Schnippsel

Die Lechtaler Kirchengeschichte

Aufsatz von Arthur Lechleitner, Elmen (1932)

elbigenalp
Elbigenalp - Foto: Sammlung Risch-Lau, Vorarlberger Landesbibliothek

Serie aus: Außferner Bote (1932 - 1933)
Die älteste Seelsorge im Lechtale ist die Pfarre Elbigenalp. Sie erstreckte sich anfänglich von Lech-Aschau bis zum Tannberg und soll vom hl. Magnus gegründet worden sein, was aber nicht einwandfrei festgestellt werden kann. Der Wahrheit am nächsten dürfte liegen, daß sie von seinen mit gleichem apostolischem Eifer beseelten Ordensbrüdern zu Füssen kurze Zeit später ins Leben gerufen worden ist, von wo aus auch an Sonn- und Feiertagen ein Konventuole (Stiftsgenosse) zur Abhaltung des Gottesdienstes entsandt wurde, bis ein ständiger Priester nach Elbigenalp kam.
Zur selben Zeit mußten die Kranken im ganzen Lechtal vom Pfarrer in Elbigenalp versehen werden. Da sich aber die Volkszahl allmählich vermehrte, der Weg zur Pfarrei oft durch Ueberschwemmungen, Lawinen und Vermurungen ungangbar gemacht wurde, die älteren Leute diese weite und beschwerliche Strecke nicht bewältigen konnten und der Pfarrer außerstande war, all seine Kranken zu providieren, traten schließlich die Bewohner des oberen Lechtales an den Bischof Burkhard von Augsburg, welcher aus dem schwäbischen Geschlechte der Erben von Ellerbach, entsproß, mit der Bitte heran, die Errichtung einer eigenen Pfarre in Holzgau zu bewilligen. Bischof Burkhard kam im Einverständnis des Pfarrers von Elbigenalp und des Konventes zu Füssen tatsächlich der Bitte entgegen und errichtete [mit 16. Dezember 1401] in Holzgau eine besondere, mit allen zur Seelsorge gehörigen Rechten ausgestattete Pfarrei. Als Grenze dieser beiden Pfarreien galt der Sulzbach. Nun hatten aber die damaligen Pfarreien sogenannte Filialen, die je nach Einrichtung Lokalie, Expositur oder Kuratie genannt wurden. So waren die Gemeinden Häselgehr, Elmen und Steeg Lokalien, Stanzach, Bach, Stockach, Hägerau und Kaisers Exposituren und Hinterhornbach eine Kuratie.

Die Gemeinde Elmen, ein der Seelsorge nach früher zu Elbigenalp gehöriger Ort, hatte im Jahre 1433 bereits eine Kirche und noch im selben Jahre einen, wenn auch nicht perpetuierlichen (beständigen) Priester. Einen solchen erhielt Elmen erst im Jahre 1515, da zu dieser Zeit am Sonntag nach Maria Geburt mit Einverständnis des Klosters Füssen als Lehensherrn oder Kollator eine ewige Messe oder Pfründe genannt, gestiftet wurde, zur Kirche Unserer Lieben Frau und der Hl. Drei Könige, mit 32 rheinischen Gulden samt Wohnung, Hofstätte und Zugehör für einen ständigen Kaplan. Das Kloster Füssen hatte aus irgend einer Ursache, welche die noch vorhandene Urkunde verschweigt, Elmen die Aufbewahrung des Venerabile (Hostie in der Monstranz) und der hl. Oele wohl zugestanden, nicht aber die des Chrysams und es mußte das Sakrament der Taufe, des Altars und der letzten Oelung vom Pfarrer selbst gespendet werden, ausgenommen, wenn ein Notfall vorhanden war.

