Aus: Zeitschrift des DÖAV (1911)
"...nach einer halben Stunde schritten wir der Kapelle zu, vorerst einen Blick in eines der der verlassenen, Jahrhunderte alten Bauernhäuser werfend. Ein modriger Geruch schlug uns entgegen, den Atem beklemmend. Tief durchlöcherter Fußboden, ein Fragment eines Bettes, in der Ecke die Ruine eines Tisches und ein 'Herrgottswinkerl'. Wir verließen gern diese Stätte 'menschlicher' Kultur.
Nichtsdestoweniger möchte ich einiges über dieses verlassene Dorf der Vergessenheit entreißen, wobei ich gleich an dieser Stelle Herrn Expositus Urban Draxl in Bach im Lechtale für die liebenswürdige Unterstützung den wärmsten Dank ausdrücke. Madau gehört zur politischen Gemeinde Zams, Bezirkshauptmannschaft Landeck. Es bestand früher aus acht, später aus sieben Höfen. Etwas bachaufwärts oberhalb der verlassenen Ansiedlung lag der 'Rethhof' und gegenüber die drei 'Egghöfe', die heute nicht mehr bestehen, an deren Stelle dermalen Heustadel aufgebaut sind. Alle drei gehörten zusammen. Der 'Rethhof' ist jedenfalls Namengeber für die weiter obenliegende 'Rethalm' gewesen und unzweifelhaft von ihm stammt der Name des Baches und Tales — daher 'Rethbach' und 'Rethtal' zu schreiben ist, und nicht 'Röt'tal bezw. Rötbach. Das weltverlassene, in tiefster Ruhe liegende Dörfchen, das eine unglaublich schwierige Verbindung mit der Außenwelt hatte, ist schon sehr, sehr alt.
Leider reichen die pfarrämtlichen Aufzeichnungen in Elbigenalp nur bis zum 19.Juli 1619 zurück. Das Dörfchen war von sehr ergiebigen Wiesen und Bergweiden umgeben, und da die Nordwinde keinen Zugang haben, konnte, wie Spuren noch zeigen, auch Ackerwirtschaft betrieben werden. Madau war bis zum Ende des 18. Jahrhunderts bewohnt. Im Jahre 1782 ist die letzte Geburt und im Jahre 1789 der letzte Todesfall in den Matriken verzeichnet. 1905 brannten zwei Höfe ab, von denen einer wieder teilweise aufgebaut wurde. Die jetzigen Höfebesitzer ziehen im Herbste mit ihrem Vieh dorthin, um das gewonnene Futter an Ort und Stelle aufzufüttern. Am unbequemsten für die braven Madauer waren jedenfalls die kirchlichen Verhältnisse. Denn jeden Sonn- und Feiertag mußten die guten Leute drei Stunden weit nach Elbigenalp wandern, um die religiösen Gefühle zu befriedigen.
Trotz dieser großen Entfernung waren sie immer die ersten in der Kirche, wie der Chronist berichtet. Eigentlich gehörte Madau zur Pfarre Zams im Inntale, das Dorf wurde jedoch von jeher von Elbigenalp, beziehungsweise von Bach aus versorgt. Die Einwanderung scheint sonach vom Inntale her erfolgt zu sein. Im Jahre 1679 erbaute Oswald Singer von Madau daselbst eine Kapelle zum Gedächtnis für seinen durch eine Schneelawine verunglückten Sohn Michael.
Im Jahre 1743 wurde für diese Kapelle der Kreuzweg bewilligt. Der Pfarrer Schweninger von Zams hat für einen eigenen Priester in Madau 4000 Gulden gestiftet, weil er fürchtete, der Pfarrer von Elbigenalp könnte allenfalls einmal die Provision in Madau zurücklegen, in welchem Falle das Dorf dann von Zams aus versehen hätte werden müssen, was wohl unmöglich gewesen wäre. Die Madauer nahmen aber diese Stiftung nicht an, die nun in Zams selbst errichtet wurde. Im Jahre 1769 wollte Johann Falger, einstmaliger Kaplan von Vorderhornbach im Lechtale, mit Hilfe seines Vaters in Madau ein Benefizium stiften und selbst dorthin ziehen, vorläufig auf ein Jahr zur Probe. Jedoch auch das ist niemals zustande gekommen..."
Auszug aus - Zeitschrift des DÖAV (1877)
"...und betritt nun eine weite Thalmulde, die Mahdau. Noch zu Anfang dieses Jahrhunderts war dieser abgelegene Winkel bewohnt; die sechs Bauernhöfe stehen noch, aber sie dienen nur mehr zur Zeit der Heuernte den Mähern als Unterkunft..."
