Geschichte

Zweiter Weltkrieg

Totaler Krieg, Zwangsarbeit und Endphase (1943 - Frühjahr 1945)



Totaler Krieg, Zwangsarbeit und Endphase


Luftkämpfe über Tirol


Bei dem Luftangriff des 15. Dez. 1943 auf die Landeshauptstadt Innsbruck fanden unter den insgesamt 269 Getöteten auch 4 Außerferner den Tod:
Haas Maria (Lermoos), Kerle Ignaz (Hinterhornbach), Rumer Adalbert (Vils) und Stampfer Rosa (Lermoos)

Am 16. Feb. 1945 wird Hall in 13 Wellen zu je 7 bis 9 Flugzeugen angegriffen und mit einem förmlichen Bombenteppich eingedeckt. Unter den insgesamt 70 Toten befinden sich auch Aloisia und Herbert Hörbst aus Pinswang

Am 10. April 1945 wieder ein Luftangriff auf Innsbruck. Diesmal jedoch in der Nacht, was zu einer gehörigen Panik führte. Unter den 31 Toten befand sich auch Steiner Mathilde aus Häselgehr [1].

Bomber-Absturz


In letzter Zeit wurden verschiedene Wracks von Flugzeugen, die während des Krieges im Außerfern notlanden mußten oder abstürzten, der Altmaterialverwertung zugeführt. In mühsamen Transporten sind Teile eines amerikanischen Bombers von der Ehrwalder Alm zur Verladerampe des Bahnhofes gebracht worden. Auch im Hornbachtal, im Ammerwald und am Vilser Kegel werden Trümmer von Maschinen der industriellen Verwertung zugeführt. Die Aluminium-Ausbeute eines Bombers B29 beträgt an die 10000 kg. Die Altmetallsammler waren sehr überrascht, als ein beim Hochvogel liegendes Jagdflugzeug über Nacht verschwunden war. Angeblich sollen die bayerischen Kollegen die Bergung mit einer provisorischen Drahtseilbahn durchgeführt haben.
Bombertrümmer werden verwertet
Ausserferner Nachrichten, 18. Aug. 1951
Am 21. Januar 1944 stürzte ein Bomber der Alliierten Luftstreitkräfte im Bereich des Kreuzkarsees nahe Hinterhornbach ab. Eine Bergung der Mannschaft sowie der Maschine konnte in dem steilen Felsterrain nicht durchgeführt werden.
Noch heute sind Teile der Maschine in dem kleinen Kreuzkarsee zu sehen, da diese im Laufe der Jahre vom Wandfuß durch die Witterungseinflüsse (Schnee) und dem natürlichen Erosionsprozess das Kar hinab in den See verfrachtet wurden.

Luftkämpfe über dem Außerfern



Propeller der B24 Liberator, welche etwa 200 m nördlich der Lermooser Kirche in das Moos stürzte
Am 3. August 1944 wurde über dem Ehrwalder Becken die größte Luftschlacht Tirols ausgefochten. Dabei griffen zahlreiche deutsche Jagdflieger von Westen kommende amerikanische Bomber an und brachten mehrere davon zum Absturz. Einer stürzt am Ortsrand von Lermoos in das Moos, 4 Maschinen gehen im Gemeindegebiet von Biberwier nieder (Wampeter Schrofen, Wannig, südöstlich von Biberwier, Brendlkar) und 1 Bomber zerschellt im Bereich der Ehrwalder Alm.

Aus den Maschinen wurden insgesamt 16 lebende und 14 tote Besatzungsmitglieder geborgen. Weitere Tote wurden nach Abspringen aus den Fluggeräten im weiteren Verlauf im Umfeld der Abstürze aufgefunden. Aber auch auf deutscher Seite gab es zahlreiche Niedergänge von Jagdfliegern wie etwa in Berwang, Ehenbichl (Schlossberg), am Grubigstein (Biberwier), Martinau (Elmen), Stanzach und der Tuftlalm bei Lermoos.

