
Oberschulrat Ferdinand Fuchs
Konsequent verfolgte er diesen Weg und trat 1934 in die Lehrerbildungsanstalt (LBA) in Innsbruck ein, wo er 1939 erfolgreich die Reifeprüfung ablegte.
Krieg und Rückkehr
Direkt nach dem Abschluss wurde Ferdinand Fuchs jedoch vom Kriegsgeschehen erfasst: Auf den Reichsarbeitsdienst folgte im Herbst 1939 die Einberufung zur Wehrmacht. Nach der militärischen Grundausbildung in Steyr diente er als Flak-Schütze in der Fliegerabwehr und wurde ab Juni 1941 an der Eismeerfront in Norwegen eingesetzt. Trotz mehrerer Verwundungen überstand er den Krieg, geriet bei Kriegsende in Gefangenschaft und konnte am 23. November 1945 schließlich in seine Heimat zurückkehren.
Wirken als Pädagoge
Endlich konnte er seinen ersehnten Beruf ergreifen und nach einem ersten halben Jahr an der Volksschule Reutte übernahm Ferdinand Fuchs ab dem 15. Dezember 1946 die Volksschule Wängle, die er bis zu seinem Ruhestand im Jahr 1980 als Lehrer und Direktor prägte.
Pädagogisch galt er als Vorbild: verantwortungsbewusst, rechtschaffen, einsatzfreudig und aufgeschlossen für moderne Ansichten. Methodisch stets auf dem neuesten Stand, strahlte seine Arbeit weit über die eigene Schule hinaus – nicht zuletzt durch seine engagierte Leitung der Lehrerarbeitsgemeinschaft und der Bezirksbildstelle.
Kultur, Chronik und Gemeinschaft
Neben seinem Engagement in der Dorfgemeinschaft – unter anderem als langjähriger Leiter des Kirchenchors sowie als Mitglied des Männergesangsvereins und der Freiwilligen Feuerwehr – galt seine ganz besondere Liebe der Heimatregion Außerfern. Ferdinand Fuchs hinterließ hier bleibende Spuren:
Heimatforschung & Publizistik: Als Vorstandsmitglied des Museumsvereins Reutte, Mitherausgeber einer Außerferner Bezirkskarte, Autor zahlreicher heimatkundlicher Beiträge und Verfasser des Werks „Heimat Außerfern“ setzte er sich schon zu Lebzeiten ein Denkmal.
Aufbau des Chronikwesens: Für ihn war eine fundierte Chronik das Fundament jeglicher Volkskunde und Geschichtsforschung. Mit akribischer Genauigkeit führte er die örtliche Chronik in Wort und Bild.
Netzwerker des Tiroler Kulturwerkes: Als begeistertes Mitglied und Bezirksbeauftragter des Tiroler Kulturwerkes überzeugte er Entscheidungsträger, baute die Arbeitsgemeinschaft der Chronisten im Bezirk auf, betreute diese fachlich und begeisterte Mitmenschen für die ehrenamtliche Chronikarbeit.
Für seine außerordentlichen Verdienste im Schulwesen wie auch in der Heimatpflege wurden ihm zahlreiche Ehrungen zuteil – darunter die Ehrennadel und die Ehrenmitgliedschaft des Tiroler Kulturwerkes sowie die Goldene Verdienstmedaille des Landes Tirol.
Völlig unerwartet verstirbt der Oberschulrat Ferdinand Fuchs am 8. November 1991 in Wängle.
Aus den Grabreden von Alfons Kleiner (damaliger Bezirksschulinspektor) und Dir. Gottfried Wackerle
„Tolerant sein und sich öffnen kann nur, wer um sich und seine eigene Geschichte weiß und sich seiner eigenen Identität bewusst ist.“
"Nun stehen wir an deinem offenen Grab und lassen dein reiches Leben in Worten an uns vorüberziehen – während die Welt um uns herum einmal mehr aus den Fugen gerät. Während im Osten starre Ideologien zerfallen, Europa sich neu formiert und in Jugoslawien ein grauenvoller Bürgerkrieg tobt, glauben wir zu verstehen, was du uns zeitlebens vermitteln wolltest:
Dein tiefes Interesse an Heimat, Volkskunde, Tradition und festen Werten war nie ein bloßes privates Hobby. Du wusstest genau, wie existenziell die Verwurzelung in Glaube, Heimat und Kultur für jeden einzelnen Menschen und für ganze Völker ist. Du hast uns vorgelebt, dass echte Weltoffenheit und Toleranz erst durch ein starkes Fundament der eigenen Identität möglich werden."
Gegenwärtig, etwa 35 Jahre später, haben diese Aussagen ihre Wirkkraft und ihren Wahrheitsgehalt nicht verloren. Ganz im Gegenteil, werden sie, in einer erneuten Phase, in welcher die Welt aus den Fugen zu geraten scheint, eindringlicher denn je.
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