Ferner sollte der Kaplan an Sonn- und Aposteltagen in Elmen predigen, an gewissen Festtagen er selbst (mit der ganzen Gemeinde) in der Mutterkirche Elbigenalp erscheinen, dem Pfarrer mit Meßlesen, Singen und Beichthören behilflich und bei Totengottesdiensten auf Verlangen gewärtig sein. Letzgenannte, Jahrtage und Begräbnisse mußten vom Pfarrer selbst abgehalten werden und ward der Kaplan von Elmen gezwungen, das Opfergeld und das, was über seinen Gehalt hinausgehe, dem Pfarrer abzuliefern. Eine Bindung des Kaplans war weiter, ohne entschuldbaren Grund niemals länger als einen Monat abwesend zu sein und die hl. Messe pünktlich zur Zeit lesen. Außerdem wurde dem Kaplan die Vollmacht erteilt, im Falle die Gülten (Abgaben aller Grundstücke an das Widum) nicht eingehen sollten, die Güter, worauf sie haften, selbst genießen zu können. Dies alles wurde in einer Urkunde vom 13. November 1515 von Bischof Heinrich genehmigt und gefertigt. Dadurch wird die Vermutung widerlegt, daß Kaiser Max I. die Kirche von Elmen dem Kloster Füssen abgekauft und das meiste zu ihrer Gründung beigetragen habe. Auch ist die Urkunde noch vorhanden, in welcher sich Stanzach, Martinau, Vorder- und Hinterhornbach verpflichten, dem Kaplan Michael Surch auf dessen Versprechung hin, lebenslänglich in Elmen zu verbleiben, die Dotation auf 48 Gulden zu erhöhen und dem Kaplan jährlich pro Haus ein Klafter Holz zu stellen. (Urkunde vom 24. April 1538). Am 17. Mai 1768 ist laut Gubernialdekret mit Zustimmung des Ordinariates Augsburg die Kaplanei zur Lokalie erhoben worden. Wie schon Eingangs erwähnt, hatte Elmen im Jahre 1438 eine Kirche. Im Jahre 1667 von den Flammen vernichtet, wurde sie nach zweijähriger Bauzeit wiederhergestellt. Auf den Turm kamen 4 Glocken. Der Guß der großen Glocke fand im Jahre 1787 statt, der Gießer war Simon Peter Müller aus Innsbruck. Vom Glockengießer Barth. Graßmayr aus dem Oetztale stammen die 2. und die 3. Glocke. Die 4. wurde vom Religionsfonde unentgeltlich beigestellt. Einer Bemerkung wert ist noch folgende interessante Begebenheit: Als am 12. Mai 1685 unter Leitung des Georg Falger die neuerbaute Kirche zu Elbigenalp geweiht wurde, erließen die kompetenten Würdenträger ein Dekret, wonach Elmen unter Androhung der Kirchenstrafe verpflichtet wurde, für die dortige neuerbaute Kirche Beiträge zu leisten. Darüber waren die Elmer sehr empört und es fruchtete diese Verfügung soviel wie gar nichts. Daraufhin wurde vom Gerichte Ehrenberg gegen Elmen die Exekution eingeleitet und zur Amtshandlung dorthin ein Gerichtsschreiber und ein Amtsdiener entsandt, die aber verjagt und sogar geprügelt wurden. Der Pfleger (Gerichtsherr) von Ehrenberg wußte dagegen schon Rat und entsandte einfach eine 8 Mann starke Abordnung, die dann 11 der Unruhigsten Mitnahmen und einsperrten, und zwar so lange, bis der Beitrag zur Pfarre Elbigenalp geleistet und die auf 1707 Gulden 56 Kreuzer angelaufenen Prozeßkosten bezahlt wurden.

Angeführt seien noch die Seelsorger von Elmen der Reihe nach: Michael Surch 1538, Leonhard Hodum (beginnt das Taufbuch) 1668—1673, Christ. Schuler 1674-1687, Joh. Jak. Pertlin 1687—1690, Christ. Gebhard 1690 bis 91, Michael Frei 1691 bis 1732, Ant. Ruscher 1732 bis 47, Anton Huber, Prov. 1747, Simon Leykrämer 1748 bis 1750, Johann Georg Zeller 1750 bis 1766, Johann Georg Hofer 1767 bis 1772, Nikolaus Uelses 1773 bis 1808, P. Apertius Krepp (Prov.) Josef Kim (Prov.), Josef Brunner (Prov.) 1810 bis 1816, Georg Falger von Elbigenalp 1817 und Eugen Falger aus Holzgau.