Biberwier (Aufschlagort: am Wannig)

Flugzeugtyp: Liberator B-24 [42-78308] (Jägerabschuss)
3. Aug. 1944 (Einheit 15th USAAF; 465th Bomb Group)[5]

Cooke, Thurlie Dan - West Virginia - 22 Jahre - S/Sgt. - gefangen (Absprung mit Fallschirm)
Paluch, Edward Jacob - Wisconsin - 2. Lt. - gefangen
Clarke, Lloyd Nolan - 1. Lt. - gefangen (Absprung mit Fallschirm)
Logan, Patrick Joseph - Pennsylvania - 23 Jahre - 1. Lt. - gefangen (Absprung mit Fallschirm)
Burton, William Charles - Connecticut - 23. Jahre - T/Sgt. - gefangen
Allred, Claire Julian - Utah - 22 Jahre - S/Sgt. - gefangen
Garber, DeWitt - 2. Lt. - tot
Bullock, Victor E. - S/Sgt. - tot
Pearson, Albert - S/Sgt. - tot
Geohagan, Hoyt O. - S/Sgt. - tot

Ehrwald (Brendelkar)

Flugzeugtyp: Liberator B-24 (Jägerabschuss)

Kurtz, Robert Russell - Ohio - 25 Jahre - 2. Lt. - gefangen (bei Ehrwald)
Cooper, John Shreffler - Illinois - 33 Jahre - S/Sgt. - gefangen (in den Mieminger Bergen)
Britton, George Henry - New York - 20 Jahre - 2. Lt. - gefangen (am Fernpass)
Crane, Lawrence Richard - 1. Lt. - gefangen (bei Mieming)
Spontak, Joseph - 2. Lt. - gefangen (bei Ehrwald)
Bracker, Leonard Edward - - S/Sgt. - gefangen (am Fernpass)
Engelhorn, Leeland Thomas - Sgt. - gefangen (19. Aug. 1944 bei Tarrenz)
Jezowski, Anthony J. - S/Sgt. - gefangen (in den Mieminger Bergen)
Salmon, Robert W. - North Dakota - 24 Jahre - Sgt. - gefangen (in den Mieminger Bergen)
Squyres, Weldon Durwood - Texas - 20 Jahre - S/Sgt. - gefangen (bei Ehrwald)
Croston, Conard Delvin - Virginia - 30 Jahre - T/Sgt. - gefangen (in den Mieminger Bergen)
Rogers, Oscar C. - Alabama - 22 Jahre - S/Sgt. - gefangen (in den Mieminger Bergen)
Lowenthal, Bernard London - Virginia - 27 Jahre - 2. Lt. - gefangen (bei Garmisch)
Benson, Benjamin Palmer - 2. Lt. - gefangen (bei Ehrwald)
Reents, Arthur Frederick - 32 Jahre - S/Sgt. - gefangen (in den Mieminger Bergen)

Ehrwald (Gaistal, nähe Hohe Munde)

Flugzeugtyp: Liberator B-24 (Jägerabschuss)

Kennedy, Clovis Adolphus - New Orleans- 21 Jahre - S/Sgt. - gefangen (bei Ehrwald)
Lee, Francis Orland - Massachusetts - 20 Jahre - S/Sgt. - gefangen (bei Ehrwald)
Dyer, Francis Edwin - Philadelphia - 22 Jahre - S/Sgt.

Ehrwald (genaue Lokalisierung unbekannt)

Flugzeugtyp: Liberator B-24 [42-95284]
3. Aug. 1944 (Einheit 15th USAAF; 465th Bomb Group)

Babcock, Seth C. - 2. Lt. - tot
Denning, Latham - 2. Lt. - tot
Fiecoat, Howard F. - 1. Lt. - tot
Herrington, Ralph. W. - T/Sgt. - tot
Johnson, Robert C. - 2. Lt. - tot
Kresnak, Andrew S. - S/Sgt. - tot
Tripp, Carl L. - T/Sgt. - tot

Ehrwald (genaue Lokalisierung unbekannt)

Flugzeugtyp: Liberator B-24 [42-52493]
3. Aug. 1944 (Einheit 15th USAAF; 465th Bomb Group)

Hamilton, Lawrence J. - S/Sgt. - tot
Sellars, Charles F. - S/Sgt. - tot

Ehrwald (genaue Lokalisierung unbekannt)

Flugzeugtyp: Liberator B-24 [44-41017]
3. Aug. 1944 (Einheit 15th USAAF; 465th Bomb Group)

