Geschichte

Via Claudia Augusta

vom Reschen zum Fernpass

römer raetia

von Nassereith nach Biberwier


Der von Nassereith herleitende Straßenverlauf schwenkt unterhalb der mittelalterlichen Burg Fernstein orografisch rechts gegen Nordost und zieht am Ufer des Fernsteinsees [Fund einer römischen Bronzemünze] knapp oberhalb des heutigen Forstweges in Richtung Samerangersee. In einem weiten Bogen leitet die Trasse um den See und in mäßiger Steigung als Hangweg hinauf zu der heutigen Fahrbahn. Bei der Ausweiche bzw. dem Parkplatz

Abbildung einer Hipposandale wie sie im Gemeindegebiet von Biberwier aufgefunden wurde
an der Brücke über den vom Schanzlsee herabstürzenden Bach ist die Trasse eigentlich nicht mehr auszumachen. Erst weiter oben, im südexponierten bewaldeten Hang tritt sie als Hohlweg wieder in Erscheinung. Abermals die neuzeitliche Fahrbahntrasse querend zieht die Altstraße gegen Osten in Richtung dem alten Fern hinauf.

Geleisrillen werden an einer Felsplatte sichtbar, welche aber aufgrund des Radabstandes von 99 cm in die Zeit der mittelalterlichen Nutzung fallen. Mit zunehmender Höhe geht der Hangweg in einen Hohlweg über, einige Meter oberhalb ist eine schwächer ausgeprägte, zweite Trasse zu erkennen. Diese zweite Trasse fällt allerdings auch in den Zeitraum der Nutzung als Salzstraße. Kurz vor Erreichen der römerzeitlichen Passhöhe gräbt sich der Hohlweg immer tiefer in den Hang. Teilweise sind hangseitige Stützmauern sichtbar und kurzzeitig verlaufen recht steile Kehren über eine Geländekante.

Von der Anhöhe des sogenannten 'Alten Fern' hinab in Richtung Weißensee sind im Grunde keine offensichtlichen Spuren der Altstraße mehr erkennbar. Jedoch wurde im Jahr 2003 eine Hipposandale (Pferdehufeisen) aus römischer Zeit aufgefunden und gibt so indirekt einen Hinweis auf deren Existenz. Weiters interessant ist ein kleiner, wenig ausgeprägter 'Gufel' ganz knapp vor der höchsten Stelle der Trasse. Gerade im Hinblick auf die sonst üblichen Höhenheiligtümer an den Passübergängen lässt diese Örtlichkeit der Phantasie jede Menge Spielraum.

Abschrift der Infotafel am "alten Fern"
Auch heute noch lauern auf den Alpenpässen Gefahren. Denken wir nur an Lawinenabgänge im Winter. Es ist auch einiges an Kraftanstrengung notwendig, wenn man sie sich aus eigener Kraft erarbeitet. In der Römerzeit waren die Strapazen und Gefahren noch größer und zahlreicher. Die Reisenden mussten mit Felsstürzen, überraschenden Gewittern, Muren, ... rechnen. Ein Reisebericht erzählt von herabstürzenden Eismassen, die ganze Reisegesellschaften in jähe Schluchten stürzten. Die Reisenden waren sich der Gefahren bewusst und waren dementsprechend froh, wenn sie oben angekommen waren. Sie dankten den Göttern und baten gleichzeitig um einen unfallfreien Abstieg - Merkur, den wendigen und listenreichen Gott des Handels, Herkules, der auf langen Wanderungen durch seine stetige Hilfeleistungen zum Beschützer der Passanten auf allen Straßen wurde und Epona, einer keltischen Göttin, die immer zu Pferd dargestellt wird. Den Christopheruskapellen an unseren Straßen vergleichbar entstanden auf allen Passhöhen Heiligtümer, an den Votivgaben wie Münzen, kleine Statuetten, Votivtafeln, ... zurückgelassen wurden. Auch am Fernpass hat sich mit ziemlicher Sicherheit ein Heiligtum befunden, Archäologen haben danach gesucht, sind bisher aber nur an einigen Orten auf Münzen gestossen...




