
Die Anfänge
Bei den Wahlen im April 1929 zeigten sich im politischen Bezirk Reutte noch sehr spärliche Wahlergebnisse für nationalsozialistische Gruppierungen (von 8.669 gültigen Stimmen entfielen lediglich 5 auf die Hitlerbewegung, während die Tiroler Volkspartei mit 6.474 Stimmen dominierte).
Die NS-Propaganda nahm im Bezirk spätestens ab Anfang 1933 massiv an Fahrt auf. Es kursierten sogenannte „schwarze Listen“ mit den Namen potenzieller Gegner des Anschlusses, die mit schweren Repressalien wie Verhaftungen, Lagerhaft oder Enteignungen bedroht wurden. Unzuverlässige Beamte wurden umgehend beurlaubt oder durch Parteigänger ersetzt. Die staatliche Seite versuchte gegenzulenken, weshalb es bereits im Juni 1933 zu ersten Verhaftungen von Ortsführern in Reutte kam.
"...erschien am Sonntag, den 15. November 1931, nachmittags eine stärkere Abordnung [der Nationalsozialisten] aus Innsbruck und Füssen und hielt um 5 Uhr abends [...] in Reutte eine Werbeversammlung ab. Der Saal war schon vor Beginn der Versammlung derart voll, daß niemand mehr eingelassen werden konnte. [...] Angesichts der starken Bewachung getraute sich auch kein Gegenredner aufzutreten und die Versammlung verlief bis auf einige Pfuirufe in voller Ruhe..."
Innsbrucker Nachrichten vom 18. November 1931
Innsbrucker Nachrichten vom 18. November 1931
Die Staatsführung versucht gegenzulenken und bereits Mitte Juni kam es zu Verhaftungen von sogenannten Ortsführern der nationalsozialistischen Partei. In Reutte wurden sechs Verhaftungen registriert.
Am 22. Juli 1933 warf eine einmotorige Maschine Flugzettel über Reutte und Nachbardörfern ab. Wenige Monate später, am Abend des 8. November 1933, brannten an markanten Aussichtspunkten wie der Hochschanz, dem Säuling und der Gehrenspitze riesige Hakenkreuze, die im gesamten Talkessel sichtbar waren.
Am selben Abend hingen ebenfalls unerkannt gebliebene Täter eine Hakenkreuzflagge an der Lechbrücke zwischen Lechaschau und Reutte auf, welche von der Polizei nur unter großen Schwierigkeiten wieder abgehängt werden konnte.
Kommentare
Noch keine Kommentare vorhanden. Schreiben Sie den ersten!
Einen Kommentar hinterlassen