Die Gemeinde Häselgehr bewarb sich in den Jahren 1706, 1712 und 1715 um einen eigenen Priester, jedoch immer vergeblich. Als sie diese Zwecklosigkeit einsah, wandte sie sich an den päpstlichen Stuhl und erhielt nach kurzer Zeit vom Papste Klemens XI. ein an den Bischof von Augsburg gerichtetes Breve, mit 4. Jänner 1717 datiert, worin dieser beauftragt wurde, in Häselgehr das Lesen der hl. Messe zu genehmigen. Für Häselgehr war die Sache von da an immer günstiger und bereits am 14. November 1720 wurde es ihr gestattet, einen eigenen Kaplan anzustellen.

Am 9. Feber 1720 wurde Häselgehr der drückende Revers abgefordert, im Jahre 39 mal die Pfarrkirche in Elbigenalp zu besuchen, die hl. Sakramente dort zu empfangen, im dortigen Gottesacker die Toten zu begraben, und außerdem habe der Kaplan aus Häselgehr auf Pfarrers Verlangen diesem Dienste zu leisten, die Hälfte des Opfergeldes abzuliefern, das Venerabile weder aufzubewahren noch überhaupt einzusetzen. Zufolge Beschlusses des Generalvikariats Augsburg von 24. Jänner 1765 wurde Häselgehr der Pfarrkirchenbesuch in Elbigenalp von jährlich 39 Mal auf 16 Mal herabgesetzt. Erst im Jahre 1786 am 17. Mai wurde von der josefinischen Regierung dieses Benefizium mit Gubernialdekret im Einverständnis des Ordinariats zu einer Lokalkaplanei erhoben und aus dem Religionsfond für den Kaplan ein jährlicher Beitrag von 129.5 Gulden bewilligt. Mit bischöflicher Einwilligung vom 28. Juni 1792 wurde der Weiler Unterschönau ohne jedwegliche Vergütung leisten zu müssen, der Lokalie Häselgehr zugewiesen und es hat sich die Gemeinde damals auch mit 230 Gulden gänzlich vom Mutterverbande losgekauft. Die schon sehr alte Kapelle, dem hl. Martinus geweiht, wurde im Jahre 1701 erweitert und 1706 mit Altären und einer Kanzel versehen. Die Erlangung einer 3. Glocke ist von interessanter Art. Michael Köpfle, Bauer in Häselgehr, machte einer Person ein Eheversprechen und, weil ihm dann seine Braut nicht mehr gefiel, konnte er sich seines ohne reifere Ueberlegung gegebenen Wortes nur dadurch entledigen, daß er im Jahre 1741 eine 4 Zentner schwere Glocke gießen ließ.

Die Gemeinde Stanzach hatte sich seelsorglich an Elmen angeschlossen. Um aber auch etwas Recht zu erlangen und geistige Hilfe in Anspruch nehmen zu dürfen, zahlte Stanzach an die Kirche in Elmen jährlich 60 Gulden und leistete auch beim Wiederaufbau des dortigen abgebrannten Gotteshauses 1691 Fronschichten unter der Bedingung, den Kaplan von Elmen hiefür zu Kranken rufen zu dürfen. Den ersten Priester, Christ. Haslach, erhielt Stanzach im Jahre 1690. Von der Gemeinde wurden für ihn jährlich 80 Gulden bewilligt, das notwendige Holz gestellt und eine Wohnung erbaut. Aus dem Kirchenvermögen erhielt Stanzach 500 Gulden zum Zwecke, die Kirche schöner zu gestalten. Im Jahre 1772 wurde die Kirche ein Raub der Flammen. Sie wurde aber sofort wieder aufgebaut, die hl. Konsekration vollzog am 28. Juli 1782 der Weihbischof von Augsburg. Zu einer Expositur wurde Stanzach im Jahre 1786 umgewandelt und dem Priester die Rechte einverleibt, alle geistlichen Funktionen ausüben zu dürfen.


Im Jahr 1933 wird der Beitrag Arthur Lechleitners im Außferner Boten fortgesetzt.

Die Trennung [der Pfarre Holzgau] trat im Jahre 1401 mit 16. Dezember in Wirksamkeit. Am Donnerstag nach Hl. Drei König des nächstfolgenden Jahres bestätigte Herzog Leopold von Oesterreich und Graf von Tirol die Lostrennung der Pfarre Holzgau von der Pfarre Elbigenalp und beauftragte seinen Landesvogt zu Ehrenberg, die neue Pfarre zu schirmen.