Heute sind lediglich noch im Bereich des Weißensees eindeutige Spuren (wenigstens einer mittelalterlichen Nutzung) zu erkennen. Im Bereich Kohlstatt und entlang des heutigen Lärchenwegs finden sich keine offensichtliche Hinweise mehr, die auf die alte Römerstraße oder die Salzstraße hindeuten würden. Eine sehr schwach ausgeprägte und schmale Trasse verläuft etwa 20 Meter östlich des heutigen Wanderwegs, ist aber nicht mit Bestimmtheit als antike Trasse anzusprechen. Ebenfalls sind im Siedlungsgebiet von Biberwier diesbezüglich keine eindeutigen Zeugnisse mehr ersichtlich.

Geleisstraßen im Außerfern


An manchen Stellen der Via Claudia finden sich Geleisstrassen. Allerdings sind diese Geleisprofile oft nicht mit den römischen Wagen in Verbindung zu bringen, da der Spurbreitenabstand zu gering ausfällt. Klaus Wankmiller schreibt dazu in seinem Beitrag "Römische Straßenspuren im Außerfern": "..., die im Gegensatz zum mittelalterlichen Rillenabstand von genau 1 m eine Spurweite von 107 cm aufweisen...".Somit ist die in Biberwier aufgefundene Geleisstrasse am sogenannten "scharfen Eck", wie auch weiter unten erwähnt, nicht auf das Zeitalter der Römer zurückzuführen. Vielmehr wird diese Wagenspurvertiefung im Fels ein Hinweis auf die mittelalterliche Nutzung bedeuten.

Im Bereich Katzenmühle / Waldrast (bei Ehenbichl) habe es ebenfalls Spurrillen gegeben. Jedoch dürften auch diese heute nicht mehr sichtbaren Spuren viel eher mit der mittelalterlichen Nutzung in Verbindung zu bringen sein.


Mehrere Holzgebäude einer römischen Straßen- und Poststation (Pferdewechselstation, römische Reichspost [cursus publicus]), eine sogenannte mansiones, wurden im Laufe archäologischer Grabungen im Bereich zwischen dem Ortsteil Schmitte und dem Ortszentrum von Biberwier (Baubeginn wohl um 14 bis 37 n. Chr.), direkt am Verlauf der Via Claudia Augusta gelegen, freigelegt. Anhand der dort aufgefundenen Gebrauchsgegenstände konnten sich Handels- und Kulturbeziehungen zu Oberitalien, Südfrankreich, dem Rheinland und sogar bis in den Raum der Ägäis nachweisen lassen.

Im Falle der Station in Biberwier handelte es sich aber wohl um eine der kleineren Anlagen, welche in erster Linie dem Reit- oder Zugtierwechsel diente. Die größeren römischen Raststationen boten den privilegierten Reisenden darüber hinaus auch recht komfortable Beherbergungsmöglichkeiten, großteils mit Therme und nicht selten mit einem kleinen Heiligtum ausgestattet.



Durch das Lermooser Moos


Der Prügelweg (Bohlenweg) durch das Lermooser Moos veranschaulicht deutlich, dass die Straßenbauer aus römischer Zeit nicht versuchten eine Moorfläche zu umgehen, sondern mit großem bautechnischen Wissen eine 1,5 Kilometer lange Trasse schnurgerade durch das Moos anzulegen vermochten. Mit einer Trassenbreite von bis zu 8 Metern und einem etwa 1,7 Meter tiefen Fundament konnte auf ihr eine Legion problemlos durch die Moorlandschaft ziehen.

