Sterbebilder
Nagele Alois
Ort:
Reutte
Gedenkjahr:
1935
Aus: Außferner Bote vom 23. Okt. 1935
Alois Nagele †
Am Montag nachmittags starb auf der Kög der weitum bekannte Gutsbesitzer Alois Nagele in seinem 79. Lebensjahre. Schon seit Monaten litt er an einem Leiden, das ihm immer mehr Schwierigkeiten verursachte und ihm die Nahrungsaufnahme immer mehr erschwerte, so daß er allgemeiner Entkräftung erliegen mußte. Im vorigen Jahre hielt er am 5. Juni, umgeben von seinen Kindern und Verwandten und Freunden mit seiner Gattin Emilie das Fest der goldenen Hochzeit und wer hätte dort gedacht, daß der noch so rüstige Mann alsbald nicht mehr unter uns Lebenden sein wird.
Alois Nagele wurde im Jahre 1857 in Reutte auf der Kög geboren und verehelichte sich mit der damaligen Bauerntochter Emilie Wolf von der Klause am 3. Juni 1884 in Namlos, wo Nagele Sägewerkspächter war. 1889 zog Nagele nach Reutte, denn er hatte sich hier das Sägewerk und Gasthaus "Zur Neumühle" käuflich erworben, das er 1910 an den jetzigen Eigentümer Josef Fritz verkaufte und kaufte sich auf der Kög ein Bauerngut. Nagele wurde Vater von 18 Kindern, von denen heute noch fünf Söhne und sechs Töchter leben. Von den Söhnen blieb Josef auf dem väterlichen Besitze, Hermann ist Gendarmeriebeamter in Holzgau, Eduard Gendarmeriebeamter in Kundl, Leopold Postbeamter in Kufstein und Karl Kaffeehauspächter in Wien. Von den Töchtern ist Maria die Frau des Postbeamten Geiger in Reutte, Eugenia ist die Frau unseres Postoberoffizials Bader, Rosa ist in Berlin, Emilie ist mit dem Gend.-Insp. Gräßle in Vils und Anni mit dem Zollwach-Oberkontrollor Petter in Steinach a. Br.
verheiratet, während Hedwig als Frau Koch in Reutte eine Wäscherei und Feinputzerei führt.
Das letzte Lebensjahr des Verstorbenen wurde zweimal durch Schatten getrübt. Zur Feier der goldenen Hochzeit kam der zweitälteste Sohn Alois aus Neunkirchen in Niederösterreich als Meister einer Weberei krank zu seinen Eltern und sollte diese gesund nicht mehr verlassen. Anfangs August schon nahm ihn Gott durch gütiges Geschick in seiner Heimat zu sich. Ein altes Kriegsleiden machte dem jungen, hoffnungsvollen Manne ein schnelles Ende. Und gleich darauf mußte sich die Gattin Emilie einer schweren Operation in der Heilanstalt Kreckelmoos unterziehen, die sie aber trotz ihres hohen Alters, sie zählte voriges Jahr ihr 77. Lebensjahr, sehr gut überstand. So hat es an Heimsuchungen Gottes für Vater Nagele kurz vor seinem Tode nicht gefehlt.
Nagele rückte beim Kriegsausbruche mit Italien als Standschütze ein und machte als Unterjäger Dienst beim Ersatzkader in Reutte. Im Kriegervereine Reutte zählte er zu den eifrigsten Mitgliedern und seine Kameraden werden ihn als lieben Vereinsgenossen ebenso in Erinnerung behalten wie all die anderen Bewohner und Bekannten aus unserem Markte und der Umgebung, denn Nagele war das, was man von jedem alten Tiroler sagen kann: Ein Mann und Vater von altem Schrot und Korn, getragen und geleitet von der Religiosität, biederem Sinne, voll Pflicht- und Ehrgefühl und stets besorgt um das Wohl seiner Familie, um die liebe Gattin und seine Kinder und mit diesen trauern alle, die ihn kannten.
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