
Ausferner Bote vom 7. Jänner 1926
"Die Falger, aus Kempten stammend, sind eines alten und guten Geschlechts und ist das Wappen in dem Paul Fürst'schen Wappenbuch Teil VII Pag. 369 in Kupfer gestochen, sowie in den zechischen Manuskripten beschrieben und zu finden. Aus einer Urkunde aus dem 17. Jahrhundert scheint hervorzugehen, daß die Falger im 16. Jahrhundert nach Tirol eingewandert sind. Der Begründer der Reuttener Patrizierfamilie Falger kam nach Ueberlieferung als Hirtenbub nach Reutte und dürfte dessen Sohn oder Enkel Ignaz Falger, Kaufmann, Spediteur, Erbauer der seinerzeitigen Papiermühle, jetzt Elektrizitätswerk, Postmeister und Wirt zur Gemse das sogenannte obere Falgerhaus, jetzt Schönerhaus, im Jahre 1721 erbaut haben.
Ein Bruder des vorerwähnten Begründers ist der Vorfahre des in den letzten Jahren mehrfach genannten Graveurs Anton Falger aus Elbigenalp, eines Zeitgenossen Goethes.
Das jetzige Falgerhaus erbaute im Jahre 1738 vorerwähnter Ignaz als Post- und Gasthaus zum Greifen, verbunden mit Handlung. In diese Zeit fallen die Durchreise des Kaisers Josef II. 1777 und Sr. Heiligkeit des Papstes Pius VI., 1782. Die Durchreise Kaiser Josefs versinnbildlichen 2 Fresken im Gasthof Krone in Reutte und im Gasthaus zur Post, Heiterwang. Zur Erinnerung an die Durchreise Sr. Heiligkeit des Papstes wurde am Schönerhause eine Gedenktafel angebracht mit der Inschrift: Pius Sixtus Pont. Max. ertheilte selbsthier öffentlich über das Volk den heiligen Segen. 7. Mai 1832. Die Inhaber bezw. Eigentümer des Handlungshauses waren in kurzer Reihenfolge: Ignaz, verehelicht mit einer Rohrmooser aus Weißenbach, Ignaz Dominikus, verehelicht mit Katharina Zeiler, Josef Anton, verehelicht mit Josefa Silbernagl, Ignaz, verehelicht mit Anna Geisenhof, Alois, verehelicht mit Marianne Peintner, Antonia, verehelichte Greitner, Josef Christoph, geboren 1807, gestorben 1891, Heinrich, geboren am 6. April 1856 übernahm die Firma und den Besitz im Jahre 1887 von seinem Vater Josef Christoph.
Seiner hingebenden Tätigkeit und vorbildlich reellen Geschäftsführung ist es zu danken, daß die alte Firma die Kriegs- und Nachkriegsfolgen überdauern und in das 3. Jahrhundert ihres Bestehens eintreten konnte. Heinrich Falger war auch im öffentlichen Leben tätig. Er wirkte lange Jahre im Gemeinderate unter den altverdienten Bürgermeistern Alois Bauer und Engelbert Müller und leistete als Finanzreferent und Mitglied des Verwaltungsrates des Elektrizitätswerkes der Gemeinde wertvolle Dienste.
Seit dem Jahre 1920 zeichnet als Inhaber der Firma sein Neffe Ing. Josef Falger."
Am Mittwoch, den 31. August 1932, erscheint anläßlich des Ablebens des Kaufmannes Heinrich Falger in den Innsbrucker Nachrichten ein Artikel mit weiteren historischen Details zu den Falger.
In Reutte errichteten sie eine Leinölmühle und -Presse und trieben schwunghaften Handel mit Leinen, das sie in ihren eigenen, am Säuling angebrachten Bleichanlagen bleichten. [...]
In den Jahren 1774 bis 1776 bauten die Falger am Fuße des Zwieselberges eine Papierfabrik, die für Tirol von großer Bedeutung war und auf deren Mauern zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Gemeinde Reutte das Elektrizitätswerk erstehen ließ. Die Handelsbeziehungen der Falger reichten bis nach Triest, Venedig, Genua, Frankfurt a. M. etc. und insbesondere unter Anton Falger im 19. Jahrhundert wurden Gütertransporte nach Westdeutschland und nach Italien durchgeführt. Anton Falger war es auch, der das Gasthaus 'Weißhaus' nach dessen Zerstörung in den Freiheitskämpfen erwarb und wieder aufbaute.