Speziell die im Moor erhaltenen Spuren wie Pollen oder Überreste von Kleinlebewesen und anderer unter Luftabschluss in die Torfschichten eingebetteten Artefakte geben Aufschluss über die Art und den Zeitpunkt menschlicher Landnahme und Landnutzung. So wurden beispielsweise Brandrodungen und erste Ackerflächen in der weiteren Umgebung für den Zeitraum ab etwa 1500 Jahren vor Christus durch die Pollenanalysen belegt.

Bis zum heutigen Tag ist dieses Straßendenkmal über die Grenzen Tirols hinaus einzigartig. In mehreren Grabungsabschnitten wurde die Trasse seit 1993 genauer erforscht und feldarchäologisch untersucht. Die früher für römischen Ursprungs gehaltene Geleisstrasse am sogenannten "Scharfen Eck" bei Biberwier konnte aufgrund ihrer Spurbreite von 1 Meter in das Spätmittelalter bzw. die frühe Neuzeit eingestuft werden.

römer legionäre bauarbeiter trajansäule

Ehrwald vor 2000 Jahren


teilweise übernommen von der Infotafel "die römerzeitlichen Funde" in Ehrwald
Seit 1954 wurden beim Bau von Privathäusern mehrere römerzeitliche Gräber entdeckt. Den archäologischen Untersuchungen zufolge handelt es sich bei den Bestattungen um jene der sogenannten Heimstettener Gruppe. Als Grabbeigaben dominieren bei dieser Gruppe gerade in den Frauengräbern massive Halsreifen, Armreifen, Sprossen-Gürtelhaken, große und kleinere Fibeln. Die zeitlich begrenzte Siedlungstätigkeit dieser Heimstettener Gruppe entlang der römischen Hauptverkehrsachse in der ersten Hälfte des 1. Jahrhunderts nach Christus lässt ein kurzes Wiederaufflammen keltischer Gebräuche und Riten erkennen.

Im angenommenen Siedlungsbereich in Ehrwald konnte sich diese Gruppe nach aktuellem Forschungsstand jedoch nur eine oder maximal zwei Generationen halten. Danach fehlen Hinweise auf eine Siedlungskontinuität in diesem Gebiet.


Von Lermoos nach Bichlbach


Aus dem Moos kommend leitete die Via Claudia einst direkt an den Fuß der Erhebung, welche heute die Kirche von Lermoos als weithin sichtbare Landmarke trägt. Von Süden kommend schwenkt die antike Trasse gegen Westen. Dabei hat sie vermutlich zwischen der heutigen Straßenkreuzung Biberwier / Ehrwald und dem Abzweig der Zufahrtsstraße zu den Parkplätzen der Grubigsteinbahn für etwa 300 Meter Wegstrecke den selben Straßenkörper genutzt wie die moderne Fahrbahn. Danach ging sie in die heute als "Alte Straße" bezeichnete Wegführung über, stets oberhalb des Riegelbaches bleibend. Erst ab der Höhe des Schwemmkegels des Tuftlbaches dürfte die Römerstraße das Bett des Riegelbaches gequert haben um dann in den Anstieg nach dem heutigen Untergarten überzugehen.
augustus römischer denar
Denar des Augustus - ca. 15 v. Chr.
Als lange Rampe durchschneidet sie den Hang und steigt bis etwa 1100 M.ü.N.N. an um dann in den Tobel des Gartner Tals zu leiten, wo der Bachlauf überschritten wird. Im Gegenhang führt eine weitere Steigung hinaus zu dem Lermooser Ortsteil Obergarten (1088 m). Die historische Trassierung verlief aber offenbar etwas tiefer und erreichte etwa bei der Kapelle von Obergarten den heutigen Straßenzug um gleich wieder ansteigend die Mulden und Halden im Nordwesten der heutigen Siedlung zu erreichen. Dabei gab und gibt es zwei recht gehörige Steigungen zu überwinden (> 17%) um den oberen Scheitelpunkt (ca. 1135 m) zu erreichen, bevor die als Wiesenweg sichtbare Straße sich wieder gegen Lähn hin absenkt. Durch Wald und über eine Lichtung gelangt die Straße zuletzt etwa 50 Meter westlich des Weilers Rautängerle im Talboden an um auch gleich den Riegelbach und die B179 Fernpassstraße zu überqueren und in nordwestliche Richtung auf den Kirchturm von Lähn zuzusteuern.