Hill, Albert S. - T/Sgt. - tot
Poole, Theodore G. - 2. Lt. - tot

Lermoos

Flugzeugtyp: Liberator B-24 [42-78322] (Jägerabschuss)
3. Aug. 1944 (Einheit 15th USAAF; 465th Bomb Group)

Noren, Edward - Capt. - tot
Adams, James R. - S/Sgt. - tot
Broderick, William H. - S/Sgt. - tot
Brodard, Bill - tot
Cox, Leonard S. - 2. Lt. - tot
Egerton, Henry P. - S/Sgt. - tot
Perrone, Frank - S/Sgt. - tot
Sehnert, Ralph P. - T/Sgt. - tot
Faiver, Jack M. - Capt. - tot
Nolen, Edwin E. - T/Sgt. - tot
Thomas, Richard E. - 2. Lt. - tot
Thornton, James W. - 2. Lt. - tot

Wampeter Schrofen

Flugzeugtyp: Liberator B-24 [44-41011] (Flaktreffer)
3. Aug. 1944 (Einheit 15th USAAF; 465th Bomb Group)

Dodd, Myron Ray - Oklahoma - 22 Jahre - 2. Lt. - gefangen (Absprung mit Fallschirm)
Matter, Leonard Wilferd - Iowa - 27 Jahre - 2. Lt. - gefangen (Absprung mit Fallschirm)
McDonald, Richard Ford - Texas - 24 Jahre - 1. Lt. - gefangen (Absprung mit Fallschirm)
Hooper, S. William - Washington - 20 Jahre - T/Sgt. - verwundet
Kostick, John - S/Sgt. - tot (Alpe Mariaberg; mit Fallschirm abgesprungen, verblutet)
Prince, Willis - Ohio - S/Sgt. - tot
Lemley, John W. - Washington - Sgt. - tot
Campbell, William - Maryland - Sgt. - tot
Zamora, Ernest R. - Kalifornien - S/Sgt. - tot

Stams (2 km südöstlich, Waldschneise)

Flugzeugtyp: Liberator B-24 (Jägerabschuss)

elliot wilbert
Wilbert Elliot (Pilot)
Quelle: National Archives; NAID: 143480701
Elliot, Wilbert - 26 Jahre - 1. Lt. - gefangen
Bailey, Fay Charles - New York - 2. Lt. - gefangen
Connell, James Lawrence - 21 Jahre - 2. Lt. - gefangen
Sanford, Joseph Charles - 2. Lt. - gefangen (am Fernpass)
Kapp, Gilbert Donald - 27 Jahre - S/Sgt. - gefangen (in den Mieminger Bergen)
Murphy, Alvin M. - 22 Jahre - S/Sgt. - gefangen (am Fernpass)
Valentine, Robert Lee - S/Sgt. - gefangen (bei Mieming)
Bernstein, Jack - S/Sgt. - gefangen (bei Mieming)
Cutler, Earl Rosswell - S/Sgt. - gefangen (am Fernpass)

Am 22. Februar 1945 wird dann der Bezirkshauptort Reutte von einem Bombenangriff heimgesucht, welcher acht Opfer aus der Zivilbevölkerung fordert und mehrere Häuser in der Nähe des Bahnhofes stark beschädigt oder zur Gänze zerstört.
Opfer: Auer Käthe (54, Reutte), Lutz Gabriele (52, Reutte), Ölschlägl Anna (50, Reutte), Schütz Dagmar (4, Lechaschau), Schütz Sylvia (1, Lechaschau), Schmittner Klaus (2, Ludwigshafen), Stranz Arthur (5, Reutte), Wötzer Maria (53, Reutte) [2]

Am 27. Februar springen aus einer angeschossenen viermotorigen amerikanischen Maschine bei Vils fünf Personen mit dem Fallschirm ab. Bei Tannheim ereignet sich ein ähnlicher Vorfall, wobei sich zwei Crew-Mitglieder mit dem Fallschirm retten können. Am Tag darauf wurden auch bei Reutte und Weißenbach abgesprungene amerikanische Flieger gefangen genommen.

Ein einzelnes amerikanisches Flugzeug greift in Obermoos bei Ehrwald die Zugspitzbahn an, dabei wird die Talstation schwer und die Bergstation leicht beschädigt [3].



