Am Donnerstag, den 12. Juli 1945, brachte die Tiroler Tageszeitung folgenden Artikel von dem Chefredakteur Dr. Anton Klotz in Druck:
Hitler hätte Österreich auch dann überfallen, wenn es in diesem Lande nicht einen einzigen Nationalsozialisten gegeben hätte. Die Wirtschaftskraft und das Rekrutenmaterial unseres Landes wurden von der deutschen Schwerindustrie und von eroberungslustigen deutschen Militärs begehrt. Hitler handelte, wie diese es forderten. Schon damals, als die deutschen Truppen in Österreich einmarschierten, konnte kein Zweifel bestehen, daß dieser Friedensbruch nicht um der blauen Augen jener Leute wegen erfolgt war, die in Österreich „Heil Hitler" brüllten. Diese selbst freilich schienen damals nicht einmal zu ahnen, daß sie einstens als die Geprellten und Gefoppten dastehen werden.
Nochmals betonen wir: auch ohne daß es in Österreich Illegale gegeben hätte, wäre Hitler darauf ausgegangen unser Land zu rauben, so wie er andere Länder räuberisch angegriffen hat. Die große, unverzeihliche Schuld der Illegalen aber liegt darin, daß sie durch einen frevelhaften Verrat an ihrem Vaterlande und an ihren Mitbürgern die Pläne Hitlers förderten. Wir denken dabei an Männer, die den Eid der Treue geleistet hatten und die ihr gutes und nahrhaftes Brot auf Kosten des Staates besaßen, um dann jede Pflicht zu vergessen. Wir denken dabei an jene sogenannten Wirtschaftskreise, die heimlich von Hitler Gelder nahmen, um die österreichischen Arbeiter mit dem Bemerken auf die Straße zu setzen, der Betrieb rentiere sich nicht. Wir sehen jene Entwurzelten und Bankrotteure vor uns, die den Verrat am Vaterlande nach der Art eines Hasardspieles betrieben. Noch hören wir die Detonationen der Böller, die in den Jahren 1933 und 1934 wichtige Anlagen und kostbare Menschenleben zerstörten und bedrohten. Es ist eine unbestreitbare geschichtliche Tatsache, daß der von den Blättern des Dritten Reiches so viel beklagte und geschmähte „Bombenterror" zuerst in den Jahren 1933 und 1934 in Österreich sich austobte. Damals gab es weder englische noch amerikanische Luftangriffe, wohl aber Naziattentate, angestiftet und bezahlt vom Braunen Hause in München. Von dorther kamen nicht nur die Böllersendungen, sondern ebenso die Mordpläne, durch die Österreich in den Schauplatz eines richtigen Bürgerkrieges verwandelt werden sollte. Gewiß: der Anstifter war Hitler und sein Kreis. Die Ausführenden aber waren Österreicher. Menschen, die sich für Geld kaufen und durch lockende Worte dazu bewegen ließen, um durch die schlimmsten Verbrechen die Sache ihres Landes zu schädigen.
Wie schon gesagt: Hitler bedurfte an und für sich dieser Trabanten nicht, um sich in den Besitz Österreichs zu setzen. Dazu hatte er ja die Wehrmacht. Er benötigte jedoch diese Helfer, um dem Ausland ein falsches Bild über Österreich vorzutäuschen und auf diese Weise die diplomatische Lage für sich vorzubereiten. Deshalb, weil es Illegale in Österreich gab, konnten die Diplomaten und der Propagandaapparat des Dritten Reiches die Behauptung in die Welt setzen, Österreich verlange „heim ins Reich". Die Illegalen, deren krassester Auswuchs die sogenannten Legionäre waren, die sich in den Lagern auf dem Lechfeld und bei Weiden zum Kriege gegen das eigene Vaterland ausbilden ließen, „verdienten" die 450 Millionen Mark, die Hitler für die Eroberung Österreichs ausgeworfen hatte, im Schweiße einer Arbeit des Verrates und der Heimtücke. Wir geben ohne weiters zu, daß nicht wenige von den Illegalen aus reiner Dummheit auf den Leim der verführerischen Lockrufe geflattert sind. Gegen die Dummheit gibt es kein Gesetz und keine Strafe. Darf sie aber einen Freibrief beanspruchen, wenn sie im Verein mit dem Verbrechen zu einer solchen Katastrophe führt, die den Wohlstand des Landes, die Existenz und das Glück von zahllosen anständigen Mitbürgern begräbt? Das ist der unverrückbare Tatbestand der großen Schuld, die die Illegalen vor dem Lande auf sich geladen haben.
Es liegt uns ferne, irgend einer Rachsucht zu frönen. Rache kann niemals eine Angelegenheit der Politik sein, und wer das noch nicht gewußt hätte, wüßte es, seitdem er die Verfolgungssucht der Nazis und deren „Erfolge" beobachtet hat. Maßnahmen der Rache sind der politischen Klugheit und Weisheit entgegen. Sie widersprechen vor allem dem Rechtsempfinden, das niemals ungestraft verletzt werden darf. Gerade dieses Rechtsempfinden aber ist es, das in dem Falle der Illegalen eine Forderung erhebt, die mit Rache nichts zu tun hat: die Forderung nach einer Sühne. Die Schäden, die durch die Mitwirkung und Förderung der Illegalen in unserer Heimat und an unserem Volke angerichtet wurden, sind so riesenhaft, daß die Größe der Schuld, die sich die Illegalen aufgebürdet haben, in aller Klarheit hervortritt. Beleidigtes Rechtsgefühl und vor allem die Vorsorge, daß sich ein ähnliches entsetzliches Unglück nicht mehr wiederhole, fordern die Illegalen vor die Schranken des Gerichtes.