Die Lähner Dorfstraße dürfte sich in etwa mit der antiken Straße decken. Recht geradlinig fällt der Straßenzug dabei sanft gegen Westen ab um durch Wengle zu führen. Westlich des Dorfes folgt die historische Route zunächst dem Feldweg, welcher kurzzeitig parallel zu der B179 verläuft. Bei dem Anstieg auf den überwachsenen Schuttfächer des Thegetals schwenkt die Via Claudia etwas nach Nordwesten ab um den Kegel in sanfter Steigung und leicht ausholend zu überwinden. Der bezeichnende Bogen schließt zuletzt wieder in etwa an der heutigen Ortseinfahrt Bichlbach-Ost an den modernen Straßenverlauf an.
Wie auch in den anderen Ortschaften entlang der Straße fanden sich auch hier einige Münzen aus der römischen Kaiserzeit [Konstantin / Anfang des 4. Jahrhunderts].

Via Claudia Augusta Obergarten bei LermoosVia Claudia Augusta bei Obergarten mit Mieminger Bergen im Hintergrund

Von Bichlbach zur Ehrenberger Klause


Von der westlichen Ortsausfahrt Bichlbachs entlang der alten Bundesstraße, welche heute als Zufahrt der Almkopfbahn genutzt wird, verlief auch die alte Via Claudia Augusta. Über dem Grundbach deckt sich der antike Verlauf mit der Zufahrt der Almkopfbahn, steigt zu der B179 an und überquert diese. Am höchsten Punkt der Anhöhe geht die Reichsstraße in einen doppelten Hohlweg über, welcher nördlich der heutigen Fahrbahn durch die Weidefläche verläuft. Den Grundbach passierend leitet sie nach Heiterwang hinein. Der historische Straßenzug würde sich damit annähernd mit jenem der alten Bundesstraße decken, zuletzt jedoch wohl eher etwas südlich davon verlaufen.

Auch ab Heiterwang verläuft die alte Trasse parallel zu der neuzeitlichen Straße und ist im Bereich der Auffahrt auf die B179 mit jener überbaut, lediglich an einer Ausbuchtung der Felsen kommt sie am südwestlichen Abhang des Gschwendtkopfes kurzzeitig zum Vorschein. Wieder deckungsgleich mit der neuzeitlichen Trasse, führt die alte Via Claudia über die heute asphaltierte südliche Zufahrt zu der Ehrenberger Klause hinab.

Trasse der Via Claudia Augusta westlich von BichlbachHohlweg Via Claudia Augusta bei Heiterwang


von der Ehrenberger Klause über die Katzenmühle bis Breitenwang


Die Römerstraße fällt im Bereich der Ehrenberger Klause wohl mit der neuzeitlichen Straßentrasse überein und zieht gegen Nordosten durch die Engstelle hinaus um etwa nach einem halben Kilometer ihrem eigenen, mehr gegen Norden weisenden Verlauf zu folgen. In einem Hohlweg zieht sie als Schleife zunächst gegen Nordwesten um etwa bei einer Höhenmarke von 890 M.ü.N.N. eine für die Via Claudia Augusta seltene Kehre zu beschreiben. Gegen Osten fällt die Trasse als etwa 0,4 Meter hoher Damm und bald als Hangweg ab. Im Bereich der nachmaligen Salzstraße ist der alte Verlauf zerstört, die Fortsetzung der Trasse kann aber im Südosten von der Hangkante aus eingesehen werden. Die Altstraße setzt dann im Bereich der Ruine der alten Mühle / Säge über den Katzenbach fort, um als auffällige Rampe am Nordosthang oberhalb der Gebäude der "neuen" Katzenmühle durch den Hang hinaus zu führen. Eine Begehung der Rampentrasse zeigte einen mehr oder weniger durchgehenden Verlauf zwischen der Ehrenberger Klause bis hinaus in den Bereich des Reuttener Drei-Tannen-Stadions. Lediglich einige kurze Teilstücke im Steilhang sind im Laufe der Jahrhunderte abgerutscht.