Aus: Serie im Außferner Boten im März und April 1935; Aufsatz des Dr. Josef Wolf
Bach. Aus einer sehr interessanten Studie von Professor Wolf (Feldkirch), ein Kind unserer Heimat, entnehmen wir über Ursprung und Namensgebung des bei unserem Orte einmündenden Madautales folgende interessante Darstellung:
Zur Zeit, als das Lechtal, in welches das Madautal ausmündet, noch ein siedlungsleeres Oedland war, benützten die romanisierten Breonen aus der Umgebung von Zams und den sonstigen Terrassen des Stanzertales die leicht überschreitbaren Scharten hinüber ins Parseiertal und weideten ihr Vieh auf dem am Ende des Tales liegenden Almböden von Madau. Daß die ersten Bewohner, die in dieses Tal gekommen, Romanen waren, bezeugt uns die Bezeichnung Madau, das mit dem romanischen mottone - großer Hügel oder mit dem italienischen montagna - Berglein (Hermann Wopfner) oder mata, erweicht mada, also Bergort (P. Isidor Hopfner) in Zusammenhang steht. Jedenfalls ist die Erklärung Christian Schnellers in „Ferdinandeum, 1877 Seite 32 Madau - Mahd-au, also eine Au zum Mähen verfehlt. Es haben vielmehr die romanischen Bauern des oberen Inntales und des Stanzertales die verhältnismäßig leichten Uebergänge in die südlichen Seitentäler des noch unbewohnten Lechtales überschritten, und die dort oasenartig aus der Bergwelt leuchtenden Terrassen als Alm benützt. So ist neben unserem Madau auch über den Hahntennen das Vieh in das oberste Bschlab'sertal nach Pfafflar (pavelares - pabulum Futter, also Futterplatz) und über das Alperschonjoch auf die Almen Alperschon (von alppaccione - schlechte Alm) und über das Almejurjoch auf die Almen im Almejur (alpmaior - größere Alm) getrieben worden.
Als im Laufe der Zeit ein Teil dieser Almen, unter denen sich unser Madau befindet, zu einer Dauersiedlung ausgebaut wurde, blieben die alten Beziehungen zu der jenseits des Joches im Inntal oder Stanzertal gelegenen Siedlung lebendig. So erklärt es sich, daß das Madautal oder die Siedlungen Bschlabs, Boden, Kaisers, nach Gemeinde und im Zusammenhang damit nach Gericht und Pfarre nicht zum vorderen Tal, in das das Seitental mündet, sondern zu dem jenseits des Gebirgskammes liegenden Nachbartal gehören. So ist Madau der Gemeinde und Pfarre Zams und dem Gerichte Landeck im oberen Inntal bis auf den heutigen Tag einverleibt.
Als die Dauersiedlungen sich auf diesen einstigen Almenböden bildeten, waren das Inntal und das Stanzertal von den seit der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts in Nordtirol eindringenden Bayern in Besitz genommen worden und die Bevölkerung der Dauersiedlung war deutsch.
Nach Erhebungen in den Pfarrmatriken von Elbigenalp, wo die Madauer eingetragen wurden, waren 1620 — 1789 die deutschen Schreibnamen Wolf und Singer vertreten, einmal kommt auch der Name Schwendinger vor, vielleicht Verwandte eines Pfarrers Schwendinger in Zams. Auch eine Familie „Scharpf" (Scharf) wurde noch gefunden.
Die Dauersiedlungen haben sich in diesen Seitentälern erst bilden können, nachdem das Lechtal besiedelt worden war. (Vgl. über die Besiedlung: Dengel, Beiträge zur ältesten Geschichte von Reutte, 1924, 6 ff, und Wolf, Stockach, Festschrift 1930, 5 ff.) Die Besiedlung des Lechtales erfolgte „wegen der Rauheit des Klimas" sowie der großen Entfernung von allen Siedlungszentren und von wichtigeren Verkehrslinien am spätesten unter den Tälern Nordtirols. (H. Wopfner, Tiroler Heimat. 1, 17).
Als sich im Lechtal die der Madautalmündung zunächst gelegene Siedlung Elbigenalp, genannt das „Dorf", gebildet hatte, konnte auch die Alpe Madau ständig bewohnt werden, da die Entfernung von rund 3 Gehstunden auch im Winter mit dem Lechtale ermöglichte. Diese Dauersiedlung Madau wurde dann im Laufe der Zeit etwa in den Jahren 1790 — 1795 wieder aufgelassen und heute wird Madau nur zur Heuzeit und teilweise zur Auffütterung des gewonnenen Heues im Spätherbst bewohnt. In den schon erwähnten Elbigenalper Matriken ist für Madau im Jahre 1782 die letzte Geburt und im Jahre 1789 der letzte Todesfall verzeichnet. Die Häuser und Grund und Boden von Madau gehören heute Besitzern, die sich im Lechtale, besonders in dem an der Talmündung liegenden Bach und Stockach aufhalten. So bilden die Häuser von Madau nur mehr Zubehör eines anderen Hofes.