Die festgesetzte Inkorporation dieser Pfarrei wurde gelegentlich der Konstanzer Kirchenversammlung anno 1417 bestätigt und Kaiser Max I. stellte sie im Jahre 1497 ebenfalls unter den Schutz der Pfleger von Ehrenberg. Der Zehent und das Patronatsrecht kamen im Jahre 1609 an Burkhard Leimann und Wolfgang Schmied. Im Jahre 1610 wurde das Patronatsrecht an den Landesfürsten von Tirol übertragen, der auch das Präsentationsrecht ausübte.

Als im Jahre 1774 die offizielle Gründung der Schulen erfolgte und die neuartige Lehrmethodik bereits in allen größeren Orten Tirols eingeführt war, faßte auch Holzgau den Entschluß, weil zur damaligen Zeit der Schulunterricht meist von Klerikern versehen wurde, einen 2. Priester zu stiften, der in der Schule den Unterricht zu erteilen, die Frühmesse zu lesen und dem Pfarrer in der Seelsorge Dienste zu leisten hätte. Erwähntes Vorhaben trat im Jahre 1780 nochmals in den Vordergrund und das beantragte Benefizium erhielt, ungeachtet der Einrede des Pfarrers Josef Strobl vom 13. Juni 1782 die bischöfliche und am 4. Oktober desselben Jahres die Konfirmation des tirolischen Guberniums.

Von Seiten der Gemeinde Holzgau erfolgte im Jahre 1800 die Anstellung eines weltlichen Lehrers. Diesem wurde mithin der Schulunterricht übertragen, mit Ausnahme des Religionsunterrichtes, welchen der Frühmesser weiterhin zu erteilen hatte.

Bemerkenswert erscheint noch, daß die Pfarrkirche zu Ehren der Maria Himmelfahrt geweiht ward.

Von der gegenwärtigen Kirche weiß man nur, daß ihre Erweiterung im Jahre 1689 bewilligt, den 27. Juni 1732 von Bischof Johann Jakob zu Bergamo konsekriert und 1819 mit einem höheren Turm versehen worden sei. Der Guß zweier Glocken reicht bis in das 16. Jahrhundert zurück, vermöge ihrer Anschrift, die auf der einen Seite : - Maria. Gottes. Zel. Behuet. Was. Ich. Gloc. ueberschel. —, auf der anderen: — Maria, mater gracie, mater. misericordie. tu. nos. ab. hoste. protege. in. hora. mortis. suscipe. gloria. tibi. domine. qui. natus. es. de. virgine. cum. patre. et. sancto. spiritu. in. sempiterna. secula. anno. domini. 1512. — lautet. Der Guß der großen Glocke, die mit der Jahreszahl 1790 signiert ist, stammt v. Barth. Graßmayr im Oetztale.

Im Gottesacker steht die St. Sebastianskapelle, die nach der Volkssage bis zum heutigen Tage als die eigentliche Pfarrkirche zu gelten hätte; diese Meinung wird wohl darauf zurückzuführen sein, weil in einer der St. Sebastianskapelle anstoßenden, alten, kerkerähnlichen Kapelle ein sogenanntes Sakramenthäuschen (als solches glaubte man dieses zu erkennen) vorgefunden wurde. Die St. Sebastians-Kapelle wurde durch Herrn Pfarrer Knitel im Jahre 1822 erneuert, um sie für den kirchlichen Gebrauch benützbar zu machen.

Die Kapelle in der Dürrnau, zu Ehren des hl. Josef geweiht, gründete mit Ordinariatsbewilligung, datiert vom 20. November 1706, Johann Georg Lang, dotierte sie mit 54 Gulden und verlangte hiefür jährlich drei Messen.

Aus eigenem Antrieb erbauten Christian Scharf, Rosa und Maria Huber im Jahre 1732 in Schönau eine Kapelle, die zu Ehren der „Maria vom guten Rat" geweiht wurde, um an Sonn- und Feiertagen bei schlechter Witterung Privatandacht pflegen zu können.