Ein auffälliger Damm leitet in der Talebene angekommen von der Katzenmühle gegen das nördlich liegende Reutte und dem Drei-Tannen-Stadion, welcher möglicherweise dem Verlauf der Via Claudia entsprechen könnte. Durch die baulichen Maßnahmen im Umfeld des Alpenbades, gerade in den letzten Jahren, wurden sämtliche antike Spuren überbaut oder verwischt.

Wie sich die Zeitungsmeldung im Außferner Boten vom 20. Oktober 1928 in das Bild fügen könnte?
Ueberreste einer römischen Straßenanlage. Es ist nicht das erstemal, daß in der Nähe von Ehrenberg Teile einer alten Römerstraße festgestellt werden konnten. Beim Aushub des Grundes zum Baue des neuen Gasthofes am Südende des Waldrückens "Sündwag" wurde 70 Zentimeter unter der Erdoberfläche ein Stück Römerstraße bloßgelegt und ein Paar Hufeisen gefunden, die dem Heimatmuseum einverleibt werden.

Auch im Gemeindegebiet von Breitenwang ist der Verlauf durch Überbauung nicht mehr auszumachen. Zahlreiche Münzfunde deuten, gerade aufgrund der massiven Häufigkeit an dieser Stelle, auf eine römische Straßenstation im Bereich der Breitenwanger Kirche hin.
Aus: Verzeichnis der Fundorte von antiken Münzen in Tirol und Vorarlberg von Prof. P. Flavian Orgler (1878)

"...im Opferstock der Kirche in Breitenwang gingen früher so viele römische - von den Leuten für falsches Geld angegebene - Münzen ein, dass selbe ohne Zweifel auch in dieser Gegend selbst gefunden worden sein mussten..."
Für das Bezirksgebiet Reutte weiß Orgler von mehreren Münzfunden zu berichten, ohne in den meisten Fällen jedoch auf die genaueren Örtlichkeiten einzugehen [Augustus, 27 v. Chr. - 14 n. Chr; Konstantin, Anfang 4. Jhdt.]. Überaus interessant hingegen ist der Fund einer Münze aus der Zeit Konstantins im Gebiet von Kaisers, weitab der bekannten römischen Routen.

Via Claudia Augusta als Hohlweg nördlich der Ehrenberger KlauseVia Claudia Augusta als Dammweg nördlich der Ehrenberger Klause




von Breitenwang nach Pflach und über den Kniepass, Kratzer und/oder Stiglberg nach Füssen


Von der Breitenwanger Kirche ab gelangt man über den sogenannten Königsweg im Osten von Reutte durch die Mühler Felder hin zum Steineberg. Die Altstraße aus römischer Zeit wird im Grunde (zum Teil) unter dieser Trasse liegend angenommen. Am Fuße des Steineberges verläuft sie unterhalb der modernen Fahrspur hindurch und senkt sich in etwa mit dem Verlauf der "Alten Straße" in Pflach zum Bachbett des Archbaches ab, wo sie das Gewässer etwas weiter unterhalb der heutigen Brücke (mehr im Westen) quert. Durch Überbauung zunächst nicht lokalisierbar, dürfte sich dann aber der Anstieg hinauf nach Pflach wieder in etwa mit der antiken Route decken. Für den Ortskern von Pflach sind viele Störungen anzunehmen, erst am Übertritt über den Lussbach könnten wieder erste Spuren ersichtlich sein. Ein alter, heute im Bachbett liegender Brückenkopf könnte als spätere Überbauung der alten Trasse gefolgt sein.