Aus: Außferner Bote vom 21. Sep. 1932
„Beim Potsdamerle".
So lautet die alte Bezeichnung des Kaufhauses Falger in Reutte, das unter diesem Namen im ganzen Bezirke bekannt und geschätzt war. Diese Benennung erhielt es, weil der Vater des jüngst verstorbenen Heinrich Falger sich in seinen jungen Jahren als Kaufmannsgehilfe in dem schönen und geschichtlich berühmten Potsdam bei Berlin längere Zeit aufgehalten hatte und mit Vorliebe davon erzählte. In Reutte besteht nämlich beim Volke eine gewisse Neigung, Personen und Häusern Beinamen zu geben, wie: „Hamburger", „Wienerhaus", „Welsche" usw. Das Geschäft verlor auch seinen Beinamen nicht, als es vom „Alten Potsdamerle" auf dessen Sohn Heinrich überging, der es noch weiter ausgestaltete, und dessen vorzüglichen Ruf noch vermehrte. Wenn einer nicht wußte, wo er diese oder jene Ware, insbesondere Galanteriewaren, Drogen, Farben und dgl. bekommen könnte, erhielt er es seine Frage den Bescheid: „Geh' zum Potsdamerle, da kriagst es!". So bildete das Potsdamerle den Allerweltsretter in der Not. Für wie reichhältig das Volk den Warenbestand dieses Kaufhauses schätzte, möge nachstehende Begebenheit dartun, die ungefähr 70 Jahre zurückliegt und einer gewissen Komik nicht entbehrt. In einem Pfarrdorfe der Umgebung von Reutte übernahm ein talentierter junger Mann, der für den Schuldienst Eignung zeigte und vom Pfarrherrn — damals hatte noch die Kirche die Schulaufsicht inne — hiezu bestimmt wurde, nach Absolvierung der Normalhauptschule in Innsbruck die Gemeindeschule und damit auch den Dienst eines Pfarrorganisten. Nun aber fehlte dem strebsamen jungen Mann die musikalische Vorbildung und auch mit dem Musiktalent happerte es ein wenig. Man muß wissen, daß er aus ganz ärmlichen Verhältnissen kam und wie so viele seiner männlichen Zeitgenossen unserer Gegend den Sommer über als Maurer in Bayern tätig war. Zuerst hatte er es zum Bauzeichner, später durch seine Tüchtigkeit und seinen gediegenen Charakter zu einem geschätzten Lehrer gebracht. Nebstbei versah er noch etwa 4 Jahrzehnte lang ununterbrochen in ausgezeichneter Weise den Dienst eines Gemeinde- u. Pfarrvorstandes. Durch eiserne Beharrlichkeit wurde er auch ein brauchbarer Organist. Allerdings tat er sich anfangs als solcher sehr schwer und sein Gönner, der würdige Pfarrherr äußerte der Schwester des Lehrers sein Bedenken mit den Worten: „Alles ist recht an ihm, nur befürchte ich, daß das Volk mit seinem Spiel nicht recht zufrieden ist. Er soll halt ein besseres Musikgehör haben." Die Schwester verstand den Wunsch des Pfarrers und sein Wunsch war ihr Befehl. Sie war zeitlebens nie aus dem Heimatdörfchen fortgekommen, einem Dörfchen, das sich besonderer altpatriarchalischer Lebensformen erfreute. Auch sonst zählte sie, die dem Bruder den Haushalt führte, zu den gutgläubigen, naiven Seelen. Kurz entschlossen ging sie schnurstracks nach Reutte zum Potsdamerle und verlangte um einen Gulden „Musikghear" für den Hansjörg. Sie wollte viel davon haben und opferte deshalb aus ihren Sparkreuzern. Wenn's Potsdamerle auch alles mögliche in seinem Geschäfte führte, für diesmal konnte es nicht dienen.
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