Auch im Holzgauer Feld stand anno 1657 bereits die Dreieinigkeitskapelle, die aber drohte einzustürzen, worauf sich die Jungfrau Elisabeth Maldoner in frommer Absicht entschloß, diese abzubrechen, um sie nachher wiederum neu erstehen zu lassen. Ueber das Grundstück, auf welchem sich die Kapelle befindet, ist dahin eine Vereinbarung getroffen worden, daß der jeweilige Nutznießer dieses Ackers für die Aufrechterhaltung der neu erbauten Kapelle zu sorgen habe.

Besonders interessant erscheint folgende Statistik über die Seelsorgsgemeinde Holzgau, die vom Jahre 1833 herrührt. Es entstanden in diesem Jahre in Holzgau 162 Häuser mit 159 Familien. Die Einwohnerzahl betrug 643 und es waren vom Jahre 1822—1832, also innerhalb 10 Jahren, 191 Geburten und 180 Sterbefälle zu verzeichnen. Ehen wurden innerhalb dieser 10 Jahre 36 geschlossen. Anschließend seien noch der Reihenfolge nach die Herren Pfarrer von Holzgau angeführt: Jeremias Thanhauser, Mich. Rheeck, Jakob Steiger, — Christ. Feuerstein 1623, Jakob Pnecher 1629, — Gg. Tschan aus Baden 1659, — Wolfgang Frickinger 1661, — Jakob Lehrbach v. Augsburg 1700, — German Lutz 1707 — Christ. Klotz 1718 — zum 2. mal Germ. Lutz 1721, — Josef Tauscher, Prov., — Christ. v. Specker 1747, — Jos. Heinr. Zeiler 1764, — Dr. Jos. Anton Schneller, Prov., — Josef Strobel 1796, — Joh. Ulr. Schrejeck v. Steeg 1822, — und Jos. Knitel v. Holzgau, zugleich k. und k. Distr.-Schulinspektor.

Die Gemeinde Hägerau hingegen wurde anfänglich von der Pfarre Holzgau administriert. Da sich aber im Laufe der Zeit in genanntem Orte der Vermögensstand verbesserte, bat auch Hägerau bereits im Jahre 1768 um einen eigenen Priester, welche Bitte aber nichts fruchtete, 1722 ist in diesem Sinne neuerdings an kompetenter Stelle ein solches Ansuchen vorgebracht worden, einen eigenen Priester halten zu dürfen, den man jährlich mit 150 Gulden zu dotieren gedachte. Nachdem der bischöfliche Konsens (Einwilligung ) am 3. Oktober 1772 gegeben und die Stiftungsurkunde den 12. März 1773 in Reutte errichtet worden war, ließ sich auch die Regierung dazu bewegen, der Ortschaft Hägerau die Ratifikation (Gültigkeitserklärung) am 23. Juli 1774 und das Ordinariat am 23. Nov. 1773 zu erteilen.

Auf Grund Gubernial-Dekrets vom 17. Mai 1786 ist die Kaplanei dann in eine Expositur umgewandelt worden, um dem Priester seinen Wirkungskreis dahin vergrößern zu können, daß er ermächtigt wäre, im eigenen Friedhof Tote zu beerdigen, Taufen vorzunehmen, das Sakrament der Ehe zu spenden und auch noch die übrigen kirchl. Funktionen vornehmen zu dürfen.

Eine Kapelle zu Ehren der Märtyrer Fabian und Sebastian stand bereits schon im Jahre 1623 beim Kreuz am Hager. Sie wurde aber 1727 das Opfer einer Lawine. Hägerau bekam 2 Jahre später abermals die Bewillung, die Kapelle aufbauen zu dürfen und mit diesen Konsens war das Recht verbunden, die neu erstehende Kapelle ins Dorf zu versetzen. Konsekriert wurde die neu erbaute Kapelle vom Weihbischof zu Augsburg zu Ehren des hl. Sebastian und Rochus.

Da aber die neue Kapelle nicht alle Ortsbewohner fassen konnte, so erbaute man im Jahre 1786 das heutige, vom Fürsten Franz Karl von Hohenlohe am 5. September 1811 eingeweihte Gotteshaus. Die Ortschaft Hägerau besaß 1833 44 Häuser mit ebensovielen Familien. Die Einwohnerzahl betrug 177 und es waren innerhalb der 10 Jahre 1822 bis 1832 54 Geburten und 58 Todesfälle zu verzeichnen. Ehen wurden während dieser Zeit 15 geschlossen.