Wenn nun in unseren Tagen des intensiven Fremdenverkehres mutige Lechtaler sich aufraffen, in dieser alten schönen Siedlung, ein modernes „Bergheim" zu erstellen, so bekunden sie volles Verständnis für die Schönheit der Natur und für die Bedürfnisse des modernen Fremdenverkehres. Schon durch die Anlage der Memmingerhütte am Fuße des Parseier in einer Höhe von 2246 Meter, ist das Madautal dem Fremdenverkehr erschlossen worden. Die Memmingerhütte liegt tief im Parseiertal und ist in guten 5 Stunden von Bach aus zu erreichen.
Ungefähr in der Mitte des Weges liegt Madau, und wird hier die Errichtung eines Bergheimes von den Bergwanderern nur freudig begrüßt werden. Und wenn dieses Bergheim den Namen „Hermine" erhält, so ist tausend und tausend Bergfreunden, die den Namen von der freundlichen Wirtin in der Memmingerhütte in angenehmer Erinnerung haben, sofort klar, daß dieses Heim dem Unternehmungsgeist der Familie Meile sein Entstehen zu danken hat und daß dasselbe im Sinne der „Hermine" in der Memmingerhütte sich bester Führung erfreuen wird.
Ehevor wir von der Dauersiedlung Madau noch weiteres erzählen, wollen wir vom Bergheim aus uns das Tal etwas mehr ansehen. Wie schon erwähnt, entspringen auf dem Gebirgskamm, der das Lechtal vom Stanzer- und Inntal scheidet, die beiden Täler, das Parseiertal und das Alperschontal. Zwischen beiden stehen die Gebirgsstöcke des Grießmuttekopfes, der Freispitze und der Saxerspitze. Oestlich vom erstgenannten Tale gipfelt der Parseier in 3040 Meter Höhe. Wo sich die beiden Täler vereinigen und wo noch von Südosten das Rehtal sich dazugesellt liegt Madau in der Höhe von 1308 Meter, sanft ansteigend und grün aus der Umgebung hervorleuchtend. Der Märzbach schließt es nach Norden ab.
In der Tiefe rauscht der Alperschonbach weiter durch das Tal und ergießt sich bei Bach in den Lech. Das Tal heißt von der Vereinigung der drei Täler an Madautal und empfängt auf der linken Seite in einer Seehöhe von 1173 Meter die Mündung des Grieseltales. Das Tal fällt noch 100 Meter, denn die Ortschaft Bach am Ende des Tales liegt 1070 Meter hoch. Von Madau aus lassen sich stolze Bergspitzen, wahre Lieblinge der Touristenwelt, mit Vorliebe und Erfolg besteigen. Außer den schon erwähnten Bergriesen, wie Parseier, Freispitze sind es die Leiterspitze, 2752 Meter, die Wetterspitze, 2898 Meter, die Ruitelspitze, 2552 Meter, die Zwölferspitze, 2600 Meter, die Großsteinspitze, 2614 Meter, die Seableskarspitze, 2542 Meter, und die Torspitze, 2624 Meter. Das Skiparadies von Madau liegt an dem 2313 Meter hohen Greitjoch, wo eine herrliche Abfahrt über die Gfallböden die Skisportler erfreut und fesselt. Hier auf der schön gelegenen Terrasse von Madau hat sich nun eine Dauersiedlung gebildet. Die Gegend bot für die Siedler sicheres Wohnen und verhältnismäßig leichtes Arbeiten. Daß es sich um eine Dauersiedlung in dieser Gegend handelt, ersehen wir auch aus der noch heute verwendeten Bezeichnung die „Eckhöfe", die gerade Madau gegenüber auf einer kleinen Terrasse standen. Der große Siedlungsforscher Hermann Wopfner führt in der „Tiroler Heimat" 3/4, S. 69, dies näher aus. Auch die Sage hat sich bemächtigt und erweist eine Dauersiedlung. (Vgl. H. Wopfner, a. a. D.)
Sieben Bauern sollen in Madau in Ruhe und Frieden gewohnt haben. Jeder besaß sieben Kühe. Durch ein Lawinenunglück verlor ein Bauer alle sieben Kühe. Nun gab jeder der anderen sechs Bauern dem vom Unglück heimgesuchten eine Kuh und jetzt besaßen sie wieder gleichviel Kühe, nämlich jeder sechs.
Eine andere Sage weiß zu berichten, daß die Bauern in großer Redlichkeit und Rechtschaffenheit und Frömmigkeit miteinander lebten. Da lebte im „Rehthof" bei Madau ein heiligmäßiger Mann, der so fromm war, daß er auf dem Wasser gehen konnte. Einmal hob er einen Stab vom Wege auf, um sich darauf zu stützen. Von diesem Augenblicke an trug ihn das Wasser nicht mehr. Als er den Stab wieder an seinen früheren Ort gebracht hatte, konnte er wieder auf dem Wasser wandeln wie früher.
Die Zufriedenheit, die Ruhe und die Ordnung brachte in diese einsame, aber herrlich schöne Gegend die Sonne des Christentums, die über diese Siedlung mit all ihrer Kraft leuchtete. Die Bewohner mußten nach Elbigenalp in die Kirche gehen, wo schon früh die erste kirchliche Organisation, dem Bistum Augsburg unterstellt, entstanden war.
