
Johann Knittel (1846–1928), im Tal als „Loises“ bekannt, war ein herausragender autodidaktischer Tüftler und Mechaniker aus Elbigenalp. Als Bruder der bekannten Alpenblumenmalerin Anna Stainer-Knittel (der berühmten „Geierwally“) stand er für den erstaunlichen Erfindergeist und die Innovationskraft, die in den alpinen Regionen abseits großer Industriezentren entstanden.
Sein wohl faszinierendstes Vermächtnis ist sein selbstgebautes Veloziped, das man heute in der Wunderkammer Elbigenalp bewundern kann. Dieses mechanische Gefährt veranschaulicht eindrucksvoll sein technisches Vermögen und seinen Pioniergeist[1].

Einen international großen Triumph errang Knittel auf der Weltausstellung in Brüssel, die vom 10. Mai bis zum 8. November 1897 abgehalten wurde. Er gehörte zu den mehr als 10.000 Ausstellern dieser technik- und naturwissenschaftlich ausgerichteten Großveranstaltung, die von über 7,5 Millionen Menschen besucht wurde. Für seinen außergewöhnlichen Erfindergeist wurde er schließlich mit dem Diplôme de Mention Honorable (Ehrendiplom) ausgezeichnet.

Die Weltausstellung 1897 in Brüssel
Aus: Tiroler Schützen-Zeitung vom 15. Mai 1871
(Ein Velocipedist,) der wohl seines gleichen suchen mag, aber schwerlich finden dürfte, ist Johann Knittel, ein Bruder der bekannten Malerin Steiner-Knittel, in Elpigenalp im Lechthale. Derselbe machte vor Kurzem die Reise von dort bis Innsbruck mittelst seines Velocipeds, eine Strecke von sechs Posten Landstrasse und sieben Stunden Thalweges. Mit welcher Schnelligkeit dieser Velocipedist fährt, erhellt am besten daraus, daß er die 8 Stunden weite Strecke von Innsbruck nach Jenbach, wohin er während seines hiesigen Aufenthaltes einen Ausflug machte, in 2 1/2 Stunden zurücklegte. Komisch soll die Verblüftheit der Bewohner im Oberland gewesen sein, welche den eigenthümlichen Reisenden mit so großer Schnelligkeit durch ihre Ortschaften fliegen sahen. Das Velociped baute sich Knittel selbst und zwar nach einer Zeichnung, die ihm durch die Illustrirte Zeitung bekannt wurde, verbesserte jedoch dasselbe und versah es auch mit einer Bremse, so daß er selbst die steilsten Abhänge der Straße hinabfahren kann.

Knittel wurde durch eine Abbildung in einer amerikanischen Zeitschrift zum Bau seines Rades inspiriert - aus: Illustrirte Welt (1869)
Knittel war aber auch ein versierter Brunnenbauer, errichtete Hausmühlen und Turbinen aus Holz. Um seine Werkzeugmaschinen zu betreiben, ersann und entwickelte er eine Dampfmaschine mit Schieber-Regulator. Nur beim Versuch, einen Heuwagen mit einem Motor zu betreiben, scheiterte er[2].
Aus: Allgemeiner Tiroler Anzeiger vom 9. Nov. 1928
Beim Holzsammeln tödlich verunglückt. Der 83 Jahre alte Mechaniker Johann Knittel, vulgo „Loisenmandle", in Untergiblen, Gemeinde EIbigenalp ging am 6. d. nach dem Mittagessen in den Wald und sammelte auf der Holzriese im kleinen Haldenbachtale Rauchholz. Plötzlich kam über die Riese ein Block gesaust, dem der alte Mann nicht mehr ausweichen konnte, weil er fast ganz taub war. Knittel wurde vom Blocke niedergeschlagen, wobei er Verletzungen am Kopfe und Brüche beider Füße erlitt, die den sofortigen Tod herbeiführten.
Einzelnachweise
1. Veloziped des Naturmechanikers Johann Knittel; von Andreas Rauchegger
2. Allgemeiner Tiroler Anzeiger vom 3. Okt. 1930, S. 7; 'Anna und Johann Knittel', Granichstaedten
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