
Ruine Vilsegg um 1850
Um das Jahr 1506 wurden Ausbauten an der Vorburg unternommen, wobei mutmaßlich auch die St. Anna-Kapelle unterhalb der Burg aus dieser Zeit zu stammen scheint, in der sich der Überlieferung zufolge eine Einsiedelei befunden habe[1]. 1631 werden letztmalig Ausbesserungsarbeiten für die Burg genannt.
Mitte des 18. Jahrhunderts wird der Verfall der Burg in der Chronik festgehalten. Zusätzlich beschädigt das Erdbeben von 1930 den Turm so schwer, dass ein Unwetter im September 1939 einen Großteil des Mauerwerks schließlich einstürzen lässt.
Aus: Außferner Bote vom 9. Aug. 1930
Vils. Josef Bader verkaufte die Ruine Vilseck samt Grund- und Waldkomplex an Rayonsinspektor Perle um den Preis von 12.000 Schilling.
Heute ist nur noch der große, gut erhaltene Bergfried zu sehen. Dieser war einstmals bewohnbar, fünfgeschossig und mit Schwalbenschwanzzinnen versehen. Weitere Teile im östlichen Areal der Burganlage wurden jüngst freigelegt.
Unterhalb der Burg, in Nachbarschaft zu der Kapelle St. Anna, wurde etwa zum Ende des 13. Jahrhunderts die Hammerschmiede errichtet. Es war die Waffenschmiede der Ritter von Hohenegg. Man bestellte die besten Waffenschmiede ihrer Zeit, Meister der Metallverarbeitung, welche die Schmiede mal für zivile und dann wieder für militärische Zwecke nutzten. So war sie bis 1960 gewerblich in Betrieb, fristete danach einer Art Dornröschen-Schlaf um in den letzten Jahren wieder zum Leben erweckt und anhand von Führungen dem Interessierten zugänglich gemacht zu werden.
Aus: Außferner Bote vom 1. Juni 1932
Hoheneck und Vilseck
Von Lehrer Weber, Lindau.
Die Herrschaft Hoheneck im Allgäu gehörte einst einem uredlen Rittergeschlechte gleichen Namens an, dessen Stammschloß Hoheneck in der Pfarrei Ebratshofen bei Schüttentobel im königl. bayerischen Amtsgerichte Weiler als Ruine noch besteht. Diese Ritter waren mit den Edlen von Trauchburg, deren Schloß bei Klein-Weiler an der württembergischen Grenze gelegen ist, eines Stammes. Beide Familien führten einen schwarzen Ochsenkopf mit blutroten Hörnern im silbernen Schilde. Während der eine Bruder auf Hoheneck waltete, saß der andere auf Trauchburg. Sie gehörten der Reichsritterschaft der fünf Viertel von Schwaben und kontribuierten mit jenem an der Donau. In einer Kapelle des Klosters Marchtal an der Donau war ihre Familiengruft.
Der zu Anfange des 14. Jahrhunderts lebende Peter von Hoheneck war mit Anna, Gräfin von Montfort, verehelicht, besaß das Schloß Vilseck und den Flecken Vils bei Füssen, als freies Eigentum, und erwarb sich im Jahre 1318 die Vogtei Sulzschneid bei Oberdorf als ein bischöfl. Pfandlehen von Augsburg.
Im Jahre 1327, acht Tage vor Maria Geburt, erhob der römische König Ludwig der Bayer Vils zur Stadt mit allen Statuten und Rechten der Stadt Kaufbeuern. Am Dienstage vor St. Thomas 1359 verkauften die Brüder Andreas, Bertold und Johann von Hoheneck ihrem Oheime, dem Grafen Wilhelm von Montfort zu Bregenz, ihre Burg Hoheneck, den Kirchensatz zu Ebratshofen, die Vogtei zu Gegenhofen usw. um 3000 Pfund Pfennige Konstanzer Münze. Damals wohnten sie schon bleibend auf Vilseck, gaben ihre Herrschaft dem Stifte Kempten hin und empfingen sie als Lehen zurück.
Später wurde Vils und Vilseck ein tirolisches Manns- und Stammlehen. Andreas von Hoheneck und seine Frau Margareth von Freiberg zu Eisenberg stifteten im Jahre 1395 die Stadtpfarrei zu Vils.
Diese Familie, die das Erbkämmereramt des Stiftes Augsburg erblich bekleidete, besaß folgende Privilegien: a) Die Freiung der Todschläger innerhalb gewisser Grenzen; b) den Zoll zu Vils nach einem bestimmten Tarife; c) das Geleitsrecht auf offener Straße von der Heiterwanger Ache in Tirol bis zum Rottacher Bache bei Oy unweit von Kempten; d) den Bann zu Vils, das Blut zu richten; endlich e) das Hals- und Blutgericht hinter verschlossenen Türen, über Leben und Tod rechtsprechen zu dürfen, mit der Befugnis, daß die Bürger zu Vils außer dem Stadt- und Reichskammergerichte vor kein anderes geladen werden können. Aus diesem Geschlechte war Rudolf von Hoheneck, des römischen Königs Rudolf I. Kanzler und Erzbischof von Salzburg, gest. 1290; dessen Nichte Margareth von Hoheneck, die zweite Frau Heinrichs von Hoheneck im unteren Inntale, unter der die hl. Notburga viel Gutes vollbrachte; Albrecht Fürstabt zu Kempten, gest. 1587 usw. Das Geschlecht erlosch mit mit Johann Franz, Freiherrn von Hoheneck zu Vilseck und Sulzschneid am 16. Juni 1671. Das Wappen dieser Dynasten behielt die Herrschaft Hoheneck im Allgäu stets bei. Man bemerkt es noch am Pulverturme herwärts der Klause zu Bregenz. Einst sah man es auch — nebst den andern Gerichtswappen — am Turme auf dem Pfänder.
Einzelnachweise
1. Beitrag zu Vils von Josef Weingartner, in Allgemeiner Tiroler Anzeiger vom 29. Sep. 1908 (S. 3)
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