Die Detaillierung der Pfarrei Oberlechtal findet somit ihren Abschluß. Veranschaulichen wir uns in folgendem das Unterlechtal oder die sogenannte Pfarre Elbigenalp.

Die hiezu nötige Einleitung ist bereits gegeben und wir gehen gleich zu Expositur Bach über. Genannte Gemeinde gehörte anfangs zur Pfarrei Elbigenalp. Da die meisten Gemeinden des Lechtales jedoch bereits ihre eigenen Kirchen und Priester hatten, so legten durch dieses Beispiel aufgemuntert, die Bewohner von Ober- und Unterbach, Benglerwald, Kranichen, Bühel und Obergiblen bei der Regierung unter Kaiser Josef II. im Jahre 1783 und am 7. Dezember 1786 zu Reutte ein Bittgesuch vor, eine eigene Seelsorge errichten zu dürfen. Das Ansuchen wurde bewilligt und man ging gleich ans Werk, eine Kirche und den Widum zu erbauen. Nachdem der Gemeinde die Verpflichtung abverlangt worden war, für den Unterhalt des Expositus Sorge zu tragen, ist ein solcher bereits ein Jahr später angestellt worden, obwohl die bischöfliche Ratifikation erst am 3. Mai 1792 erfolgte. Die Gemeinde, welche Patron dieser Pfründe ist, kaufte sich von der Mutterkirche Elbigenalp gänzlich frei.

In Unterbach hatte eine Schwester des Jakob Lumper, die Klosterfrau geworden war, eine Kapelle zu Ehren der „Maria-Loretto" erbauen lassen. Jak. Lumper erhielt auf sein Ansuchen hin den 19. Juni 1723 die Befugnis, diese erhöhen zu dürfen. Am 16. Juni 1731 wurde dann die Erlaubnis gegeben, in dieser Kapelle die hl. Messe zu lesen. Sie ging jedoch bald wieder ein. Die baufällige Kapelle wurde abgetragen, der Platz geebnet und man schickte sich an, ein neues Gotteshaus zu bauen. Der Tag der Grundsteinlegung ist der 15. August desselben Jahres. Am 31. September 1811 nahm der Weihbischof von Augsburg Franz Karl von Hohenlohe Schillingsfürst, die Einweihung der neuerstandenen Kirche vor. Die Einsegnung des Gottesackers vollzog am 17. Dezember 1789 Dekan Schueler.

Die Kapelle zu St. Anton im Winkl verdankt ihre Entstehung dem Gelübde eines dortigen Landmannes. Die Gemeinde bat anno 1698, daß in dieser Kapelle zelebriert werden dürfe, was man ihr 1703 auf 10 Jahre zugestand, welche Bewilliguna nach Ablauf dieser Frist wieder verlängert wurde. Die Kapelle erfuhr im Jahre 1733 eine Vergrößerung und anno 1743 ist auch die Errichtung des Kreuzweges gestattet worden.

Der Anführung wert ist auch, daß man in der Madau-Alpe ein Kirchlein errichtete, das zu Ehren der Maria vom guten Rat geweiht ward. Es liegt zwar im Gerichtsbezirk Landeck und ist zum Dekanat Zams gehörig.

Im Jahre 1679 berichtete Pfarrer Johann Rohrmoser nach Augsburg, daß er nichts dagegen habe, wenn Oswald Singer zum Andenken seines durch eine Schneelawine verunglückten Söhnleins Michael eine Kapelle zu Ehren der hl. Dreieinigkeit erbaue, wozu die Erlaubnis am 12. Juni desselben Jahres erteilt wurde. Er fügte bei, daß Madau 8 Häuser zähle, wovon 5 das ganze Jahr und die übrigen auch im Sommer bewohnt werden. Im Jahre 1756 zeigte Pfarrer Melson an, daß der Dekan Schwenninger aus Zams, wohin Madau wahrscheinlich gehöre, die Absicht habe, dort eine Kaplanei mit 400 Gulden zu stiften und meldete, daß er den Ort gerne aus seiner Pfarre entlassen wolle. Im Jahre 1769 trug sich der Priester Johann Falger selbst an, als Kaplan dort zu dienen und dort gemeinsam mit seinem Vater ein Benefizium zu stiften. Aber aus alldem wurde nichts und es blieb alles unerfüllt.

