joh. Nep. Dialer.

Im Jahre 1833 konnte Vorderhornbach 51 Wohnhäuser mit 50 Familien und insgesamt 217 Einwohnern aufweisen. Innerhalb der 10 Jahre 1823 bis 1833 waren 82 Geburten, 73 Sterbefälle und 14 Eheschließungen zu verzeichnen.

Expositur Breit-Forchach.


Diese damals so benannte Gemeinde ist im Jahre 1295 der Pfarre Lech-Aschau unterstellt worden, nachdem sie vorerst unter dem Rechte des Ritters Konrad von Weißenauer stand und vom Kloster Füssen an sich gebracht wurde.

Als im Jahre 1635 dortselbft die Pest wütete und diese mörderische Seuche immer mehr Opfer forderte, machten die Bewohner das Gelöbnis, zu Ehren des hl. Sebastian eine Kapelle zu erbauen. Diesem Gelöbnis wurde Treue gehalten, so daß vom Suffragan Eustach Egolph am 13. Mai 1685 die Einweihung der neuerbauten Kapelle vorgenommen werden konnte. Wie es der Zufall haben wollte, war in der Ortschaft eine Leiche, die im Gottesacker zu Wängle beerdigt werden mußte und deshalb mühsam über die zerbrochene Rotlechbrücke geschafft wurde, um sie weiters über Reutte an den Bestimmungsort zu bringen. Suffragan Egolph konnte diese sehr umständliche und beschwerliche Fortschaffung der Leiche mit eigenen Augen ansehen und in dem Würdenträger wurde das Mitleid wach, so daß er sofort die Errichtung eines eigenen Gottesacker bewilligte. Da aber größere Unwetter stets die Stege wegschwemmten und den Leuten der Weg zur Pfarre Wängle dadurch abgeschnitten ward, besuchten sie den Gottesdienst in Stanzach und es konnten auch dort die Kinder getauft werden. Bezüglich des Gottesdienstbesuches in Stanzach ist zwischen den beiden Gemeinden eine offizielle Vereinbarung getroffen worden, wonach den Besuchern aus Forchach der Kirchenbesuch in Stanzach erlaubt war, wofür sie dem Priester zu Stanzach jährlich ein Honorar von 20 Gulden zu bezahlen hatten. Im Verlaufe der Zeit entstanden aber zwischen den 2 Gemeinden Meinungsverschiedenheiten und Keilereien, und so faßte die Gemeinde Forchach den Beschluß, mit dem Erlöse des nach Füssen zu liefernden Holzes eine Kaplanei zu gründen. Nachdem Hieronymus Strele, Anwalt zu Berwang, zu diesem frommen Vorhaben 100 Gulden präsentierte, bat die Gemeinde am 11. Oktober 1715 um einen Priester, welches Ersuchen ihr auch sofort bewilligt wurde.

Im Jahre 1742 wurde das Kapellchen abgetragen, um eine Kirche zu erbauen, die alle Frommgläubigen fassen sollte. Die Kirchenweihe nahm den 26. Juli 1782 Weihbischof Joh. Nep. v. Umgelter vor. Als erster Priester wurde Herr Joh. Gg. Kninig aus Schongau eingesetzt und zwar am 14. Mai 1714. Ihm folgten Jos. Leib 1722; Falger von Köglen 1731—52; Mich. Halting gestorben 1794; Jos. Günther 1795; Christ. Falger 1797; Jos. Putsch 1808; Pat. Eugen Pertanes 1817; Joh. Nep. Dialer von Reutte 1824; Sim. Pfurner von Weitenthal 1830 und Christian Lindenthaler aus Kappel.

Forchach in der Staistik: Im Jahre 1833 standen in Forchach bereits 29 Häuser. Vorhanden waren dortselbst 30 Familien mit insgesamt 157 Seelen. Von 1823—1833 waren 50 Geburten, 41 Sterbefälle und 13 Eheschließungen zu vermerken.

