Sterbebilder
Kustatscher Anna
Ort:
Reutte
Gedenkjahr:
1935
geb. Ruepp
Hoteliersgattin "zur Post"
Aus: Außferner Bote vom 16. März 1935
Frau Anna Kustatscher † Als am Mittwoch nachmittags die Kunde den Markt durcheilte, daß Frau Anna Kustatscher im Sterben liege, konnte man das vielfach nicht recht glauben. Und doch kam am nächsten Tage zeitlich früh die erschütternde Trauernachricht, daß Frau Kustatscher am Mittwoch in den Abendstunden ihre Seele Gott zurückgegeben hat. Die Verstorbene stand im 43. Lebensjahre und war die Gattin des Hoteliers zur Post, Josef Kustatscher; sie hinterläßt außer ihrem Gatten einen 15jährigen Sohn und fünf Geschwister. Ihre Eltern hat die Heimgegangene schon in jungen Jahren verloren und hat sodann als die älteste der Geschwister den heimatlichen Gasthof Mohren mit unermüdlicher Energie und Geschicklichkeit geführt, so daß es ihr gelang, die schwere Krise, in der der Betrieb steckte, zu überwinden und die Heimat für ihre Geschwister zu erhalten. Im Jahre 1919 schloß sie mit ihrem Gatten den Bund der Ehe und übernahm dann mit ihm
das Hotel Post, welches käuflich erworben und in der Zwischenzeit zu einem Haus ersten Ranges ausgestaltet wurde.
Frau Kustatscher war nicht nur eine ausgezeichnete Geschäftsfrau, die seit ihrer Jugend umsichtig und erfahren im Betriebe aufgewachsen war, sondern auch eine fürsorgliche Gattin und Mutter, die bei allen, weit über die Grenzen des Bezirkes hinaus, bekannt und beliebt war. Ihr wohltätiger Sinn und vornehmer Charakter haben ihr die Achtung und Wertschätzung aller gewonnen, mit denen sie in Berührung gekommen ist.
In der letzten Zeit übernahm Frau Kustatscher auch wieder die Führung des heimatlichen Gasthofes zum Mohren in bekannt zielbewußter Weise und wurde nun durch ihren unerwarteten Tod ihrem Wirkungskreise entrissen. — Sie weilte in letzter Zeit in Innsbruck, wo sie plötzlich von einem infektiösen Halsleiden ergriffen wurde. Trotz der sofort angeordneten Ueberführung in das Sanatorium der Kreuzschwestern und der unmittelbar darauf vorgenommenen Operation konnte das Leben der teuren Toten nicht mehr erhalten werden, da sich noch eine schwere Lungenentzündung dazugesellte. Als der Zustand der Kranken bedenklich erschien, wurden ihre Angehörigen an das Krankenlager berufen, an dem sie bis zum Hinscheiden verweilten. Die Heimgegangene wurde am Donnerstag nach Reutte überführt und im Königszimmer des
Hotels Post aufgebahrt. Die ganze Bevölkerung nimmt an dem traurigen Geschick der Familie Kustatscher regen Anteil, was schon die Menge der Kranz- und Blumenspenden und die vielen Kondolenzbesuche zeigen. Die sterbliche Hülle, der ihrer Familie in der Blüte der Jahre entrissenen Gattin und Mutter werden morgen, Sonntag, halb 3 Uhr nachmittags am Ortsfriedhof in Breitenwang beigesetzt. Die Sterbegottesdienste werden am Montag gelesen.
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