Oswald Wilhelm
Geburts-, Wohn-,
Arbeits- oder Wirkungsort
Lermoos
Sterbejahr
1929
Bahnvorsteher
4
Aus: Außferner Bote vom 9. März 1929
Lermoos. Am Grabe eines Mannes, der in der Vollkraft seiner Jahre plötzlich durch einen Schlaganfall seiner Familie und seiner Arbeit entrissen wurde, eines Mannes, in dem nicht allein eine liebende Frau mit ihren drei Kindern den verlorenen Gatten und Vater beweint, um den vielmehr alle trauern, die ihn kannten, den immer fröhlichen, seelenguten, hilfsbereiten Bahnvorstand von Lermoos Wilhelm Oswald, noch einmal zu verweilen, erachten wir als Ehrenpflicht dem Toten gegenüber. Der Verstorbene, ein Vorarlberger aus Nenzing mit seiner unverwüstlichen Vorarlberger Mundart kam mit der Eröffnung der Mittenwaldbahn als Bahnvorstand im Jahre 1913 nach Lermoos und war neben seinem Herrn Kollegen aus Scharnitz der älteste Stationsbeamte auf der Mittenwaldbahnstrecke. Oswald war einer der Seltenen, die keine Feinde haben. Diese Eigenschaft gründend auf Gutherzigkeit, auf das Sichhineinfühlen in jedermanns Lage, ständige Hilfsbereitschaft und Gefälligkeit ließen ihn bald zum Freunde aller werden, die ihn kannten. Immer und überall zeigte er seine gute Laune, seinen frohen Sinn und sein ehrliches Lachen, alles Dinge, die ihm die Arbeit und die Sorge für die Familie, an der er mit allen Fasern hing, zur Freude und zum Lebensbedürfnis werden ließ. Der Verstorbene war, wo er immer hinkam, ein gern gesehener, willkommener Gesellschafter und er war ein Beamter, wie ihn das Volk will, immer und überall zuvorkommend. Oswald ist aber auch außerdienstlich für das Allgemeinwohl nicht untätig gewesen. Insbesondere während der Kriegs- und Nachkriegszeit hat er sich um die Lebensmittelversorgung in der Gemeinde Lermoos ganz besonders verdient gemacht und er ließ es sich in der damaligen schwierigen Situation nicht verdrießen, das in seinen Kräften stehende Beste zu tun. Die Lermooser haben den allzeit versöhnlichen Charakter auch in den Gemeinderat Berufen, wo er wiederum mit ganzer Arbeit die auf ihn gesetzten Erwartungen erfüllte. Der Tote war weiter eifriges Vorstandsmitglied des Verschönerungsvereines und Mitglied des Wintersportvereines Lermoos und als solches eifrig aktiv tätig. Daß der Verstorbene auch im Dienste seinen Vorgesetzten und Kollegen ein lieber Beamter und unvergeßlicher Freund war, bewies die geradezu überraschend starke Beteiligung am Leichenbegängnisse aus Berufskreisen, wobei insbesondere auch die Herren Kollegen aus dem bayerischen Nachbarlande ein starkes Kontingent stellten. Alle Geschäfts- und Gesellschaftskreise hatten den so rasch Dahingegangenen lieben gelernt und es war jedermann ein Bedürfnis, diesem Manne das letzte Geleite zu geben, um so der Witwe und ihren Kindern, zum Troste zu sein, die ihren so guten treubesorgten, alles gebenden Vater in der Vollkraft eines gesunden Mannes als Toten aus seinem Friedensheime tragen lassen mußten. Trotz seines bescheidenen Beamtengehaltes opferte er alles, um seinen Kindern, an denen er mit echt väterlicher Liebe hing, das unentwertbarste Gut im Leben, einen Beruf, zu geben. Der älteste Sohn studiert Medizin in den letzten Semestern, der zweitälteste ist höherer Baugewerbeschüler und sein Töchterchen besucht die
Handelsschule. Welche Freude wären diesem Manne die Früchte langjähriger opfernder Arbeit gewesen! Sie zu sehen war ihm nicht vergönnt. Mutter und Kinder haben mit dem Heimgange ihres Vaters das Beste verloren und noch kann man es schier nicht glauben, daß das fröhliche Gesicht des Vorstandes Oswald uns nicht mehr grüßt, wenn wir in Lermoos aus- oder einsteigen. Wir Lermooser danken dir guter Oswald für das, was du uns warst. Sei versichert, daß deine Freunde, die du dir geschaffen hast, auch deiner zurückgelassenen Gattin und deinen Kindern gute Freunde bleiben werden!