Zum Abschluß meines Aufsatzes, dessen Inhalt größtenteils den Aufzeichnungen des Sebastian Kögl, Oberlehrer zu Reutte, entnommen ist, welche im Jahre 1834 in Druck gegeben wurden und in Form eines kleinen Büchleins erschienen sind, möchte ich noch kurz die Ortschaften Bschlabs, Gramais und Namlos streifen.

Kuratie Bschlabs.


Gegen das 13. Jahrhundert herum zogen die ersten Anwohner aus dem Inntale in die Gegend des heutigen Gramais und dies dürfte wohl die Ursache sein, daß Gramais in den politischen Bezirk Imst eingeteilt wurde. Des näheren Weges halber besuchten wohl die Bewohner die Kirche zu Elbigenalp, aber die Leichen mußten nach Imst getragen werden, um sie dort zu beerdigen. Zu Winterszeiten war natürlich solch ein Leichentransport von schwerster Art und in Wintern mit besonders starkem Schneefall konnte es vorkommen, daß die Leichen eingefroren werden mußten, um sie nach der Schneeschmelze in den Gottesacker nach Imst zu schaffen.

Die Bewohner von Gramais erbauten später eine eigene Kirche; es ist aber das Jahr der Erbauung nicht genau bekannt, doch kann man fast mit Bestimmtheit das beginnende 17. Jahrhundert annehmen. Im Jahre 1670 wurde auch ein Friedhof errichtet. Anno 1689 wurden die bischöflichen Ansprüche dadurch erneuert, daß vom Dekan zu Imst der Gottesacker eingeweiht und 1690 dort der Priester Mart. Blumenstil eingesetzt wurde. Die von Seite Augsburgs dagegen gemachten Einwendungen blieben ohne Erfolg. Im Jahre 1704 wurde die Kuratie gestiftet, welche freier Verleihung ist. (Tiroler Bote, Jahrgang 1823, Nr. 45). Das Kirchlein ist im Jahre 1832 abgetragen und dafür die heutige Kirche gebaut worden, welche anno 1864 vom Bischof Vinzenz Gasser zu Ehren des hl. Johannes des Täufers geweiht wurde.

Die Ortschaft Bschlabs (Pfafflar)


wurde in erster Zeit ebenfalls von Elbigenalp pastoriert. Nik. Kranebitter, später Pfarrer in Elbigenalp war der erste Kaplan dortselbst (1650). Im Taufbuch zu Elmen, welches im Jahre 1668 angelegt wurde, kommen auch Täuflinge von Bschlabs, Gramais, Vorderhornbach und Forchach, wie auch aus Häternach und Rauchwald vor. Jesse Berghofer, Bischof zu Belia und Dompropst zu Brixen, konsekrierte die Kirche zu Bschlabs den 17. August 1648. Im Jahre 1679 bewarben sich auch die Vertreter der Anwohner zu Namlos und Kelmen um einen eigenen Kaplan. Auf Grund des zu Berwang am 3. März 1680 geschlossenen und vom Ordinariate den 19. Februar 1684 genehmigten Vertrages wurde ihnen das auch zugestanden. Die frommen Gläubigen haben sich selbst, um ihre Privatandacht üben zu können, eine Kapelle erbaut, die am 8. Juni 1606 von Jesse Berghofer zu Ehren des hl. Martinus geweiht worden ist. Im Jahre 1739 ist diese erweitert und vom Bischofe zu Brixen, Leopold Grafen von Spaur, den man des schlechten Weges halber auf einer Sänfte dahin tragen mußte, am 3. August 1751 konsekriert worden.

Mögen diese geistlichen Institute alle, so schön wie bisher, trotzend den Stürmen der Zeit, im echten Geiste des Christentums fortblühen, reichen Segen und heilbringende Früchte tragen für die Zeit und Ewigkeit nach dem frommen Wunsche ihrer Gründer!

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