Geschichte

Via Camboduno

römische Verbindungsstraße zwischen Reutte und Kempten

römer raetia

Der teils vermutete und teils gesicherte Verlauf


Der Abzweig


Allgemein wird angenommen, dass vom Hauptstrang der Via Claudia Augusta zwischen Reutte und Pflach ein Seitenweg der römerzeitlichen Kaiserstraße in Richtung Kempten abzweigte. In manchen Quellen wird die Möglichkeit einer Furt in Betracht gezogen, welche im Bereich des sogenannten "Mange Sessele" das westliche Lechufer erreicht haben könnte.

Richard Knussert vertrat die Meinung, dass der Abzweig bereits im Bereich des heutigen Gasthofes 'Waldrast' erfolgte. Von dort einen Teil östlich um den Sintwag herum und zuletzt, einem heute noch im Gelände sichtbaren Damm von Süden nach Reutte hinein folgend, genauer in die sogenannte Kög, um dann etwas oberhalb der heutigen Lechbrücke zwischen Reutte und Lechaschau eine alte Furt, bis vor einigen Jahrzehnten noch als Flurname 'die Überfahrt' bekannt, als Übergang über den Lech zu nutzen. Danach, so führt er fort, könnte die mittelalterliche Straßentrasse über das Unterdorf und Hinterbichl in Richtung Oberletze bereits zur Römerzeit genutzt worden sein[1].

Die Möglichkeit möchte ich natürlich nicht gänzlich in Abrede stellen, mir erscheint es nur nicht sonderlich plausibel. Eine solche, etwas umständliche Wegführung, würde meines Erachtens nicht so wirklich in das Bild der optimierten Trassenführung römischer Straßenbauer passen.

Vom Mange Sessele ausgehend gibt es speziell bei Oberletzen und auch südlich des Wiesbichls´ zahlreiche Hinweise auf die römerzeitliche Straße, wobei sich darunter auch mittelalterliche oder frühneuzeitliche Trassenanpassungen befinden dürften.

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In gerader Linie führt die angenommene Trasse durch die Roßschläg [Münzfunde: Trajan, 98 - 117; Decius, 249 - 251; Claudius Gothicus (Soldatenkaiser), 268 - 270; Crispus, 317 - 326] hindurch, bis zum Musauer Ortsteil Brandstatt. Nachdem die spätantike Straße den Sababach überquert hatte, verlief sie etwas weiter südwestwärts, als die heutige Straße. Interessant wäre vor allem der genaue Verlauf im Bereich des sogenannten 'Moos', am südöstlichen Sporn des Ranzenbergs. Den Schummerungsbildern (tiris) zufolge, könnte sich hier ein kurzer Bohlenweg befinden, falls der Trassenanstieg bis zum heutigen Radweg ins Ranzental tatsächlich auf römische Zeit zurückgeht und nicht erst später angelegt wurde.

Vom Ranzen- ins Vilstal


Das Ranzental ansteigend, richtete man die Linienführung auf die Lücke zwischen Ranzen (nördlich) und Galgenberg (südwestlich) aus, wo sie am tiefsten Punkt diesen Einschnitt (Flurname 'Zeiger' und 'Einfang') passierte und scharf südlich des "Ranzenhofes" den Stadtkern beim Oberen Tor von Vils ansteuerte. In den moosigen Flächen südöstlich von Vils sind aufgrund der landwirtschaftlichen Nutzung und der Entwässerungsbauten keine Spuren mehr erkennbar.

Aus: Außerferner Nachrichten vom 23. Juli 1955
"...Dr. Knussert stellte fest, daß in Vils die Überlieferung an die Römerstraße sehr lebendig geblieben ist. Alte Leute erinnern sich noch daran, daß bei Bauarbeiten im oberen Ort unter der auf der Römerstraße liegenden heutigen Straße in etwa 40 Zentimeter Tiefe ein Knüppeldamm zum Vorschein kam..."

Nach dem Städtchen Vils etwa 60 Meter südlich der B309, möglicherweise im Bereich der heutigen Kapelle bei Angerwies, zieht ein Fahrweg gegen Westnordwest. Ob dieser mit der Römerstraße identisch ist, lässt sich nicht gesichert sagen, jedoch vereinigen sich die antike und moderne Trasse in der Weiterführung dann spätestens bei Schönbichl, wo Knussert auf dem Querriegel unweit der alten Zollstelle in höherer Lage einen römischen Wachturm (Burgus) vermutete, was sich jedoch aus den Grabungsbefunden nicht bestätigen ließ. Vielmehr handelt es sich bei den Mauerresten auf der Anhöhe um eine neuzeitliche Baulichkeit.

Ein südlich von Schönbichl aufgeworfener Damm hat offenbar keinen Zusammenhang mit der römerzeitlichen Situation, da dieser wohl erst später, zum Schutz vor Vermurungen durch den Reichenbach, angelegt wurde.