Da erzählt man, daß ein altes Weiblein an Sonntagen den fast drei Stunden weiten Weg nach Elbigenalp zum Gottesdienst schwer machen konnte und öfters demselben fern blieb. Der Pfarrherr von Elbigenalp ließ ihr nun eine aufmunternde Zuschrift zum Besuche des sonntäglichen Gottesdienste zukommen. Am folgenden Sonntag kam das Weiblein wieder zur Kirche. Nach dem Gottesdienste fragte der Pfarrer das Weiblein, das ihm gesagt hatte, daß es drei Stunden auf dem Wege gewesen sei, was es denn auf dem langen Wege getan habe. Sie sagte, daß sie drei Vaterunser gebetet habe. Der Pfarrer meinte, daß das gerade nicht viel für die lange Zeit sei. Darauf habe ihm das Weiblein bedeutet, daß sie mit diesen drei Vaterunser kaum fertig geworden sei, da der Inhalt des Vaterunsers so ganz und gar zur Betrachtung geeignet sei. Dabei hängte sie den Schirm, den sie bei sich trug, frei in die Luft. Der Pfarrherr habe hierauf, erstaunt ob der Frömmigkeit und der Tiefe dieses religiösen Gemütes des Weibleins, unter Schweigen und Nachdenken sich entfernt.
Kirchlich gehörte Madau zur Pfarre Zams im Inntal und die Madauer mußten den Zehent auch nach Zams zahlen. Seelsorglich betreut wurden sie aber, da es näher war, von Elbigenalp aus. Am 1. Mai 1679 richtete der Elbigenalper Pfarrer Rohrmoser an seine Vorgesetzte kirchliche Stelle die Bitte, daß einem gewissen Oswald Singer zu Madau die Erlaubnis erteilt wurde, zu Ehren der heiligsten Dreifaltigkeit eine kleine Kapelle dort erbauen zu dürfen. Die Kapelle sollte nach dem Andenken an den durch eine Lawine getöteten Sohn Michael des Bauern gelten. Am 12. Juni 1679 wurde die Erlaubnis erteilt.
Der Umstand, daß Madau stets von Elbigenalp aus prosidiert wurde und daß Madau aber keinen Zehent wie die anderen Lechtaler zahlen, veranlaßte 1756 den Pfarrer von Elbigenalp zu einer Anfrage in Breitenwang, wie es sich mit Madau eigentlich verhalte. Der Pfarrer von Zams, der von dieser Anfrage Kenntnis erhielt und der fürchtete, daß Elbigenalp den Zehent an sich ziehen werde, brachte eine Stiftung von 4000 Gulden für einen Priester in Madau auf. Die Errichtung kam nicht zustande, der gestiftete Betrag wurde für eine Priesterstelle in Zams verwendet und in Madau blieben die bisherigen Verhältnisse.
Im Jahre 1769 erhielt Johann Falger, gewesener Kaplan von Vorderhornbach, die Erlaubnis, in der Kapelle von Madau die hl. Messe lesen zu dürfen und pfarrliche Funktionen auszuüben, soweit sie ihm vom Pfarrer in Elbigenalp zugestanden werden. Zur Errichtung eines Benefiziums ist es jedoch nicht gekommen.
In den folgenden Jahrzehnten wurde dann, wie wir früher erwähnt haben, Madau als Dauersiedlung aufgegeben. In einem Schematismus von 1824 wird die Kapelle von Madau als „Mariahilf-Kapelle" bezeichnet und der Expositur Bach zugezählt. Anfangs sollen sieben Häuser in Madau gewesen sein. Im Jahre 1679 wird von acht Häusern gesprochen und in der erwähnten Anfrage des Elbigenalper Pfarrers vom Jahre 1756 ist von zwölf Häusern die Rede.
Die Zunahme der Siedlungen hat wohl eine Güterteilung zur Folge gehabt, da es an Ausdehnungsmöglichkeit gefehlt hat. So entstanden Kleingüter. Die Bildung von Zwerggütern, die ihrem Inhaber nur kärglichen Unterhalt gewähren oder für die Ernährung einer zahlreich werdenden Familie überhaupt nicht mehr hinreichten, dürften im Verein mit anderen, allmählich wirkenden Ursachen wirtschaftlicher und sozialer Natur es bewirkt haben, daß diese alte Siedlung Madau verlassen wurde und die Häuser und Güter nur Zubehör eines Hofes im Tale geworden sind.
Das neue Bergheim „Hermine" möge es mit sich bringen, daß dieser schöne Fleck Erde wieder dauernd besiedelt wird und daß wir wieder Gewinn an urkräftigem, gesundem Volkstum erreichen, was nur im Interesse des ganzen deutschen Volkes gelegen wäre. Denn die landbautreibende Bevölkerung, besonders in den Gebirgsgegenden, stellt einen geistig und körperlich hochwertigen Teil unseres Volkes dar und ist die Grundlage der geistigen und körperlichen Verfassung desselben.