Zum Schlusse noch ein statistisches Bild von der Ortschaft Bach, am Ende des Jahres 1833. Die Einwohnerzahl betrug 511, und bestand aus 102 Familien welche in 105 Wohnhäusern untergebracht waren.

Innerhalb der Jahre 1823 bis 1833 waren in Bach 122 Geburten, 99 Sterbefälle und 17 Eheschließungen zu verzeichnen.

Expositur Stockach.


Infolge Gemeinde-Beschluß vom 12. Dezember 1739 ist mit Zustimmung des Pfarrers von Elbigenalp im Jahre 1740 dortselbst vom Ordinariate die Errichtung eines einfachen Benefiziums erlaubt worden. 7 Jahre später, den 25. Feber ist auch die Aufbewahrung des Sanktissimums und der hl. Oele für Kranke, ferner das Brennen des ewigen Lichtes, unbeschadet der pfarrlichen Rechte, zugestanden worden. Unter Kaiser Josef II. wurde so dann laut Gubernialdekret vom 17. Mai 1786, Zl. 7374, obwohl eine Lokalie vorgeschlagen worden war, eine mit allen kirchlichen Funktionen versehene Expositur errichtet. Der jährliche Kongrua-Beitrag aus dem Religionsfonde bestand aus 67 fl. 25 kr. Die Gemeinde als Stifterin ist Patron dieser Pfründe.

Die Erlaubnis, eine Kapelle zu erbauen, die nach der Fertigstellung dem hl. Josef geweiht wurde, wurde den 24. Juni 1701 gegeben. Dortselbst die hl. Messe lesen zu dürfen, bewilligte man am 30. Dezember 1706. Die Kapelle erwies sich aber bald zu klein und es vergrößerte sie während der Sommermonate der edle Spender Josef Singer und die von ihm angestellten Bauleute. Da das Kirchlein abermals bald zu klein war, um alle frommen Christen bei den Gottesdiensten zu fassen, dachte die Gemeinde daran, es nochmals zu vergrößern, wozu sie am 26. Mai 1761 die Erlaubnis erhielt. Mit der Vergrößerung begann man jedoch erst einige Zeit später und es war die Bauarbeit mit dem Jahre 1771 vollendet. Der Umbau wies eine bedeutende Verbesserung an Größe und Ausstattung auf und man konnte die vergrößerte Kapelle ruhig als Kirche qualifizieren, als welche sie am 3. August 1782 vom Suffragan von Augsburg, Joh. Nep. v. Umgelter, dann eingeweiht wurde.

In Unter-Stockach steht noch das Mutter-Gottes-Kirchlein, zu dessen Bau am 9. Jänner 1696 die Bewilligung gegeben worden war und das 2 Jahre später bereits der Vollendung entgegen ging.

Anschließend noch eine kurz gefaßte statistische Uebersicht der Ortschaft Stockach: Die Anzahl der Häuser betrug im Jahre 1833 52 mit 53 Familien und insgesamt 227 Einwohnern. In den letzten 10 Jahren, von 1833 zurück gerechnet, waren 49 Geburten, ebensoviele Sterbefälle und 11 Eheschließungen zu verzeichnen.

St. Nikolaus-Pfarre Elbigenalp.


Im Anfange des 16. Jahrhunderts erbaute man in Elbigenalp, da sich die Kirche, deren Erbauungsjahr ich nicht feststellen konnte, die aber wohl einige Jahrhunderte gestanden sein dürfte, als zu klein erwies, die neue Pfarrkirche, die wie ihre Vorgängerin zu Ehren des hl. Nikolaus konsekriert wurde. An ihrer Seite entstand innerhalb der Jahre 1664—1674 das heutige, vom Suffraganbischofe Gustaph Egolph den 12. Mai 1685 eingeweihte Gotteshaus unter Leitung des Herrn Georg Falger, zu welchem Bau auch die Gemeinde Elmen Beiträge zu leisten hatte. Die kleine Glocke wurde von Leonhard und Johann Baptist Ernst aus Memmingen im Jahre 1655, die mittlere ebenfalls von den Genannten, jedoch im Jahre 1684 und die große von Johann Graßmayr aus dem Oetztale im Jahre 1817 gegossen.

