Sterbebilder

Zobl Mathias

Zobl Mathias

Ort:
Tannheim

Gedenkjahr:
1933

Postmeister und Gasthofbesitzer

Aus: Außferner Bote vom 15. Feb. 1933
Matthias Zobl † . „Rasch tritt der Tod den Menschen an." Dieser Spruch bewahrheitete sich wieder. Mag einer auch im Frühling des Lebens stehen, der Sensenmann verschont ihn nicht. Eine tieferschütternde Trauerkunde durcheilte Sonntag, den 12. ds. in früher Morgenstunde unsere Pfarrgemeinde und das Tannheimer Tal. Postmeister Zobl, hieß es, habe sein junges Leben in die Hände des Schöpfers gelegt. Ganz plötzlich und unerwartet raffte der Tod ihn aus dem Familienkreise, den Hinterbliebenen einen unersetzlichen Verlust verursachend. Am Samstag abends wurde Zobl von Magenkrämpfen befallen. Nachdem er sich durch ein ärztliches Mittel Linderung verschafft hatte, begab er sich zur Ruhe, wobei er den Seinen gegenüber bemerkte, daß es ihm nun besser gehe. Die gleiche Versicherung gab er auch einer Schwester, die am Sonntag um 3 Uhr früh sich nach seinem Befinden erkundigte. Als ihn aber um 6 Uhr früh seine Mutter aufsuchte, mußte sie feststellen, daß ihr Sohn bereits in die Ewigkeit eingegangen war. Zobl stand erst im 29. Lebensjahre. Sein Tod brachte nicht nur über seine Mutter und seine 4 Schwestern schweres Leid und unsagbaren Schmerz, sondern erfüllte auch die ganze Gemeinde und alle, die ihn kannten mit großer Trauer. Der Verstorbene war ein Mann von edlem Sinn und liebevoller Wesensart, musterhaft wandelte er seinen Lebenspfad, getreu den Grundsätzen, die ihm als Kind seine Eltern in das Herz gelegt hatten. Nachdem er eine Handelsschule besucht hatte, war Zobl schon frühzeitig seinem Vater in der Leitung des Gasthausbetriebes behilflich, den er nach dessen vor ungefähr 2,5 Jahren erfolgten Tod dann selbst übernahm. Durch Fleiß, Freundlichkeit, Bescheidenheit und geschäftstüchtige Arbeit machte er den Gasthof zur Post zu einer bei Einheimischen und Fremden beliebtesten Gaststätte des Dorfes. Trotz der vielen Mühen seines Berufes fand er noch Zeit, im Verkehrsverein sich eifrig zu betätigen, wo er bis zur letzten Stunde auch die Stelle des Zahlmeisters mit aller Gewissenhaftigkeit versah. Durch Aufopferung und Fleiß hat er sich so manches Verdienst um den Verein erworben und den Fremdenverkehr in der Gemeinde Tannheim gefördert. Zobl, der überhaupt als Bahnbrecher für den Skisport im Tannheimer Tale gelten darf, war auch staatlich geprüfter Skilehrer. Seine Begeisterung für alles Gute und Schöne sowie sein echtes Christentum brachten es auch mit sich, daß er schon seit seinen Schuljahren dem Kirchenchor und dem Orchester ein eifriges Mitglied war. Seinen Grundsatz, der lautete: „Gerechtes Handeln", führte er unterschiedslos durch. So konnte er sich allgemeiner Beliebtheit erfreuen, besonders deshalb, weil er auch ein Freund und Gönner der Armen war. Möge dieser uns allen teure Freund im Himmel droben den gebührenden Lohn für alle guten Werke empfangen, die er auf seiner kurzen Pilgerfahrt auf Erden vollbracht hat!

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