Knussert erkennt hier, von der Staatsgrenze bis nach Pfronten, keine Hinweise auf den antiken Straßenzug. Meines Erachtens gibt es eine Spur, die nach passieren des Schuttfächers des Reichenbaches zunächst gegen Westen verläuft. Vorerst nur als wenig ausgeprägter Damm durch die Felder, später als Feldweg zum Kesselbach hinziehend, hart südlich des Campingplatzes. Geradewegs, nur leicht der Flurform mehr gegen Westen folgend, dem Feldweg entlang weiter bis zum Ahornbach. Westlich des Bachlaufes verliert sich die Spur eine Zeit lang, taucht dann aber wieder als Fahrweg auf, welcher zuletzt, kurz vor dem Skizentrum Pfronten, in den heutigen Krokusweg einmündet.

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Aus: Beiträge für Kunst und Alterthum im Oberdonau-Kreise (1829)
"...es scheint aber, daß die Römer von Campodunum her über Nesselwang, Pfronten, und Reutti die Strasse in das Tyrol ebenfalls gekannt haben. Denn i. J. 1824 erhielt der k. Regierungs-Direktor v. Raiser in Augsburg von dem k. Landgerichts-Arzt Dr. Kriß in Füßen eine in einem Acker bey Pfronten gefundene, wohlerhaltene römische Silber-Münze von Kaiser Trajan v. J. 104 n. Chr. ..."

Durch großflächige Überbauungen ist heute vom Verlauf der Strecke im Bereich Pfronten-Steinach, -Ösch und -Ried nichts mehr erkennbar. Mit großer Wahrscheinlichkeit stieg sie östlich des Hörnle, zwischen dem Friedhof der Pfrontener St.-Nikolauskirche und dem Krankenhaus an, um nordöstlich von Röfleuten in den 'Einfängweg' überzugehen und in die Senke zwischen Hündleskopf und Josberg zu führen.

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Es folgt ein feuchter Wiesengrund, durch welchen ein kleiner Bach fließt. In nordwestliche Richtung weiter, in den Einschnitt westlich der Erhebung eines namenlosen Kopfes, über einen ausgeprägten Damm empor. Hier für diese Stelle ist lt. Knussert auch der Fund einer römischen Münze bezeugt.
Kurz nach überschreiten des Sattels senkt sich der Weg hin nach Kappel ab. Nach den Angaben Knusserts sind die Spuren der Römerstraße unter mehreren Anwesen festgestellt worden. Er nennt dabei die Hofnamen 'Mauser' und 'Hafner'.

Im Bereich der Wertach


Mehr oder weniger geradlinig steuert die antike Trasse die heutige Nesselwanger Kirche an und nutzt eine kurzzeitig ansteigende Mulde um sich auf das darüberliegende Geländeniveau empor zu schwingen. Durch Gschwend hindurch, leicht gegen Westen ausholend, senkt sich der Verlauf gegen die Wertach ab um mittels einer Brücke dieselbe zu überwinden. Der heute als Römerbrücke bekannte Bau stammt nachweislich aus dem Hochmittelalter, jedoch ist es einigermaßen wahrscheinlich, dass sich an selber Stelle - oder zumindest im nahen Umfeld - ein antiker Brückenbau befand.

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Im Quellgebiet der Rottach


Der Fortgang der Strecke im Bereich des Rottachmoos´ ist heute nicht mehr nachvollziehbar. Interessant wäre jedoch, ob sich hier - ähnlich wie bei Lermoos - ein Prügelweg unterhalb der heutigen Straßentrasse finden würde. Weiters ließen sich zwischen Oberzollhaus und Schlechtenberg wieder Spuren der römischen Trasse feststellen.

Hinab ins Tal der Iller


durach
Anfang der 1890er Jahre findet man im Zuge der Straßenverlegung südöstlich von Durach, nahe Wenglings und der alten Duracher Mühle, Ziegel aus der Römerzeit, sowie Terra-Sigilata-Schalen. Zeitnah eingeleitete Grabungen brachten eine römische Ansiedlung zum Vorschein, welche direkt an der alten Römerstraße gelegen hatte[2].

In und um Cambodunum (Kempten)


Unter der Bezeichnung Wiggensbacher Schatz versteht man einen Fund aus Münzen und Schmuck, der im Jahr 1888 eher zufällig ans Licht kam. Auslöser der Entdeckung war eine Kuh, die an der Waldegger Höhe mit ihren Hufen im Boden scharrte und dabei die Münzen freilegte. Die aufgefundenen Stücke lassen sich zeitlich in die Zeit vom 1. bis zum 3. Jahrhundert nach Christus einordnen und wurden an dieser Stelle vermutlich kurz vor dem Einfall der Alamannen im Jahr 233 n. Chr. verborgen. Entdeckt wurde dieser Hortfund im Jahr 1888.

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Einzelnachweise


1. Das Füssener Land in früher Zeit, Dr. Richard Knussert (1955)
2. Allgäuer Geschichtsfreund, Bd. 7, 1894 (Römische Bauten bei Durach; August Ullrich)

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