Alpin

Krottenköpfe (Luchsköpfe)

Allgäuer Alpen

Talorte: Tannheim , Weißenbach
Höhe: 2180 m


Schwierigkeitsgrad T6

"Charakter Meist weglos. Kletterstellen bis II. (mäßige Schwierigkeit) Häufig sehr exponiert. Heikles Schrofengelände. Apere Gletscher mit erhöhter Ausrutschgefahr. Meist nicht markiert Anforderung Ausgezeichnetes Orientierungsvermögen. Ausgereifte Alpinerfahrung und Vertrautheit im Umgang mit alpintechischen Hilfsmitteln"

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Bergwetter


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Wege und Pfade

Tourenbericht von Kauk vom 9. Okt. 2012
Gestern hatte ich zum Glück noch einen freien Tag, den ich dann auch maximal ausgenutzt habe. Zunächst gings auf die Krottenköpfe (2180 m, auch Luchsköpfe) dann weiter auf Lachenspitze (2126 m), Steinkarspitze (2067 m), Kalbleggspitze (2000 m) und zum Schluss auf die Rote Spitze (2130 m).

Route: Vilsalpsee - Obere Traualpe - Landsberger Hütte - Östliches Lachenjoch - Lechtaler Scharte - Südflanke - Krottenköpfe - Lechtaler Scharte - Südflanke - Lachenspitze - Steinkarjoch - Ostgrat - Steinkarspitze - Kastenjoch - Nordostrücken - Kalbleggspitze - Westliches Lachenjoch - Südostgrat - Rote Spitze - Landsberger Hütte - Retour

Aufstieg bis zum Gipfelaufbau der Krottenköpfe


vilsalpsee
rauhhorn
lache
steinkarspitze, rote spitze, geierköpfle
gappfenfelder notländ
Ausgangspunkt der Tour ist der Parkplatz am Vilsalpsee (6,50€/Tag, Zufahrt gesperrt 10-17 Uhr; alternativ in Tannheim für 4€/Tag und mit dem Rad rein). Eigentlich geht man nun am Ostufer des Vilsalpsees zur Unteren Traualpe. Momentan ist der Weg allerdings wegen Felssturzgefahr gesperrt. Deshalb muss man den See umrunden, ich würde dabei einen Zeitverlust von ca. 20 Minuten pro Weg (hin und zurück, Weg mehr als doppelt so lang) einrechnen. Vorteil wäre hier natürlich das Rad, die Sperrung des Westufers für Radfahrer ist zumindest zur Zeit nicht in Kraft.

Von der Unteren Traualpe nun auf dem breiten Hüttenzustiegsweg vorbei an der Materialseilbahn-Talstation und weiter über kurze Stufen und freie Flächen. Linkerhand findet sich ein Felsen mit Gedenktafel für eine Notärztin, die bei einem Rettungsflug durch Absturz des Hubschraubers getötet wurde. Anschließend wird die hohe Felsstufe erklommen, hier ein schöner Weg durch Birkenwald dann in mehreren Serpentinen hinauf zum Traualpsee (1640 m) mit der Oberen Traualpe (1649 m). Oberhalb des Ostufers nun zur nächsten Felsstufe, über die der Ablauf der Lache als Wasserfall hinabstürzt. Der Weg hinauf zur Landsberger Hütte ist breit in den Fels gehauen, aber abgespeckt und oft feucht (jetzt im Herbst zusätzlich noch viele Blätter). Zur Absicherung sind Ketten am Fels angebracht. Oben angekommen könnte man nach rechts schnell die Hütte erreichen. Oder man hält sich nach links und steigt hinab zur Lache (1770 m), quert den Ablauf und steigt gegenüber auf schmalem Weg durch die Latschen zum nächsten Wegweiser. An ihm folgt man dem Wanderweg nach links Richtung Schochenspitze hinauf, biegt aber kurz darauf nach rechts ab hinauf zum Östlichen Lachenjoch (1915 m).

Von hier quert man mit etwas Höhenverlust am Westrand des malerischen Gappenfelder Notländs hinüber zur Lechtaler Scharte (1955 m), das letzte Stück durch steiles Geröll etwas mühsam. In der Scharte beginnt die Traverse der steil abfallenden Südflanke nach Osten. Die Querung hinüber zur Grasabdachung unterhalb zieht sich etwas mehr als gedacht, weil man einige tiefer eingeschnittene Rinnen und ausgewölbte Rücken durchlaufen muss. Vor dem Grasdach muss noch eine abschüssige, bröselige Rinne steil aufgestiegen werden. Schließlich erreicht man das Grasdach (ca. 2120 m) des Rückens der nach Südosten hinab ins Schwarzwasserbach-Tal zieht.

Der weglose Aufstieg zu den Krottenköpfen


Ostgipfel
krottenkopf-ostgipfel
krottenkopf-westgipfel
leilachspitze
krottenkopf-westgipfel anstieg
leilach
lachenspitze
einstein
Zunächst über Pfadspuren im Gras, dann über feinsplittriges Geröll hinauf zum kleineren Felskopf. Der wird dann auf gutem Band schnell gequert in die Lücke vor dem größeren Felskopf. Auch er lässt sich scheinbar bequem auf einem Band südseitig queren, dieses ist im ersten plattigen Teil jedoch extrem brüchig. Deshalb besser über die Nordseite herum hinauf und dann aufs Band absteigen, wo wieder Graspolster eingelagert sind. Drüben dann aufs Grasdach, bis es in die Scharte vor dem Ostgipfel abbricht. Hier nun nach links hinab in die oberste Nordflanke zum Beginn einer schmalen, problemlosen Rinne. Sie hinab zum Beginn einer weiteren, viel breiteren Rinne. Am besten quert man die Rinne bereits hier oben auf passablen Tritten zu ihrer gegenüberliegenden Begrenzung. Auf dem Rand nun über gut gestuftes Gelände hinab zu einem kleinen begrasten Kopf, von dem eine weitere, unschwierige Rinne nach rechts in die Lücke führt.