Die Schuld der Illegalen
Hitler hätte Österreich auch dann überfallen, wenn es in diesem Lande nicht einen einzigen Nationalsozialisten gegeben hätte. Die Wirtschaftskraft und das Rekrutenmaterial unseres Landes wurden von der deutschen Schwerindustrie und von eroberungslustigen deutschen Militärs begehrt. Hitler handelte, wie diese es forderten. Schon damals, als die deutschen Truppen in Österreich einmarschierten, konnte kein Zweifel bestehen, daß dieser Friedensbruch nicht um der blauen Augen jener Leute wegen erfolgt war, die in Österreich „Heil Hitler" brüllten. Diese selbst freilich schienen damals nicht einmal zu ahnen, daß sie einstens als die Geprellten und Gefoppten dastehen werden.
Nochmals betonen wir: auch ohne daß es in Österreich Illegale gegeben hätte, wäre Hitler darauf ausgegangen unser Land zu rauben, so wie er andere Länder räuberisch angegriffen hat. Die große, unverzeihliche Schuld der Illegalen aber liegt darin, daß sie durch einen frevelhaften Verrat an ihrem Vaterlande und an ihren Mitbürgern die Pläne Hitlers förderten. Wir denken dabei an Männer, die den Eid der Treue geleistet hatten und die ihr gutes und nahrhaftes Brot auf Kosten des Staates besaßen, um dann jede Pflicht zu vergessen. Wir denken dabei an jene sogenannten Wirtschaftskreise, die heimlich von Hitler Gelder nahmen, um die österreichischen Arbeiter mit dem Bemerken auf die Straße zu setzen, der Betrieb rentiere sich nicht. Wir sehen jene Entwurzelten und Bankrotteure vor uns, die den Verrat am Vaterlande nach der Art eines Hasardspieles betrieben. Noch hören wir die Detonationen der Böller, die in den Jahren 1933 und 1934 wichtige Anlagen und kostbare Menschenleben zerstörten und bedrohten. Es ist eine unbestreitbare geschichtliche Tatsache, daß der von den Blättern des Dritten Reiches so viel beklagte und geschmähte „Bombenterror" zuerst in den Jahren 1933 und 1934 in Österreich sich austobte. Damals gab es weder englische noch amerikanische Luftangriffe, wohl aber Naziattentate, angestiftet und bezahlt vom Braunen Hause in München. Von dorther kamen nicht nur die Böllersendungen, sondern ebenso die Mordpläne, durch die Österreich in den Schauplatz eines richtigen Bürgerkrieges verwandelt werden sollte. Gewiß: der Anstifter war Hitler und sein Kreis. Die Ausführenden aber waren Österreicher. Menschen, die sich für Geld kaufen und durch lockende Worte dazu bewegen ließen, um durch die schlimmsten Verbrechen die Sache ihres Landes zu schädigen.
Wie schon gesagt: Hitler bedurfte an und für sich dieser Trabanten nicht, um sich in den Besitz Österreichs zu setzen. Dazu hatte er ja die Wehrmacht. Er benötigte jedoch diese Helfer, um dem Ausland ein falsches Bild über Österreich vorzutäuschen und auf diese Weise die diplomatische Lage für sich vorzubereiten. Deshalb, weil es Illegale in Österreich gab, konnten die Diplomaten und der Propagandaapparat des Dritten Reiches die Behauptung in die Welt setzen, Österreich verlange „heim ins Reich". Die Illegalen, deren krassester Auswuchs die sogenannten Legionäre waren, die sich in den Lagern auf dem Lechfeld und bei Weiden zum Kriege gegen das eigene Vaterland ausbilden ließen, „verdienten" die 450 Millionen Mark, die Hitler für die Eroberung Österreichs ausgeworfen hatte, im Schweiße einer Arbeit des Verrates und der Heimtücke. Wir geben ohne weiters zu, daß nicht wenige von den Illegalen aus reiner Dummheit auf den Leim der verführerischen Lockrufe geflattert sind. Gegen die Dummheit gibt es kein Gesetz und keine Strafe. Darf sie aber einen Freibrief beanspruchen, wenn sie im Verein mit dem Verbrechen zu einer solchen Katastrophe führt, die den Wohlstand des Landes, die Existenz und das Glück von zahllosen anständigen Mitbürgern begräbt? Das ist der unverrückbare Tatbestand der großen Schuld, die die Illegalen vor dem Lande auf sich geladen haben.
Es liegt uns ferne, irgend einer Rachsucht zu frönen. Rache kann niemals eine Angelegenheit der Politik sein, und wer das noch nicht gewußt hätte, wüßte es, seitdem er die Verfolgungssucht der Nazis und deren „Erfolge" beobachtet hat. Maßnahmen der Rache sind der politischen Klugheit und Weisheit entgegen. Sie widersprechen vor allem dem Rechtsempfinden, das niemals ungestraft verletzt werden darf. Gerade dieses Rechtsempfinden aber ist es, das in dem Falle der Illegalen eine Forderung erhebt, die mit Rache nichts zu tun hat: die Forderung nach einer Sühne. Die Schäden, die durch die Mitwirkung und Förderung der Illegalen in unserer Heimat und an unserem Volke angerichtet wurden, sind so riesenhaft, daß die Größe der Schuld, die sich die Illegalen aufgebürdet haben, in aller Klarheit hervortritt. Beleidigtes Rechtsgefühl und vor allem die Vorsorge, daß sich ein ähnliches entsetzliches Unglück nicht mehr wiederhole, fordern die Illegalen vor die Schranken des Gerichtes.
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