Sterbebilder

Kecht Maria

Kecht Maria

Ort:
Lechaschau

Gedenkjahr:
1935

Lehrerin

Aus: Außferner Bote vom 11. Mai 1935
Fräulein Lehrerin Maria Kecht gestorben. Gestern in den Mittagsstunden traf in Reutte die unerwartete Mitteilung ein, daß Fräulein Maria Kecht im Sanatorium der Kreuzschwestern in Innsbruck ihrem Leiden erlegen ist. Die traurige Nachricht wirkte um so erschütternder, als viele von der Erkrankung und noch mehr von ihrem bedenklichen Zustande keine Ahnung hatten. Frl. Kecht, die bis anfangs Februar des heurigen Jahres hier in Reutte als Lehrerin tätig war und die Mädchen der Abschlußklasse lehrte, war geboren am 24. April 1886 zu Lech-Aschau. Das Studium ihrer Geschwister war die Ursache, daß sie erst später in den Lehrberuf eintrat. Mit großer Liebe und Hingebung oblag sie ihrem Studium, freute sie sich doch so sehr auf ihren künftigen Beruf. 1916 legte sie die Maturitätsprüfung ab und unterzog sich 1919 mit Erfolg der Lehrbefähigungsprüfung in Innsbruck. Vor ihrer Lehrtätigkeit war sie Erzieherin bei einer Privatfamilie in Pola. Die Orte ihrer erfolgreichen Tätigkeit waren Krems, Bach, Nußdorf, Mayrhofen, Lech-Aschau und Reutte. Frl. Kecht war ihren Schülern mehr als Lehrerin. Sie war ihnen Freundin, Kameradin; daher hingen die Kinder auch in inniger Verehrung an ihr, was auch während ihrer Erkrankung augenfällig zu Tage trat. Immer wieder erkundigten sie sich, wie es Frl. Kecht gehe und erschütternd war der Anblick all der weinenden Mädchen, als ihnen die Mitteilung vom Tode ihrer ehemaligen Lehrerin gemacht wurde. Ihre Tätigkeit erstreckte sich aber nicht allein auf die Schule. In ihrer Berufsfreude blieb sie auch außerhalb derselben mit ihren Schülerinnen in warmer Fühlung, denn sie war der festen Ueberzeugung, daß nur dann die guten Lehren der Schule bleibenden Wert bedeuten konnten. Weiters war es ihr klar, daß eine Gesundung unserer sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse in erster Linie von der Frau, dem Mädchen, ausgehen müsse. Deshalb wendete sie ihr Augenmerk schon frühzeitig der Mädchenbildung zu. In zahllosen Referaten und reger Mitarbeit in Vereinen und Organisationen suchte sie ihrer Aufgabe gerecht zu werden. In dieser ihrer Arbeit fand sie sich dann bald mit der großen Organisatorin des katholischen Mädchenvereines von Tirol, Frl. Waldhart zusammen, die fast zu gleicher Zeit (zwei Tage früher) dem Herrgott ihre Seele zurückgab. Das liebenswürdige, gütige und wahrhafte Wesen der Heimgegangenen gewann ihr die Herzen aller, die in nähere Fühlung mit ihr traten. Daß sie eine Katholikin der Tat war, beweisen die unzähligen Wohltaten, welche sie armen katholischen Studenten, insbesondere werdenden Priestern, durch Studienhilfe erwies. Mag auch ihre tiefe Frömmigkeit von manchem „Weltmännischen" mitleidig belächelt worden sein, eines ist sicher, ihre Frömmigkeit war echt und entsprang einem kindlich gläubigen und reinen Herzen, wofür sie der Herr gewiß jetzt reichlich belohnt.

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