Der Anführung wert ist noch, daß die in Elbigenalp entstandenen Bruderschaften, nämlich die Gürtel-Bruderschaft, Maria vom guten Troste am 16. Nov. 1727 und die Rosenkranz-Bruderschaft im Jahre 1730 gegründet worden sind.

St. Martinskapelle nebst der Pfarrkirche.


Die früheren fast ausschließlich von der Viehzucht lebenden Bewohner weihten frommgläubig das Mutterkirchlein genanntem Heiligen als besonderem Patron in Viehkrankheiten, wie eine bezügliche Schrift bezeugt. Das Gotteshaus wurde im Jahre 1489 malerisch ausgestattet und 1832 von Ant. Falger noch zur rechten Zeit vor dem völligen Verfall gerettet. Heute noch halten einige Ortsbewohner das Gebeinhaus als die ursprüngliche Pfarrkirche, welche Meinung wohl nur darin als berechtigt erscheinen mag, weil einer dort anhaftenden Aufschrift einiges Gewicht beigelegt wurde, welche Behauptung allerdings als Tradition zu werten ist.

"Christus auf dem Oelberge"


Am sogenannten Oelberg oberhalb von Elbigenalp ist mit 400 Gulden im Jahre 1766 vom Frater Lukas Liskodin eine Kapelle aufgeführt worden, die als Kreuzkirchlein gelten sollte, und daher wurde ihr der Name beigelegt "Christus auf dem Oelberge." Die Bewilligung hiezu war bereits am 19. Jänner 1764 gegeben. Im Jahre 1829 ist diese von frommgläubigen Wohltätern eneuert worden. Die Behauptung, daß das Bestehen der Oelbergkapelle mit dem Jahre 1766 zu beginnen habe, wäre falsch, denn schon vorher stand bereits eine Kapelle, allerdings bloß dem Zwecke entsprechend und aus Holz. Die im Pestacker zu Grießau befindliche St. Sebastians-Kapelle ist aus eigenen Mitteln im Jahre 1698 von Kath. Pinsenberger erweitert worden und es wurde ihr anno 1832 eine Vergrößerung zuteil.

Die St. Anna-Kapelle in Untergrünau.


Die Legung des Grundsteines der St. Anna-Kapelle in Untergrünau vollzog sich den 5. Mai 1696. Ueber die St. Joseph-Kapelle in Obergrünau konnte ich bedauerlicherweise nichts Näheres in Erfahrung bringen.

Die Pfarre Elbigenalp wurde von einem Pfarrer und einem Frühmeß-Benefiziaten versehen. In der Pfarre standen folgende Herren als Seelsorger: Georg Zobel 1460; Gregor Schmid 1465; Joh. Kott 1488; Nik. Schmadler 1553; Thom. Satteler 1576; Mich. Hauß 1620; welcher auch mit der Anlegung des Taufbuches begann; Just. Mayr 1621—1642; Mart. Turneß 1647; Nik. Kranebitter 1647—1670, der als erster Priester die Seelsorge Bschlabs versah; Joh. Rohrmoser 1689; Gall. Sattele 1690; Adam Erd 1700; Joh. Bapt. Steffelmayr 1721; Abrah. Pracht 1742; Dr. Jos. Melson 1742—1773; Franz Schulz 1773—1802; Joh. Eugen Kuen 1803—1821; und darauffolgend Jos. Leimgruber.

Der Inhalt der statistischen Aufschreibung aus dem Jahre 1833 ist folgender: Die Anzahl der Wohnhäuser belief sich im genannten Jahr auf 157 mit 172 Familien, welche insgesamt die beträchtliche Einwohnerzahl von 737 Seelen ergaben. Innerhalb der 10 Jahre 1823—1833 waren 172 Geburten, 166 Sterbefälle und 43 Eheschließungen zu verzeichnen.




weitere Quellen


  • eine aktuellere und erweiterte Zusammenstellung findet man in der Zeitschrift 'Tiroler Chronist' Nr. 25 (S. 45); vom Juni 1986

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