Äpfel Verteilung - Notrationierung
die Lage spitzt sich weiter zu

Altstoff-Sammlung
Altkleider-Sammlung für den 'Endsieg'

Außenstelle KZ Dachau


1944 befanden sich im Hotel Forelle und dem Hotel Ammerwald Außenstellen des KZ Dachau. In diesen Außenstellen wurden vorwiegend Häftlinge aus höheren Kreisen interniert. Bei Kriegsende wurden die gefangen gehaltenen Personen durch die amerikanische Armee befreit. Kurz zuvor konnten bereits einige französische Kriegsgefangene, nachdem die Soldaten der SS die Flucht ergriffen hatten, die Lager am Plansee übernehmen.

Zeitungsmeldung vom 30. August 1945
"...wurden schon in den letzten Apriltagen d.J. in Reutte die in einem dortigen Lager befindlichen sogenannten Sippenhäftlinge der Angehörigen des Generalputsches im Juli 1944, Angehörige der Stalingradkämpfer, wie auch der französischen Generalität, die im Ammerwaldlager und am Plansee festgesetzt waren, befreit..."

Kriegsgefangenenlager


Im Verlauf der Kriegsjahre wurden im Außerfern einige Privat- und Gasthäuser zu Kriegsgefangenenlagern umfunktioniert. Ein solches befand sich im Haus Nr. 9 in Oberpinswang. Auch in Vils gab es ein solches Lager, in welchem Zwangsarbeiter des Zementwerks untergebracht wurden [4].

Siehe auch: Die Außenlager des Konzentrationslagers Dachau am Plansee und im Ammerwald (VWA - Vorwissenschaftliche Arbeit - Verfasserin Jana Köck)

Tirol rückt ins Zentrum des Befreiungskampfes der Alliierten


Es war ein Bericht des Schweizer Geheimdienstes, welcher die Alliierten Streitkräfte aufhorchen ließ und den Kriegsschauplatz endgültig in unsere Region verlegte. Darin war zu lesen, dass die nationalsozialistische Führungsschicht vorhabe sich im Falle eines Zusammenbruches der deutschen Abwehr mitsamt den SS-Truppen in die Berge Tirols oder des Allgäus zurückzuziehen um sich dort einzuigeln und einen erbitterten Kampf zu führen. Tatsächlich spielte Franz Hofer, der Gauleiter von Tirol-Vorarlberg, mit dem Gedanken eine "Alpenfestung" im schweizerischen Stil zu errichten.

Im November 1944 verfasste er zu diesem Zweck ein Memorandum, welches er mit der Bitte um sofortige Weiterleitung an Adolf Hitler an die Reichsleitung schickte. Martin Bormann, der Sekretär des Führers, behielt dieses Schreiben aber offenbar vorerst zurück. Erst Anfang April 1945 wurde Hofer für die Erläuterung seines Schreibens zu Hitler zitiert.

Zu diesem Zeitpunkt war aber durch den Oberbefehlshaber der amerikanischen Streitkräfte Tirol bereits zum Primärziel erklärt worden. Sofort nach Überqueren des Rheins steuerten schlagkräftige Divisionen gegen Süden, hin zu den Alpen.

Rückzug und Flucht


Bereits in den ersten Apriltagen kommen italienische Arbeiter von der Westfront durch Reutte, um in ihre Heimat zurückzukehren. Die meisten führten ihre wenigen Habseligkeiten auf kleinen Handwagen mit sich. Als der Kreisleiter Höllwarth diese Rückwanderung bemerkt, lässt er die Italiener anhalten und zum Arbeitsdienst einteilen. Sie sollen auf dem Oberjoch und bei Vils Schanzarbeiten durchführen.

Hauptsächlich über Vils gelangen auch erste Flüchtlingsströme von Norden in die Alpenregion. Es sind dies hauptsächlich Frauen, wenige Tage später folgen aber auch erste Soldaten, zu Fuß und ohne Führung.

Am 20. April befiehlt Höllwarth die bedingungslose Verteidigung von Reutte. Es werden Vorbereitungen zur Sprengung mehrerer Brücken eingeleitet. Ein SS-General und 44 Offiziere treffen in Reutte ein, um die zurückflutenden Soldaten bei der Linde vor dem Bürgermeisteramt aufzuhalten und wieder an die Front zu bringen.

