Geschichte

Das Gunglhos

von Hans von der Trisanna

Vorerst wollen wir einmal feststellen, woher die Bezeichnung für den alten Außerferner Faschingsbrauch abzuleiten ist. Das Bestimmungswort Gungl kommt vom Worte Kunkel, was gleichbedeutend ist mit Spinnrad, Spinnrocken. Die Zusammenkünfte der Frauenwelt in früheren Zeiten, um im Heimgarten gemeinsam zu spinnen, nannte man Kunkelstube und das Haus, in dem sich Frauen und Mädchen im Fasching mit ihren Spinnrädern einfanden, hieß bei uns „Gunglhos". Bleiben wir bei der richtigen Bezeichnung und bedienen wir uns nicht der Anglisierung „Gunglhous". Das wirkt lächerlich. Der alte Brauch ist in neuester Zeit der Umwandlung in ein Kaffeekränzchen verfallen. Nur den Namen hat er noch beibehalten und den üblichen Lärm der Begleitmusik, wenn sich die Besucherinnen zum Gunglhos begeben. Auch werden diese Veranstaltungen immer mehr in die Gasthäuser verlegt, in den Privathäusern werden sie immer seltener.

Wir wollen nun hören, wie es bei einem richtigen Gunglhos in früheren Zeiten in Reutte und Umgebung herging, als das Spinnrad noch in Geltung stand und nicht in irgendeiner Rumpelkammer verstaubte. In Bauern- und Privathäusern, aber auch bei Gastwirten, woselbst Töchter da waren, wurde der Reihe nach, meistens an einem Dienstag, Gunglhos abgehalten, in einem Orte oft 2 und 3 an einem Tage. Die Einladungen seitens der Hausfrau oder der Töchter an die in Betracht kommenden Häuser der Nachbarschaft, an die Verwandtschaft (auch in benachbarten Orten), an die Freundinnen usw. erfolgten ganz im stillen und unauffällig, Vorbereitungen zu einem guten Extrakaffee wurden getroffen, Guglhupf und Kleinbäckerei hergerichtet. Um die Mittagszeit des betreffenden Tages kam eine eigentümliche Bewegung in den Markt oder in das Dorf, ein geheimnisvolles Tun war in der Umgebung des Hauses bemerkbar, in dem man die Abhaltung des Gunglhoses vermutete. Den Besucherinnen war es daran gelegen, unbemerkt dorthin zu gelangen. Das war leichter gesagt als getan, denn die Burschen hielten scharfe Wacht an allen Haus- und Scheunenecken, an Fenstern und Toreingängen. Die Mädchen und Frauen kundschafteten geheime Zugänge aus und in den ersten Nachmittagsstunden näherten sie sich, verstohlen und verstellt, dem gastlichen Haus, um hineinzuschlüpfen. Diese hatte eine Arbeitsschürze vorgebunden, jene ein großes Kopftuch, damit ihr Gesicht nicht erkenntlich war, eine andere hatte eine Einkaufstasche am Arm und dgl. Spinnräder wurden keine mitgenommen, wohl aber ein Häkel- oder Strickzeug. Zur Zeit unserer Voreltern freilich ging man damit noch auf den „Rockenhuangart". Der Späher- und Ausforscherdienst hatte flott zusammengearbeitet. In den seltensten Fällen gelang es einer Besucherin, unbemerkt ins Haus zu kommen. War dieses noch in weiter Sicht, so sprangen schon Burschen und Männer aus allen Schlupfwinkeln hervor, bewehrt mit den üblichen Instrumenten einer dörflichen Katzenmusik, wie Gießkannen, Topfdeckeln, Trompeten, Tschinellen, Trommeln, Kuhglocken, Karfreitagsratschen usw. und zogen vor und hinter ihnen her bis zum Haus. Von allen Richtungen kamen solche Aufzüge und das Getute, Johlen, Rumpeln, Rasseln, Geschmetter wollte kein Ende nehmen. Sogar das Lieblingsinstrument des „Goaßers", das Bockshorn, kam in Verwendung. Wa¬ ren dann alle Geladenen beisammen, so wurden sie ent¬ schädigt und durch gute Bi .ssen. gezuckerten Kaffee frischgebackene Krapfen und es folgten fröhliche Stun¬ den, Man schilderte die Abenteuer beim Besuche, er¬ zählte , man war unter sich, war fröhlich und aufge¬ räumt , es wurde gestrickt und genäht , mehr aber ge¬ klatscht und ab und zu kam auch jemand „unter die Räder ". Das Männervolk hatte bis am Abend keinen Zutritt . Am Vorabend hatte hie und da eine Haus¬ tochter ihr Spinnrad ins Haus gebracht. Die FlachSMcken zeigten sich im Festschmucke . Rach Brväter -- brauch waren sie mit Bändern und Schleifen geziert. Beim Eintritt der Dunkelheit gab es dann Geselchtes mit Kraut , Speck. Würste , kalten und warmen Wein. Die Gastgeber ließen sich nicht spotten, man ließ sich sehen, es ging was drauf. Rach dem Aveläuten hatten die Dorfburschen Zu¬ tritt ins Haus . Eine Gruppe brachte die Musik mit, Zither oder Zupfgeige , vielleicht auch noch eine Klari¬ nette oder ein „Maurerklavier ", in ganz alten Zeiten eine Harfe , und nun kam der Tanz zu seinem Recht, die alten schönen Tänze : Ländler , Siebenschritt, Boari¬ scher usw. Zwischenhinein wurde auch gesungen. Auch die Burschen bekamen einen Trunk . Es waren unge¬ mein gemütliche Abende, gewürzt mit Witz und Ge¬ sang, so nach echter, alter Tiroler Art . friedlich und ohne Rachwehen, sei es durch Reibereien . Eifersucht, Volltrunkenheit , Ruhestörungen tu. ögl. Begleiterschei¬ nungen . Solche Bnterhaltungen kamen oftmals nicht billig zu stehen, alb er was tat es , es war nur im Iühr einmal und deshalb hausten die sonst ungemein sparsamen Leute nicht aus. Es herrschte damals ein Zusammenhalt im Volke und eine Rachbarlichkert, die wir heute vergebens suchen. Am Bus innigen Donnerstag wurde in Reutte beim Kveuzwirt (Kotlehner-Haus ) das offizielle Guuglhos gehalten . Da waren alle Stände vertreten , von den Amts - Vorstehern bis zu den kleinen Gewerbetreibenden und es soll die Gemütlichkeit wahre Triumphe gefeiert haben. Die alte , anheimelnde Geselligkeit früherer Zei¬ ten ist nun leider verschwunden.

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