Königsweg und Kirche von Breitenwang an der Via Claudia AugustaKönigsweg und Steineberg

Im Bereich des Kniepasses soll früher laut einschlägiger Literatur eine etwa 100 Meter lange Geleisstrasse sichtbar gewesen sein. Eine erste Erkundung im Herbst 2015 brachte keine Ergebnisse bzw. Erkenntnisse über deren genauen Verlauf. Aus dem Werk von Walde und Grabherr "Via Claudia Augusta und Römerstraßenforschung im östlichen Alpenraum" konnte ich zwischenzeitlich aber entnehmen, dass dieser Abschnitt heute gar nicht mehr sichtbar ist. Eine weitere Erkundung im April 2018 brachte mich auf einen östlich der heutigen Fahrbahn befindlichen Hohlweg, welcher als Trasse durchgehend verfolgbar ist. Zwei als Lesefunde geborgene Hufeisen verweisen diesen Straßenverlauf jedoch in den Zeitraum des Mittelalters. Ob diese Wegführung bereits auf die römische Route zurückgeht, muss noch offen bleiben. Der historische Übergang am Felsriegel des heutigen Kniepass verlief in römischer Zeit knapp oberhalb der neuzeitlichen Straßentrasse, um am Abstieg nach Oberpinswang noch in das Auental ein zu schwenken.



Nördlich von Oberpinswang gibt es wieder eine Überdeckung der neuen und der alten Trasse. Weiter gegen Nordwesten, hindurch zwischen dem Pinswanger Judenbichl und dem südwestlichen Ausläufer des Höllentalschrofens, am heutigen Gasthof Schluxen geradlinig im Südwesten des Gebäudes vorüber. Für diesen Bereich findet sich noch heute in den Katasterplänen ein Flurstück, welches den Verlauf der alten Via Claudia beschreibt. Am nördlichen Hang entlang bis unter die auffällig rote Wand des Burgschrofens bei Unterpinswang. Direkt unter den Felsen versteckt sich die ehemalige Höhlenburg Schloss Loch, von der auch angenommen wird, dass sie bereits in der Steinzeit genutzt wurde.

Kataster - Via Claudia Augusta bei Pinswang / Schluxen
Quelle: tiris - Tiroler Rauminformationssystem (Parzellenplan nordöstlich von Unterpinswang)

In der Ebene unter der Felswand findet sich direkt neben dem mutmaßlichen Verlauf der Via Claudia auch eine längst überwachsene Einfriedung(?) in Rechteckform. Lange wurde diese für eine keltische Viereckschanze gehalten, jedoch haben dendrochronologische Untersuchungen eine zeitliche Zuordnung in das Mittelalter festgestellt. Allerdings, so wird auch vermutet, könnten ältere, darunterliegende Befunde auf eine römische Straßenstation, eine mansio, hindeuten.



Als weiteres, natürliches Hindernis stellte sich bei Unterpinswang der Kratzer bzw. der Stiglberg in den Weg. Eine wegähnliche Trasse führt direkt unter den Felsen des Burgschrofens in den Sattel zwischen die zuvor genannten Erhebungen. Am Anstieg selbst steht an die Felswand gelehnt ein Wegkreuz mit antiker Standsäule. Peresson sieht in dieser einen "ausreichenden Beweis dafür, dass zur Zeit ihrer Entstehung der Verkehr [bereits] über den Pass lief."
Allerdings, so scheint es, war diese Wegsäule früher an anderer Stelle gestanden und noch vor nicht allzu langer Zeit hierher versetzt worden.