Noch am selben Tag wird um etwa 18 Uhr die Talstation der Tiroler Zugspitzbahn von feindlichen Tieffliegern unter Beschuss genommen. Eine Person wird schwer verwundet, drei kommen mit leichten Blessuren davon. Das Hotel und das angrenzende Wirtschaftsgebäude liegen jedoch vollständig in Trümmern und auch die Bergstation wird beschossen.

Gauleiter Hofer gibt den Befehl die Gaugrenzen abzuschotten und es werden zahlreiche Panzersperren errichtet. Im Außerfern befanden sich diese in Vils und am Fernpass im Bereich des Blindsees, sowie in Grän und dem Engetal, bei Zöblen, bei der Klause, bei Lähn, bei Schanz (Ehrwald) und im Lechtal. Um den Vormarsch der Amerikaner, welche am 18. April 1945 gegen 10 Uhr die Grenze bei Schönbichl (Vils) überschritten, aufzuhalten, wird von der Wehrmacht aus allen Rohren gefeuert.

Nachdem Vils kampflos von den Amerikanern eingenommen werden kann, stößt die 103. amerikanische Infanteriedivision am Ranzen auf Einheiten der deutschen Gebirgsjäger. Nach einem kurzen Gefecht ziehen sich die US-Streitkräfte jedoch nach Vils zurück um sich dort zu stationieren. Am späten Nachmittag rollen die amerikanischen Panzer gegen den Ranzenberg vor und nehmen denselben von drei Seiten unter Beschuss, welcher bis zum nächsten Tag fortdauert. Die geplante Sprengung der Ulrichsbrücke durch die Deutschen kommt nicht mehr zur Durchführung.

Am 22. April wird schließlich der Volkssturm eingesetzt - eine Anhäufung von Jugendlichen und Greisen. Sie werden ihre ihnen zugewiesenen Stellungen jedoch nicht mehr einnehmen. Zuletzt schickt man die Angehörigen des Reichsarbeitsdienstes und sogar die Knirpse aus den "Kinderlandverschickungslagern" an die Frontlinie.

In Pinswang findet die US-Army, gleich wie im inzwischen gesicherten Vils, keine Gegenwehr mehr vor. Die Amerikaner können am späten Nachmittag des 29. April schließlich ihren Vormarsch in Richtung Reutte fortsetzen, da sämtliche deutsche Soldaten entlang der Marschroute desertieren und die Flucht ergreifen, da sie inzwischen begreifen - die Lage ist aussichtslos.

In Reutte gibt es immer noch Individuen, welche in fanatischem Eifer die Amerikaner an einem weiteren Vorstoß hindern wollen. Damit richten die amerikanischen Truppen ihr Geschützfeuer in Richtung Reutte, ohne jedoch den Ort selbst ins Visier zu nehmen.
In der Zwischenzeit kam es in Reutte selbst zu einem Attentat auf den Kreisleiter Höllwarth. Die Widerstandsbewegung will ihn nun endgültig aus dem Weg räumen um die Gegenwehr gegen die US-Truppen zu beenden. Durch Pistolenschüsse verwundet, bringt man ihn zunächst in die Heilanstalt Kreckelmoos, organisiert aber noch in der selben Nacht einen Weitertransport über den Fernpass.

Am nächsten Vormittag werden in Reutte erste weiße Fahnen gehisst, doch wieder eingezogen, als die SS mit Maschinengewehren darauf zu schießen beginnt. Kurz darauf werden die weißen Tücher aber spontan fast überall wieder herausgehängt.
Der Reuttener Bürgermeister Lothar Kelz hatte nach dem Einmarsch der Amerikaner die schwierige Aufgabe, die Befreier zu einer kampflosen Einnahme von Reutte zu bewegen. Sie fuhren den Amerikanern mit gehisster weißer Fahne entgegen. Kelz lieferte sich selbst als Geisel aus um für die Bevölkerung Schonung zu erwirken. Er war der Garant, dass in Reutte kein Schuss fallen würde. Inzwischen hatten auch die meisten Bewohner von Reutte weiße Fahnen geschwenkt.
Der Bürgermeister ging vor den amerikanischen Panzern her und die Mehrzahl der Bewohner von Reutte feierten die Amerikaner als Befreier. Die Lage schien entspannt.