"...nach einer halben Stunde schritten wir der Kapelle zu, vorerst einen Blick in eines der der verlassenen, Jahrhunderte alten Bauernhäuser werfend. Ein modriger Geruch schlug uns entgegen, den Atem beklemmend. Tief durchlöcherter Fußboden, ein Fragment eines Bettes, in der Ecke die Ruine eines Tisches und ein 'Herrgottswinkerl'. Wir verließen gern diese Stätte 'menschlicher' Kultur.
Nichtsdestoweniger möchte ich einiges über dieses verlassene Dorf der Vergessenheit entreißen, wobei ich gleich an dieser Stelle Herrn Expositus Urban Draxl in Bach im Lechtale für die liebenswürdige Unterstützung den wärmsten Dank ausdrücke. Madau gehört zur politischen Gemeinde Zams, Bezirkshauptmannschaft Landeck. Es bestand früher aus acht, später aus sieben Höfen. Etwas bachaufwärts oberhalb der verlassenen Ansiedlung lag der 'Rethhof' und gegenüber die drei 'Egghöfe', die heute nicht mehr bestehen, an deren Stelle dermalen Heustadel aufgebaut sind. Alle drei gehörten zusammen. Der 'Rethhof' ist jedenfalls Namengeber für die weiter obenliegende 'Rethalm' gewesen und unzweifelhaft von ihm stammt der Name des Baches und Tales — daher 'Rethbach' und 'Rethtal' zu schreiben ist, und nicht 'Röt'tal bezw. Rötbach. Das weltverlassene, in tiefster Ruhe liegende Dörfchen, das eine unglaublich schwierige Verbindung mit der Außenwelt hatte, ist schon sehr, sehr alt.
Leider reichen die pfarrämtlichen Aufzeichnungen in Elbigenalp nur bis zum 19.Juli 1619 zurück. Das Dörfchen war von sehr ergiebigen Wiesen und Bergweiden umgeben, und da die Nordwinde keinen Zugang haben, konnte, wie Spuren noch zeigen, auch Ackerwirtschaft betrieben werden. Madau war bis zum Ende des 18. Jahrhunderts bewohnt. Im Jahre 1782 ist die letzte Geburt und im Jahre 1789 der letzte Todesfall in den Matriken verzeichnet. 1905 brannten zwei Höfe ab, von denen einer wieder teilweise aufgebaut wurde. Die jetzigen Höfebesitzer ziehen im Herbste mit ihrem Vieh dorthin, um das gewonnene Futter an Ort und Stelle aufzufüttern. Am unbequemsten für die braven Madauer waren jedenfalls die kirchlichen Verhältnisse. Denn jeden Sonn- und Feiertag mußten die guten Leute drei Stunden weit nach Elbigenalp wandern, um die religiösen Gefühle zu befriedigen.
Trotz dieser großen Entfernung waren sie immer die ersten in der Kirche, wie der Chronist berichtet. Eigentlich gehörte Madau zur Pfarre Zams im Inntale, das Dorf wurde jedoch von jeher von Elbigenalp, beziehungsweise von Bach aus versorgt. Die Einwanderung scheint sonach vom Inntale her erfolgt zu sein. Im Jahre 1679 erbaute Oswald Singer von Madau daselbst eine Kapelle zum Gedächtnis für seinen durch eine Schneelawine verunglückten Sohn Michael.
Im Jahre 1743 wurde für diese Kapelle der Kreuzweg bewilligt. Der Pfarrer Schweninger von Zams hat für einen eigenen Priester in Madau 4000 Gulden gestiftet, weil er fürchtete, der Pfarrer von Elbigenalp könnte allenfalls einmal die Provision in Madau zurücklegen, in welchem Falle das Dorf dann von Zams aus versehen hätte werden müssen, was wohl unmöglich gewesen wäre. Die Madauer nahmen aber diese Stiftung nicht an, die nun in Zams selbst errichtet wurde. Im Jahre 1769 wollte Johann Falger, einstmaliger Kaplan von Vorderhornbach im Lechtale, mit Hilfe seines Vaters in Madau ein Benefizium stiften und selbst dorthin ziehen, vorläufig auf ein Jahr zur Probe. Jedoch auch das ist niemals zustande gekommen..."
Auszug aus - Zeitschrift des DÖAV (1877)
"...und betritt nun eine weite Thalmulde, die Mahdau. Noch zu Anfang dieses Jahrhunderts war dieser abgelegene Winkel bewohnt; die sechs Bauernhöfe stehen noch, aber sie dienen nur mehr zur Zeit der Heuernte den Mähern als Unterkunft..."
