für Dengel Ignaz Philipp
Geboren: 22. Juni 1872
Gestorben: 9. Sep. 1947
Ort: Elbigenalp
Beruf / Tätigkeit: Historiker

Ignaz-Philipp-Dengel-Gedenkmünze
Ursprünglich begann Ignaz 1892 in Innsbruck Jura studieren – doch schon ein Jahr später zog es ihn zu Geschichte, Geographie und Germanistik. Ab 1894 setzte er sein Studium in Berlin fort und war aktiv in katholischen Studentenverbindungen tätig. 1899 kehrte er jedoch nach Innsbruck zurück und promovierte dort bei dem bekannten Historiker Ludwig von Pastor zum Doktor der Philosophie. Im Anschluss agierte er als Forschungsstipendiat am Österreichischen Historischen Institut in Rom.
Bei der deutschen Papstjubiläumsfeier im März 1902 in Rom, unterfütterte er die Feierlichkeiten mit einer Festrede in schwungvoller Manier. 1905 erhielt er die Venia legendi und habilitierte sich bei Pastor im Fach Geschichte der Neuzeit. Nur vier Jahre später, genauer am 21. August 1909, wurde er außerordentlicher Professor an der Universität Innsbruck. Ab 1917 hatte er dann den Lehrstuhl für Geschichte der Neuzeit als ordentlicher Professor inne.
Aus: Außferner Bote vom 13. Feb. 1929
Der österreichische Bundeskanzler hat den Universitätsprofessor Dr. Ignaz Dengel in Innsbruck zum Direktor des Oesterreichischen Historischen Instituts in Rom ernannt, das 1881 begründet und zuletzt von Ludwig von Pastor geleitet wurde. Diese Forscherschule hat die Aufgabe, junge Gelehrte in die wissenschaftliche Erforschung des vatikanischen Archivs der vatikanischen Bibliothek und der übrigen römischen und italienischen Sammlungen praktisch einzuführen, das hier aufgespeicherte Material zur Geschichte des Mittelalters und der Neuzeit mit Einschluß der Kunstgeschichte nach bestimmten Gesichtspunkten und Abgrenzungen zu sammeln und zu verarbeiten. Der neue Leiter war Pastors Schüler und dessen Nachfolger auf der Lehrkanzel für allgemeine Geschichte der Universität Innsbruck. Geboren zu Elbigenalp im Lechtal als Sohn eines begabten Schulmeisters, habilitierte sich Doktor Dengel 1905 in Innsbruck, wurde 1917 ordentlicher Professor an Stelle Pastors und trat mit verschiedenen Gelehrtenwerken, vornehmlich Nuntiatur- und Bischofsberichten, Schriften zur Geschichte des venezianischen Palastes, des historischen Institutes in Rom mit Festschriften zu Ehren des damaligen Direktors der Ambrosianischen Bibliothek in Mailand und jetzigen Papstes, des Historikers Pastor u. a. erfolgreich hervor. Direktor Dengel behält, wie seinerzeit Pastor, seine Lehrkanzel in Innsbruck bei. Er wird im Wintersemester in Rom, im Sommersemester in Innsbruck tätig sein. Die österreichische Botschaft am Vatikan ist nun, wie vor dem Kriege, vom historischen Institut abgetrennt. Wir freuen uns über die hohe Ehrung, die unserem Landsmanne und Mitarbeiter zu teil wurde und drücken ihm unseren aufrichtigsten Glückwunsch aus.
Ende November 1930 ernannte die Königliche Römische Gesellschaft für Geschichtswissenschaft (Società Romana di Storia patria), eine der bedeutendsten und angesehensten Gelehrten-Gesellschaft Italiens, Ignaz Dengel zu ihrem 'wirklichen, ordentlichen Mitglied'.
Am 28. Juli 1932 wurde Dengel durch den Bundespräsidenten Wilhelm Miklas das Große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich verliehen.
Im Juni 1933 organisiert er als Anhänger des Dollfuss-Schuschnigg-Regimes eine 'vaterländische Kundgebung: Österreich über alles wenn es nur will!'
Das ruft Spannungen im Professorenkollegium hervor, da sich die Mitglieder des Kollegiums in zwei Blöcke gespalten hatte. Der Rektor Bernhard Mayrhofer, ein NSDAP-naher Anhänger, protestiert hierauf gegen diese Veranstaltung von Dengel, der gegen den Zusammenschluss Österreichs mit Deutschland stand. Er wollte Österreich in freundschaftlichem Bunde mit Deutschland wissen, ohne seine Eigenständigkeit aufzugeben[
1].
1935 wurde das Österreichische Institut in Rom unter seiner Leitung in das Österreichische Kulturinstitut umgewandelt.
Nach dem Anschluss Österreichs 1938 an Nazi-Deutschland verlor Ignaz, da er als entschiedener Gegner der 'großdeutschen Geschichtsauffassung' auftrat, seine Professur und wurde zunächst gänzlich ohne Pensionsansprüche, zuletzt jedoch mit gekürzten Bezügen in den Ruhestand versetzt.
1945 wurde Dengel jedoch rehabilitiert und konnte zu seiner Lehrtätigkeit in Innsbruck zurückkehren. 1946 ging er 74jährig endgültig in den Ruhestand, da eine zunehmende Kränklichkeit ihn zwang, sein Wirken als akademischer Lehrer aufzugeben. Am 9. September 1947 erlag Univ.-Prof. Dr. Ignaz Philipp Dengel schließlich dem länger währenden Leiden im Alter von 75 Jahren.
Einzelnachweise
1.
Universitätsarchiv Innsbruck