Am 30. April jedoch, detonierte im Gebäude der vormaligen Kreisleitung eine mit Zeitzünder versehene Bombe, welche drei amerikanische Soldaten mit in den Tod riss. Das Vertrauen war verspielt - die amerikanischen G.I.'s beobachteten die Reuttener Bevölkerung nun mit Argwohn.

Konnte man bei Pflach die Sprengung der Brücke über den Lech noch verhindern, gelang dies bei der Lechbrücke in Lechaschau nicht. Sie fliegt teilweise in die Luft, wodurch zahlreiche Häuser in der Nähe schwer beschädigt werden.

Auch in Grän kommt es zu massiver Gegenwehr, woraufhin die Amerikaner den Ort unter Beschuss nehmen und zum größten Teil dem Erdboden gleich machen. Drei Zivilisten werden getötet und fünf schwer verletzt. Durch das Geschützfeuer entzünden sich Feuer, welche 15 Häuser niederbrennen. 53 Stück Vieh verenden in den Flammen. Danach ist der Widerstand gebrochen, sodass die Truppen ebenso kampflos Tannheim einnehmen konnten. Eine Woche später wurde die US-Army im Außerfern von französischen Truppen abgelöst.

Die Gemstalbrücke am Gaichtpass wird - um den US-Vormarsch zu verhindern - von der SS gesprengt. Bei Martinau wird von den sich in das Lechtal zurückziehenden Deutschen die Brücke in Brand gesteckt.

Die Zivilbevölkerung von Nah und Fern plündert schließlich das Speckbacher-Magazin am Bahnhof. Es befinden sich dort vorwiegend Futtermittel, Salz und Soda. Lebensmittel hingegen finden sie so gut wie keine.

Bei Gries, Unter- und Obergarten verschanzen sich derweil weitere SS-Truppen, was zur Folge hat, dass auch Gries und Untergarten in Brand geschossen werden. 9 Tote, 15 niedergebrannte Häuser und 71 Stück verendetes Vieh sind das Ergebnis. Als die Bauern nämlich versuchen, das Vieh aus den in Flammen stehenden Ställen zu treiben, werden sie von den SS-Leuten beschossen.

Bis zum Abend werden die amerikanischen Truppen alle Ortschaften im Raum Reutte, dem Tannheimer Tal und dem Zwischentoren besetzt haben.

Letzte fanatische "Zuckungen"


Am 1. Mai zündet ein fanatischer Nationalsozialist im Gebäude der Kreisleitung eine Bombe. Als der Täter glaubt entdeckt worden zu sein, erschießt er zunächst seine Frau und dann sich selbst. In der Zwischenzeit brennt das bombengeschädigte Haus vollkommen nieder.

Anderntags kommt es im oberen Lechtal zu Kampfhandlungen zwischen führerlosen Angehörigen des Reichsarbeitsdienstes und den nachrückenden Amerikanern. Vor allem in und um Steeg kommt es zu Schießereien, bei welchen 2 US-Soldaten und acht Leute des RAD ums Leben kommen. Drei Bauern aus Welzau und Hinterellenbogen (Wilhelm Bischof, Oswald Hauser und Reinhard Kerber) finden ebenfalls den Tod. Ein SS-General, der in Reutte die Verteidigung organisieren wollte, wurde in der Gemeinde Bach von Einheimischen erschossen, da er auch dort noch andere für sich kämpfen lassen wollte.

Einzelnachweise


1. Die Luftangriffe auf Nordtirol im Kriege 1939 - 1945 (Leo Unterrichter); S. 556, 572 u. 578
2. Die Luftangriffe auf Nordtirol im Kriege 1939 - 1945 (Leo Unterrichter); S. 572
3. Die Luftangriffe auf Nordtirol im Kriege 1939 - 1945 (Leo Unterrichter); S. 580
4. | 900 Jahre Pinswang - Das Dorf an der Grenze
5. Missing in Action - Failed to Return - Gedenkbuch (Nicole-Melanie Goll, Georg Hoffmann)

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