Aus: Serie im Außferner Boten im März und April 1935; Aufsatz des Dr. Josef Wolf
Bach. Aus einer sehr interessanten Studie von Professor Wolf (Feldkirch), ein Kind unserer Heimat, entnehmen wir über Ursprung und Namensgebung des bei unserem Orte einmündenden Madautales folgende interessante Darstellung:
Zur Zeit, als das Lechtal, in welches das Madautal ausmündet, noch ein siedlungsleeres Oedland war, benützten die romanisierten Breonen aus der Umgebung von Zams und den sonstigen Terrassen des Stanzertales die leicht überschreitbaren Scharten hinüber ins Parseiertal und weideten ihr Vieh auf dem am Ende des Tales liegenden Almböden von Madau. Daß die ersten Bewohner, die in dieses Tal gekommen, Romanen waren, bezeugt uns die Bezeichnung Madau, das mit dem romanischen mottone - großer Hügel oder mit dem italienischen montagna - Berglein (Hermann Wopfner) oder mata, erweicht mada, also Bergort (P. Isidor Hopfner) in Zusammenhang steht. Jedenfalls ist die Erklärung Christian Schnellers in „Ferdinandeum, 1877 Seite 32 Madau - Mahd-au, also eine Au zum Mähen verfehlt. Es haben vielmehr die romanischen Bauern des oberen Inntales und des Stanzertales die verhältnismäßig leichten Uebergänge in die südlichen Seitentäler des noch unbewohnten Lechtales überschritten, und die dort oasenartig aus der Bergwelt leuchtenden Terrassen als Alm benützt. So ist neben unserem Madau auch über den Hahntennen das Vieh in das oberste Bschlab'sertal nach Pfafflar (pavelares - pabulum Futter, also Futterplatz) und über das Alperschonjoch auf die Almen Alperschon (von alppaccione - schlechte Alm) und über das Almejurjoch auf die Almen im Almejur (alpmaior - größere Alm) getrieben worden.
Als im Laufe der Zeit ein Teil dieser Almen, unter denen sich unser Madau befindet, zu einer Dauersiedlung ausgebaut wurde, blieben die alten Beziehungen zu der jenseits des Joches im Inntal oder Stanzertal gelegenen Siedlung lebendig. So erklärt es sich, daß das Madautal oder die Siedlungen Bschlabs, Boden, Kaisers, nach Gemeinde und im Zusammenhang damit nach Gericht und Pfarre nicht zum vorderen Tal, in das das Seitental mündet, sondern zu dem jenseits des Gebirgskammes liegenden Nachbartal gehören. So ist Madau der Gemeinde und Pfarre Zams und dem Gerichte Landeck im oberen Inntal bis auf den heutigen Tag einverleibt.
Als die Dauersiedlungen sich auf diesen einstigen Almenböden bildeten, waren das Inntal und das Stanzertal von den seit der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts in Nordtirol eindringenden Bayern in Besitz genommen worden und die Bevölkerung der Dauersiedlung war deutsch.
Nach Erhebungen in den Pfarrmatriken von Elbigenalp, wo die Madauer eingetragen wurden, waren 1620 — 1789 die deutschen Schreibnamen Wolf und Singer vertreten, einmal kommt auch der Name Schwendinger vor, vielleicht Verwandte eines Pfarrers Schwendinger in Zams. Auch eine Familie „Scharpf" (Scharf) wurde noch gefunden.
Die Dauersiedlungen haben sich in diesen Seitentälern erst bilden können, nachdem das Lechtal besiedelt worden war. (Vgl. über die Besiedlung: Dengel, Beiträge zur ältesten Geschichte von Reutte, 1924, 6 ff, und Wolf, Stockach, Festschrift 1930, 5 ff.) Die Besiedlung des Lechtales erfolgte „wegen der Rauheit des Klimas" sowie der großen Entfernung von allen Siedlungszentren und von wichtigeren Verkehrslinien am spätesten unter den Tälern Nordtirols. (H. Wopfner, Tiroler Heimat. 1, 17).
Als sich im Lechtal die der Madautalmündung zunächst gelegene Siedlung Elbigenalp, genannt das „Dorf", gebildet hatte, konnte auch die Alpe Madau ständig bewohnt werden, da die Entfernung von rund 3 Gehstunden auch im Winter mit dem Lechtale ermöglichte. Diese Dauersiedlung Madau wurde dann im Laufe der Zeit etwa in den Jahren 1790 — 1795 wieder aufgelassen und heute wird Madau nur zur Heuzeit und teilweise zur Auffütterung des gewonnenen Heues im Spätherbst bewohnt. In den schon erwähnten Elbigenalper Matriken ist für Madau im Jahre 1782 die letzte Geburt und im Jahre 1789 der letzte Todesfall verzeichnet. Die Häuser und Grund und Boden von Madau gehören heute Besitzern, die sich im Lechtale, besonders in dem an der Talmündung liegenden Bach und Stockach aufhalten. So bilden die Häuser von Madau nur mehr Zubehör eines anderen Hofes.
