Brauerei & Gasthof zur goldenen Glocke des Karl von Wiesenegg - Verlag Wilhelm Stempfle (Innsbruck)
Aus: Außferner Bote vom 28. Sep. 1932
Der Gasthof zur Glocke 50 Jahre im Besitze der Familie von Wiesenegg.
Gestern waren es 50 Jahre, daß der Gasthof zur Glocke in den Besitz der Familie Wiesenegg übergegangen ist. Es dürfte die Bevölkerung interessieren, wenn aus diesem Anlasse einige Daten über diesen Gasthof, welcher nicht nur im Bezirke Reutte, sondern auch weit darüber hinaus auf das beste bekannt ist, gebracht werden. Der Gasthof und die Brauerei waren bis zum Jahre 1874 im Besitze der Familie Kinker, welche ihn nachweislich 200 Jahre hindurch bewirtschaftete. Die letzten Nachkommen von Kinker waren Christof und Fanni. Christof als einziger Sohn, das Lieblingskind seiner Eltern, verbrachte die Zeit bis zum Militär im elterlichen Hause. Der Mutter größte Sorge war nur die eine, daß der Sohn zum Militär einrücken mußte. Sie tat des öfteren den Ausspruch, lieber sähe sie ihren Sohn auf dem Friedhof als zum Militär gehen. Der Volksmund hat nicht so unrecht, wenn er sagt, man solle nichts verreden, denn am selben Tage, an dem Christof einrücken sollte, wurde er tatsächlich auf den Friedhof getragen. Seine Schwester Fanni vermählte sich im Jahre 1862 mit Herrn und Landsmann von Tirol Karl von Wiesenegg, Edler von und zu Hurrlach, Spauregg und Gaudenthurn. Doch nach einem Jahre starb auch sie in Erfüllung ihrer Mutterpflicht, ihren Gatten, einen Sohn und die schwergeprüften Eltern zurücklassend. Karl von Wiesenegg folgte ihr drei Jahre späger im Tode nach und das verwaiste Söhnlein kam in die Obhut seiner Großeltern. Dort blieb es bis zu seinem 14. Lebensjahr. Schweren Herzens gaben die Großeltern den Knaben zur Ausbildung für die Brauerei und den Gasthof in das Benediktinterklosterbräu nach Salzburg. Die Reise dorthin war dazumal sehr umständlich. Der junge Mann sah seine Großeltern nicht mehr, diese segneten während seiner Lehrzeit das Zeitliche und der Gasthof ging pachtweise an Josef Reindl, einem gebürtigen Zillertaler, über. Dieser bewirtschaftete ihn 6 Jahre lang. Die Vormundschaft lag in den Händen des damaligen Bürgermeisters Fügenschuh. Im Jahre 1881 kehrte Karl von Wiesenegg in die Heimat zurück, vermählte sich 1882 mit Aloisia geb. Hager, Kronenwirtstochter von Reutte, und zog im September dieses Jahres selbst in den Gasthof ein. Der Ehe entsprossen 19 Kinder. Vater Wiesenegg starb im Jahre 1919 und Mutter Wiesenegg im Jahre 1931. Der älteste Sohn Karl führt seit dem Jahre 1920 als Inhaber das Geschäft.

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