Nun gibt es am Gipfelaufbau verschiedene Varianten, alle vermutlich ähnlich in den Schwierigkeiten. Am besten zunächst die zwei Absätze links der Schneide auf gerölligen Grastritten hinauf. Jetzt entweder durch die schmale Rinne (I+, weniger ausgesetzt) aufsteigen oder rechts hinauf auf die Schneide und jenseits auf guten Tritten im Schrofengelände hinauf. Oben am Plateau nun entweder links halten zu einem Klemmblock, den man über eine engste Rinne mit guten Tritten (I) umgehen kann. Oder man hält sich erneut rechts um weiter im Schrofengelände auf das nächste, grasige Plateau zu gelangen. Um dieses zu erreichen muss man bei der ersten Variante nun ein breites Felsband zu den Graspolstern queren, die es dann aufwärts zum Plateau geht. Das Band war allerdings vereist, deshalb untenrum im Brösel umgangen. Vom Plateau nun über geröllige Grastritte an die brüchigen Felsblöcke vor dem Gipfel heran, die man vorsichtig überklettert.

Westgipfel
Auf gleichem Weg zurück zum kleinen Felsblock über dem Grasdach am Wanderweg. Nun quert man möglichst nahe der Grathöhe rüber zum Westgipfel. Insgesamt gilt, dass je höher man zum Gipfelaufbau quert, desto angenehmer ist es. Vor dem Gipfelaufbau noch über brüchige Blöcke in einen schmalen Einschnitt und drüben im Brösel an die Felsen heran. Man quert unter ihnen nach links, bis sie nach oben überwindbar erscheinen. Nun die Rinne gerade empor (II laut Boris bei Gipfelsüchtig, eine Rinne weiter links mit Steinmann macht in meinen Augen keinen Sinn) oder ein breites Band nach rechts hinauf zu einem kleinen Absatz. Nun recht gerade aufwärts über zwei Absätze (knapp I) bis eine Querung auf breitem Band nach links zu einem Einschnitt möglich ist (hier trifft man wieder auf die schwere Rinne). Den Einschnitt durchsteigen und auf ausreichend vorhandenen Tritten beliebig aufwärts (knapp I), alles ist aber nicht fest, und schnell zum Gipfel.

Einschätzung der Schwierigkeiten: Insgesamt sind die beiden Gipfel erstaunlich einfach zu besteigen, wenn man über etwas Klettererfahrung und Schwindelfreiheit verfügt. Grundvoraussetzung ist aber absolute Trittsicherheit im brüchigen Gelände. In den von mir gegangenen Varianten kam mir der Ostgipfel klettertechnisch sogar schwieriger vor. Den steileren Gipfelaufbau mit der größeren Ausgesetztheit bietet zweifellos der Westgipfel.

Anmerkungen zu den Krottenköpfen: Schaut man in die Literatur, so werden die Gipfel immer wieder unterschiedlich bezeichnet. Die Österreich-Karte nennt alle Felsköpfe zwischen Leilachspitze und Lechtaler Scharte als Krottenköpfe. Die Kompasskarten unterteilen diese in die Luchsköpfe und Krottenköpfe, wobei die östlichen zwei Felsköpfe die Luchsköpfe sind. Dieser Bezeichnung folgt sowohl der aktuelle Alpenvereinsführer von Seibert (2008), auch Zettler/Groth (1985) benennen sie so. Steiner in seinem Buch zu den Allgäuer Bergnamen nennt dagegen nur Belege für die Bezeichnung Krottenköpfe, die seit 1461 belegt sind (weshalb ich dieser Benennung folgen möchte).

Unklarheiten gibt es auch über die Höhe der Gipfel. Während die Österreich-Karte und Kompass den Westgipfel mit Höhenkote versehen, nennt Seibert den Ostgipfel als Hauptgipfel. Groth/Zettler (1985) sagen, dass die Gipfel gleich hoch seien. Subjektiv empfand ich den Westgipfel als höher, aber da täuscht man sich ja auch mal.


Danach gings zurück über den Steig in die Lechtaler Scharte, von wo die Querung der Südflanke fortgesetzt wird. Immer wieder geht es durch Rinnen, teilweise sogar etwas brüchig und mit einer ganz kurzen, sehr einfachen Kraxelstelle. Man folgt dem Steig noch in die Südwestflanke der Lachenspitze, bis man ungefähr in Falllinie des Gipfels nochmals durch eine markante Rinne steigt. An deren Westrand zieht eine steile Grasrampe hinauf zum Normalweg der Lachenspitze.

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Schlüsselwörter: krottenköpfe, luchsköpfe, leilachspitze, vilsalpsee, landsberger hütte, östliches lachenjoch, lechtaler scharte

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