Wenn nun in unseren Tagen des intensiven Fremdenverkehres mutige Lechtaler sich aufraffen, in dieser alten schönen Siedlung, ein modernes „Bergheim" zu erstellen, so bekunden sie volles Verständnis für die Schönheit der Natur und für die Bedürfnisse des modernen Fremdenverkehres. Schon durch die Anlage der Memmingerhütte am Fuße des Parseier in einer Höhe von 2246 Meter, ist das Madautal dem Fremdenverkehr erschlossen worden. Die Memmingerhütte liegt tief im Parseiertal und ist in guten 5 Stunden von Bach aus zu erreichen.
Ungefähr in der Mitte des Weges liegt Madau, und wird hier die Errichtung eines Bergheimes von den Bergwanderern nur freudig begrüßt werden. Und wenn dieses Bergheim den Namen „Hermine" erhält, so ist tausend und tausend Bergfreunden, die den Namen von der freundlichen Wirtin in der Memmingerhütte in angenehmer Erinnerung haben, sofort klar, daß dieses Heim dem Unternehmungsgeist der Familie Meile sein Entstehen zu danken hat und daß dasselbe im Sinne der „Hermine" in der Memmingerhütte sich bester Führung erfreuen wird.
Ehevor wir von der Dauersiedlung Madau noch weiteres erzählen, wollen wir vom Bergheim aus uns das Tal etwas mehr ansehen. Wie schon erwähnt, entspringen auf dem Gebirgskamm, der das Lechtal vom Stanzer- und Inntal scheidet, die beiden Täler, das Parseiertal und das Alperschontal. Zwischen beiden stehen die Gebirgsstöcke des Grießmuttekopfes, der Freispitze und der Saxerspitze. Oestlich vom erstgenannten Tale gipfelt der Parseier in 3040 Meter Höhe. Wo sich die beiden Täler vereinigen und wo noch von Südosten das Rehtal sich dazugesellt liegt Madau in der Höhe von 1308 Meter, sanft ansteigend und grün aus der Umgebung hervorleuchtend. Der Märzbach schließt es nach Norden ab.
In der Tiefe rauscht der Alperschonbach weiter durch das Tal und ergießt sich bei Bach in den Lech. Das Tal heißt von der Vereinigung der drei Täler an Madautal und empfängt auf der linken Seite in einer Seehöhe von 1173 Meter die Mündung des Grieseltales. Das Tal fällt noch 100 Meter, denn die Ortschaft Bach am Ende des Tales liegt 1070 Meter hoch. Von Madau aus lassen sich stolze Bergspitzen, wahre Lieblinge der Touristenwelt, mit Vorliebe und Erfolg besteigen. Außer den schon erwähnten Bergriesen, wie Parseier, Freispitze sind es die Leiterspitze, 2752 Meter, die Wetterspitze, 2898 Meter, die Ruitelspitze, 2552 Meter, die Zwölferspitze, 2600 Meter, die Großsteinspitze, 2614 Meter, die Seableskarspitze, 2542 Meter, und die Torspitze, 2624 Meter. Das Skiparadies von Madau liegt an dem 2313 Meter hohen Greitjoch, wo eine herrliche Abfahrt über die Gfallböden die Skisportler erfreut und fesselt. Hier auf der schön gelegenen Terrasse von Madau hat sich nun eine Dauersiedlung gebildet. Die Gegend bot für die Siedler sicheres Wohnen und verhältnismäßig leichtes Arbeiten. Daß es sich um eine Dauersiedlung in dieser Gegend handelt, ersehen wir auch aus der noch heute verwendeten Bezeichnung die „Eckhöfe", die gerade Madau gegenüber auf einer kleinen Terrasse standen. Der große Siedlungsforscher Hermann Wopfner führt in der „Tiroler Heimat" 3/4, S. 69, dies näher aus. Auch die Sage hat sich bemächtigt und erweist eine Dauersiedlung. (Vgl. H. Wopfner, a. a. D.)
Sieben Bauern sollen in Madau in Ruhe und Frieden gewohnt haben. Jeder besaß sieben Kühe. Durch ein Lawinenunglück verlor ein Bauer alle sieben Kühe. Nun gab jeder der anderen sechs Bauern dem vom Unglück heimgesuchten eine Kuh und jetzt besaßen sie wieder gleichviel Kühe, nämlich jeder sechs.
Eine andere Sage weiß zu berichten, daß die Bauern in großer Redlichkeit und Rechtschaffenheit und Frömmigkeit miteinander lebten. Da lebte im „Rehthof" bei Madau ein heiligmäßiger Mann, der so fromm war, daß er auf dem Wasser gehen konnte. Einmal hob er einen Stab vom Wege auf, um sich darauf zu stützen. Von diesem Augenblicke an trug ihn das Wasser nicht mehr. Als er den Stab wieder an seinen früheren Ort gebracht hatte, konnte er wieder auf dem Wasser wandeln wie früher.
Die Zufriedenheit, die Ruhe und die Ordnung brachte in diese einsame, aber herrlich schöne Gegend die Sonne des Christentums, die über diese Siedlung mit all ihrer Kraft leuchtete. Die Bewohner mußten nach Elbigenalp in die Kirche gehen, wo schon früh die erste kirchliche Organisation, dem Bistum Augsburg unterstellt, entstanden war.
