
Pieter Brueghel der Ältere - Triumph des Todes (1562)
Abschrift einer eindrücklichen Schilderung aus der Zeit der Pest in der Rochuskapelle bei Albisried (Seeg):
Eine anschauliche und heute noch Gänsehaut erregende Schilderung liefert uns der Pfarrer Johann Mink. Am Ende des 30 jährigen Krieges schrieb er eine Chronik über die Ereignisse in seiner Pfarrei während der Kriegsjahre. Dieser redaktionell bearbeitete Bericht ist so allgemein gültig und zeittypisch, dass er ebenfalls getrost auf die Zustände in unserem Raum übertragen werden kann:
Anno 1634: Dieses Jahr ist ein recht gefährliches und für alle ein recht betrübtes und höchst schädliches Jahr gewesen. Die Kaiserlichen kamen in unser Land und raubten und verwüsteten alles so weit, dass weder Rind noch Pferde, Schweine, Federvieh oder dergleichen in Dörfern und Städten übrigblieben.
Kein Mensch durfte sich auf dem Land blicken lassen, ihm wurde nachgejagt wie einem Wild, er wurde ergriffen, unbarmherzig geschlagen, nackt an den heißen Ofen gebunden, aufgehängt, mit Rauch erstickt, mit Wasser und Jauche getränkt, was die Soldaten den Leuten aus Zubern in den Mund schütteten und mit Füßen auf ihren dicken Bäuchen herum sprangen. Dieser barbarische Trunk wurde der „Schweden Trunk“ genannt.
Wegen dieser Tyrannei und weil es auf dem Land keine Lebensmittel mehr gab, waren die Dörfer von allen Bewohnern verlassen.
Anno 1635: Nachdem nun das ganze Land ausgeplündert war und kein Rind oder Pferd mehr vorhanden, wurde auch keine Sommerfrucht ausgesät.
Dazwischen und neben den anderen Kriegsschrecken schickte Gott uns die Pest, an der viele starben, die schon zu Beginn des Jahres anfing, aber im Frühling, als es wärmer wurde, noch viel schlimmer wütete, so dass die Leute schnell und haufenweise daran starben und man konnte sie nicht ordentlich begraben.
Da starben viele Leute auf dem Land, so dass niemand von ihrem Tod etwas wusste, darum blieben sie oft lange Zeit unbeerdigt liegen, so dass sie verfault und voller Würmer waren. Es lagen oft Kranke mit Toten im Bett. Die Krankheit dauerte bis zum Herbst, was zwar keine lange Zeit ist, jedoch starben so viele Menschen auf dem Land, so dass kaum der zwanzigste Teil, in mehreren Dörfern aber überhaupt niemand übrig blieb. Der Hunger trieb die Leute so sehr, dass sie Aas fraßen, wo immer sie welches finden konnten. Hunde und Katzen sind Leckerbissen gewesen. Frösche und Kröten haben sie mit allem Unrat ohne Salz, Schmalz und Gewürz, nur gekocht oder geröstet in großer Menge gegessen. Zugemüse waren Nesseln, allerhand gute und schlechte Kräuter und Pilze, giftige und ungiftige, wovon die Leute oft große Schmerzen und langwierige Schwachheit bekamen.
Durch diesen Hunger ging es vielen Leuten so schlecht, dass sie nichts als Haut und Knochen waren, die Haut hing ihnen am Leib wie ein Sack, sie waren ganz schwarz-gelb, mit weiten Augen, krätzig, aussätzig, dick geschwollen, fiebrig, so dass es einem grauste, sie anzusehen.
Noch Jahre nach dem abklingen der Pest und dem Ende des 30 jährigen Krieges sind überall die Leiden und Nachwehen jener entsetzlichen Zeit spürbar. Eine Vielzahl von Urkunden und Berichten in (Pfarr) Chroniken erzählen von der Qual der Bevölkerung. Rechnungen und Berichte künden immer wieder von „widerwärtigen Kriegs und Sterbzeiten“, von Verderben, versterben, „mndt vereysen“ (?) von pfleglos liegenden Gütern, von ausgestorbenen Häusern und Weilern, von verarmten Bauern, die keinen Zehnten, Zinsen oder sonstige Abgaben mehr leisten konnten.
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