Dort wo der Kratzersattel sich also wieder absenkt, verläuft eine heute verwachsene Spur hinunter zu einer Kluft, welche auf einem relativ alt anmutenden Steiglein nördlich des Kratzers zum Lech hinab führt. Dieser Steig scheint aber, zumindest seinem heutigen Charakter nach, lediglich für Fußtruppen und darüber hinaus maximal noch für sehr geländegängige Pferde geeignet.
Selbst mit einem leichten einachsigen Wagen, wäre diese Passage wohl kaum zu bewältigen gewesen, ohne sich und die Ladung dabei ernsthaft in Gefahr zu bringen. Der Füssener Heimatforscher Magnus Peresson vermutet allerdings, dass sich in diesem Bereich in der Zeit nach der Nutzung durch die Römer ein kleinräumiger Felssturz ereignet haben könnte, welcher die antike Trasse in diesem Bereich zerstört hat. Tatsächlich findet sich unterhalb des Hanges eine Ansammlung an verstreut im lichten Wald liegenden Felsbrocken, welche diese Theorie stützen würden.

Wegtrasse bei Weißhaus nahe dem Kratzerweg

Von der Anhöhe des Sattels finden sich in direkter Linie gegen Osten keine augenscheinlich auffälligen Spuren welche auf einen Altweg hindeuten würden. Mögliche Spuren können hier aber aufgrund des kleinräumigen Bereiches für einen sinnvollen Durchstich des Weges durch den Fels leicht verwischt worden sein. Interessant wird es allerdings unterhalb der Felswände rund 200 Meter weiter östlich, also oberhalb des heutigen Forstweges vom Kraftwerk Weißhaus hinauf in den Kratzersattel. Denn direkt am Felsansatz gibt es eine alte Stützmauer und eine fragmentarisch erhaltene Wegtrasse. Möglicherweise stellt diese Rampe aber auch nur einen Wanderweg etwa aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts dar. Bemerkenswert ist aber der Umstand, dass bereits in römischer Zeit an bzw. im Nahbereich der Rotwand der sogenannte Benkener Marmor abgebaut wurde. Vielleicht diente schon damals ein Vorläufer der heutigen Trasse als Transportweg für die gewonnenen Felsbrocken?
In seiner Verlängerung führt diese Rampe heute als Wanderweg nämlich durch die Nordwestflanke unterhalb der Rotwand und über dem Kraftwerksgebäude in leichtem Gefälle bis zum Füssener Stadtteil Ziegelwies hinaus. Das Teilstück zwischen dem Weißhaus und der Geländekante südwestlich von Ziegelwies wird heute zwar nicht mehr als Wanderpfad genutzt und zeigt sich großteils schon überwachsen, eine Art Wegtrasse ist dort unter den Felsfluhen aber dennoch sichtbar.

Eine mögliche Ausweichstrecke bzw. eine alternative Route von Pinswang über den Höhenzug herüber könnte sich auf den ersten Blick aber auch über den Stiglberg geboten haben. Es lassen sich an der Scheitelhöhe Fahrrillen ausmachen, welche jedoch zum Teil von Baggerarbeiten der letzten Zeit beschädigt oder gar zerstört wurden. Jedenfalls führt diese Trasse in einer mäßigen Steigung hinauf bzw. wieder hinab. Im Herbst 2008 durchgeführte baubegleitende archäologische Untersuchungen an diesem Übergang ergaben jedoch keinerlei Hinweise, dass es sich hierbei tatsächlich um die Trasse der Via Claudia Augusta handeln würde. Die Trassierung wäre überdies im Hinblick auf die üblicherweise durch die römischen Vermesser vorgenommenen geradlinigen und auf die schnellste Verbindung zweier Punkte ausgerichteten Weganlagen recht untypisch gewesen. Der Historiker Magnus Peresson meint dazu ebenfalls: "Die 'Römerstraße' über den Stieglerberg widerspricht [...] schon in ihrem Verlauf den Grundsätzen römischer Trassierung."


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