Singer Philipp
Geburts-, Wohn-,
Arbeits- oder Wirkungsort
Reutte
Sterbejahr
1931
Kaufmann; Verwaltungsratsmitglied des Elektrizitätswerkes der Gemeinde Reutte
3
Außferner Bote vom 22. April 1931
Vom Giebel des Magistrates weht die Trauerfahne. Unser 2. Vizebürgermeister, Gemeindeverwalter i. P. Philipp Singer ist in der Nacht von Montag auf Dienstag für immer von uns gegangen. Der Verstorbene, eine im ganzen Bezirk bekannte Persönlichkeit, war am 1. Mai 1866 geboren und stand somit im 65. Lebensjahre. Nach Vollendung seiner Schulzeit erlernte er in Innsbruck das Buchbinder- und Glasergewerbe und durchwanderte nach seiner Lehrzeit einen Großteil Oesterreichs, Deutschlands und der Schweiz als Geselle. Nach Reutte zurückgekehrt, übte er zunächst das Glasergewerbe aus. Da diese Beschäftigung allein nicht seine ganze Zeit auszufüllen vermochte, entschloß sich der arbeitsfreudige Mann, bei dem damaligen Notar Eduard Poley eine Stelle als Kanzlist anzunehmen, umsomehr, als das elterliche Porzellanwarengeschäft damals seine noch rüstige Mutter führte, welche ihm erst vor einigen Jahren im Tode vorausging. Nach dem Ableben des Gemeindesekretärs Lagg, dem Vater des langjährigen Schulleiters Thomas Lagg in Reutte, erhielt der Verstorbene unter Altbürgermeister Bauer im Jänner 1905 den Posten als Sekretär der Marktgemeinde Reutte. Mit Liebe und Hingebung waltete er seines Amtes. Als großer Naturfreund nützte er seine freien Stunden dazu aus, um die Markungen der Gemeinde auf das genaueste kennen zu lernen und mit Recht sagte man bei Grenzangelegenheiten: "Fraget den Philipp!" Schwere Zeiten hatte Singer im Kriege mitzumachen. Unter Bürgermeister Müller wurde ihm die Versorgung der Reuttener Bevölkerung mit Lebensmitteln übertragen. Trotz der vielen Unanehmlichkeiten, welche diese Arbeiten mit sich brachten, verlor er den Mut nicht und war, wenn die Frauen mit noch so "kriegerischer" Miene angerückt kamen, nie verlegen. Er verstand es immer wieder, sie zu beruhigen. Seine damaligen Mitarbeiter, besonders Frau Witwe Huter, welche mit anhören mußten was man dem Philipp alles sagte, konnten seine eiserne Geduld nicht genug bewundern. Diese Zeiten sind nun Gottlob längst vorbei. Eines bleibt unvergeßlich, wenn die Not noch so groß war, gerecht ist es
immer hergegangen. Unter Bürgermeister Schretter wurde Philipp Singer in Anerkennung seiner Verdienste zum Gemeindeverwalter ernannt , welche Stelle er bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1925 innehatte. Im Jahre 1927 wurde der Verstorbene in den Gemeinderat gewählt und ging bei der engeren Wahl als 2. Vizebürgermeister hervor. Große Verdienste erwarb er sich um das Feuerwehrwesen, als langjähriger Dirigent der Bürgermusikkapelle und als Chormeister des Männergesangvereines Reutte, von welchen Vereinen er in Anerkennung seines ersprießlichen Wirkens zum Ehrenmitglied ernannt wurde. Im Jahre 1913 vermählte sich der Heimgegangene mit Fräulein Frieda Schennach. Dieser Ehe entsproß eine Tochter welche heute im 17. Lebensjahre steht. Der schwergeprüften Gattin und Tochter, sowie seinen noch lebenden drei Geschwistern, von denen ein Bruder der Franziskanerpater Liborius und einer pensionierter Zollwach-Beamter und eine Schwester die Gutsbesitzers-Witwe Frau Christine Angerer ist, wendet sich die allgemeine Teilnahme zu. Nun wird der nimmermüde Mann morgen mit allen Ehren nach Breitenwang getragen. Sein Wirken versichert ihm ein unvergeßliches Gedenken der gesamten Mitbürger.
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