Sterbebilder

Köpfle Hermann

Köpfle Hermann

Ort:
Elbigenalp

Gedenkjahr:
1935

Maurermeister

Aus: Außferner Bote vom 9. Nov. 1935
Maurermeister Hermann Köpfle †
Am Donnerstag starb am Morgen um 7 Uhr 15 Minuten in Köglen-Elbigenalp der weitum bekannte Maurermeister Hermann Köpfle in seinem 54. Lebensjahre. Geboren am 28. August 1882, verbrachte er seine Jugend im Vaterhause und wanderte nach Vollendung der Schulzeit als Maurerlehrling hinaus über die Grenze nach Sonthofen, in dem er auch die ganze Lehrzeit vollendete. Die Gesellenjahre brachten ihn in den Gauen Deutschlands von Ort zu Ort und von Meister zu Meister und überall lernte der strebsame Hermann in seinem Fache dazu. Dabei blieb er aber ein Leichtaler und kehrte immer wieder in seine geliebte Heimat zurück. Hier übernahm er das väterliche Anwesen. Er heiratete anfangs des Jahrhunderts die Bauerntochter Kreszenz Schneider aus Häselgehr, die ihm in glücklicher Ehe acht Kinder schenkte, von denen aber Gott vier wieder zu sich nahm.

Arm und rechtschaffen werkelte sich Köpfle mit seiner Frau durchs Leben und mußte, als der Krieg kam, einrücken. Durch Jahre stand er im Felde an der Front bei den Kaiserjägern und war auch Pasubiokämpfer. Ihn selbst verschonte das Unglück, doch daheim kehrte es ein und im November 1918 mußte Hermann an das Sterbebett seiner Frau eilen und kam gerade noch recht, um ihr am 3. November die Hände zum Abschied aus diesem Leben, von größtem Schmerze zerwühlt, für immer zu drücken.

Umgeben von vier Kindern, von denen das älteste kaum der Schule entwachsen war, stand er nun allein im Kampfe ums Leben. Wer aber nicht verzagte, war Hermann und unverdrossen schritt er an die Erfüllung seiner Aufgaben.

Nach dem Trauerjahre suchte er sich für seine Kinder und sein Haus eine neue Mutter und führte 12. Jänner 1920 Stephanie Ott aus Grießau als Frau in sein Heim. Auch diese Ehe war sehr glücklich und ihr entsprossen abermals vier Kinder, von denen heute das jüngste acht Jahre alt ist.

Im Jahre 1922 erhielt Hermann Köpfle die Konzession für das Maurergewerbe und damit begann für ihn die Zeit emsigster Arbeit, denn der Krieg hatte in die Bauten allzuviel Schaden getragen. Die Scheinkonjunktur, die der Inflation folgte, ließ viele Bauern Neu- und Umbauten vornehmen und erst recht brachte ihm Arbeit der aufstrebende Fremdenverkehr des obersten Lechtales. Köpfle wurde Maurermeister des Tannberges und es gibt dort oben wohl keinen Menschen, der's Köpfle nicht gekannt hat. Die Neubauten in Lech sind alle sein Werk und auch in Zürs hat er manche Arbeit durchgeführt. In Lech führte er das Mauerwerk für den Pfarrwidum, für die Neu- und Umbauten der Gasthöfe Krone und Tannberg, Goldener Berg und Hohe Welt und vieler Privathäuser auf und erwarb sich hier die Wertschätzung aller durch seine geschäftliche Gediegenheit. Aber auch in der Heimat selbst genoß Köpfle das vollste Vertrauen seiner Mitbürger und sie wählten ihn in den Gemeinderat und Ortsschulrat und machten ihn zum Zugskommandanten der Feuerwehr (Schlauchmannschaft). Als der Gemeinderat durch die neuen Bestimmungen zur Auflösung kam, wählten ihn die Gewerbetreibenden Elbigenalps als ihren Vertreter für den neuen Gemeindetag. Doch Gott ließ ihn dieses neue Amt nicht mehr antreten. Im April dieses Jahres suchte Maurermeister Köpfle eine Grippe heim und kaum von dieser genesen, ereilte ihn eine weit schwerere Erkrankung und warf ihn am Peter- und Paulstage mit einer schweren Erkältung für Wochen in das Krankenbett. In dieser Zeit holte Köpfle sich den Verfall der Kräfte und als er im Nachsommer wieder seiner beruflichen Arbeit in steter Sorge um seine Familie, die ihm sein Alles snd sein Glück war, nachging, zeigte es sich, daß der Körper allem nicht mehr gewachsen war. Am 13. Oktober packte ihn eine Lungenentzündung, die seine Kräfte vollends aufzehrte, so daß ihn Gott zu leichtem Sterben heimholen konnte.

Sein Stolz war sein Sohn Othmar, der in Innsbruck die Baufachschule besuchte und in Klagenfurt vor mehr als einem Jahre die Maurermeisterprüfung mit bestem Erfolge bestand und schon seit längerer Zeit selbständiger Maurermeister im Kleinen Walstertale ist.

Um ihn trauern sein 83 Jahre alter Vater, seine Frau und acht Kinder und alle die, die ihn kannten.

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