Da erzählt man, daß ein altes Weiblein an Sonntagen den fast drei Stunden weiten Weg nach Elbigenalp zum Gottesdienst schwer machen konnte und öfters demselben fern blieb. Der Pfarrherr von Elbigenalp ließ ihr nun eine aufmunternde Zuschrift zum Besuche des sonntäglichen Gottesdienste zukommen. Am folgenden Sonntag kam das Weiblein wieder zur Kirche. Nach dem Gottesdienste fragte der Pfarrer das Weiblein, das ihm gesagt hatte, daß es drei Stunden auf dem Wege gewesen sei, was es denn auf dem langen Wege getan habe. Sie sagte, daß sie drei Vaterunser gebetet habe. Der Pfarrer meinte, daß das gerade nicht viel für die lange Zeit sei. Darauf habe ihm das Weiblein bedeutet, daß sie mit diesen drei Vaterunser kaum fertig geworden sei, da der Inhalt des Vaterunsers so ganz und gar zur Betrachtung geeignet sei. Dabei hängte sie den Schirm, den sie bei sich trug, frei in die Luft. Der Pfarrherr habe hierauf, erstaunt ob der Frömmigkeit und der Tiefe dieses religiösen Gemütes des Weibleins, unter Schweigen und Nachdenken sich entfernt.
Kirchlich gehörte Madau zur Pfarre Zams im Inntal und die Madauer mußten den Zehent auch nach Zams zahlen. Seelsorglich betreut wurden sie aber, da es näher war, von Elbigenalp aus. Am 1. Mai 1679 richtete der Elbigenalper Pfarrer Rohrmoser an seine Vorgesetzte kirchliche Stelle die Bitte, daß einem gewissen Oswald Singer zu Madau die Erlaubnis erteilt wurde, zu Ehren der heiligsten Dreifaltigkeit eine kleine Kapelle dort erbauen zu dürfen. Die Kapelle sollte nach dem Andenken an den durch eine Lawine getöteten Sohn Michael des Bauern gelten. Am 12. Juni 1679 wurde die Erlaubnis erteilt.
Der Umstand, daß Madau stets von Elbigenalp aus prosidiert wurde und daß Madau aber keinen Zehent wie die anderen Lechtaler zahlen, veranlaßte 1756 den Pfarrer von Elbigenalp zu einer Anfrage in Breitenwang, wie es sich mit Madau eigentlich verhalte. Der Pfarrer von Zams, der von dieser Anfrage Kenntnis erhielt und der fürchtete, daß Elbigenalp den Zehent an sich ziehen werde, brachte eine Stiftung von 4000 Gulden für einen Priester in Madau auf. Die Errichtung kam nicht zustande, der gestiftete Betrag wurde für eine Priesterstelle in Zams verwendet und in Madau blieben die bisherigen Verhältnisse.
Im Jahre 1769 erhielt Johann Falger, gewesener Kaplan von Vorderhornbach, die Erlaubnis, in der Kapelle von Madau die hl. Messe lesen zu dürfen und pfarrliche Funktionen auszuüben, soweit sie ihm vom Pfarrer in Elbigenalp zugestanden werden. Zur Errichtung eines Benefiziums ist es jedoch nicht gekommen.
In den folgenden Jahrzehnten wurde dann, wie wir früher erwähnt haben, Madau als Dauersiedlung aufgegeben. In einem Schematismus von 1824 wird die Kapelle von Madau als „Mariahilf-Kapelle" bezeichnet und der Expositur Bach zugezählt. Anfangs sollen sieben Häuser in Madau gewesen sein. Im Jahre 1679 wird von acht Häusern gesprochen und in der erwähnten Anfrage des Elbigenalper Pfarrers vom Jahre 1756 ist von zwölf Häusern die Rede.
Die Zunahme der Siedlungen hat wohl eine Güterteilung zur Folge gehabt, da es an Ausdehnungsmöglichkeit gefehlt hat. So entstanden Kleingüter. Die Bildung von Zwerggütern, die ihrem Inhaber nur kärglichen Unterhalt gewähren oder für die Ernährung einer zahlreich werdenden Familie überhaupt nicht mehr hinreichten, dürften im Verein mit anderen, allmählich wirkenden Ursachen wirtschaftlicher und sozialer Natur es bewirkt haben, daß diese alte Siedlung Madau verlassen wurde und die Häuser und Güter nur Zubehör eines Hofes im Tale geworden sind.
Das neue Bergheim „Hermine" möge es mit sich bringen, daß dieser schöne Fleck Erde wieder dauernd besiedelt wird und daß wir wieder Gewinn an urkräftigem, gesundem Volkstum erreichen, was nur im Interesse des ganzen deutschen Volkes gelegen wäre. Denn die landbautreibende Bevölkerung, besonders in den Gebirgsgegenden, stellt einen geistig und körperlich hochwertigen Teil unseres Volkes dar und ist die Grundlage der geistigen und körperlichen Verfassung desselben.
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