Aus: Außferner Bote vom 23. Sep. 1933
Unter teilweiser Benützung der historischen Beilage zum 'Füssener Blatte' Nr. 22 vom 7. Dez. 1927.
Auf dem Lechfluß fanden namentlich um die Mitte des 16. Jahrhunderts große Holztriften statt. Die Stadt Augsburg deckte ihren Holzbedarf zum Großteil aus den Wäldern des mittleren Lechtals. Das geschlägerte Holz wurde dann nach Bayern vertriftet. Nach einer noch in Füssen vorhandenen Schrift vom Zöllner in Pinswang belief sich die Trift im Jahre 1568 auf 355.000 Hölzer. Im Jahre 1565 wurden in Namlos für die Trift 132.700 und in Fallerschein 78.850 Bäume geschlägert. Da bekommt man eine kleine Vorstellung von dem ungeheuren Holzreichtum zu damaliger Zeit und von der Größe einer solchen Trift. Ein Jahr darauf betrug in den genannten Wäldern die Schlägerung 182.900 Stück. Hiebei fanden bis zu 300 Holzknechte Arbeit. Zur Trift benötigte man noch 100 dazu. Diese großen Triften hatten ungeheure Streitigkeiten mit den Gemeinden, Anrainern, Flößern und Fischern im Gefolge. Vor jeder Trift mußte sich Augsburg ausdrücklich verpflichten, für alle daraus entstehenden Schäden aufzukommen. Zur Feststellung dieser Schäden dienten die sogenannten "Lechbereitungen" oder Lechbesichtigungen, die ursprünglich Füssen für das dortige Stadtgebiet durchgesetzt hatte und die dann später auf den ganzen Lech von Stanzach bis Augsburg ausgedehnt wurden. Diese Besichtigungen wurden vorgenommen durch eine unparteiische Lechkommission, deren Entscheidung bindend war für beide Teile. In einem Vertrag mit Lech-Aschau heißt es hierüber:
"Und wann oder alß offt sy mit ainer Trift Holtz von Stanzach am Lech auß der Holtzlende daselbst gen Augspurg faren und das Holtz auf dem Lech ainwerfen lassen wollen, sollen sy das alweg bei guetter Zeit und ee ainig Holtz inn Lech aingeworffen wirdet, unserem Pfleger zu Erenberg zu wissen thuen, der solle ... samt denen von Augspurg hierzu Verordneten Mitverständigen Unpartheiischen Trifft und Archmaistern ... auf Ihr, deren von Augspurg, Coste den Lech bederseits notdurfftlich besichtigen."
Wie notwendig diese Besichtigungen waren und welche Verheerungen die Triften gerade im Oberlauf des Lech anrichteten, zeigen die Klagen der Lechaschauer. Am 3. Januar 1563 reichten sie eine schriftliche Beschwerde beim Augsburger Waldschreiber ein des Inhalts:
Bei Stanzach, wo das Triftholz mit dem Klausenwasser des Namloser Baches in den Lech geschwemmt wurde, sei der Lech durch die Klausen mit Gewalt über Wege und Stege getrieben worden, so daß die Aschauer und die von Hornbach nicht handeln und wandeln könnten, und nicht mehr wie von altersher zu einander kommen könnten. Unter dem Beichlstuen und vor dem Errachwalde sei Holz geschlagen worden, wodurch der Wind in dem Bann- und Schutzwald der Aschauer ungeheuren Schaden anrichten konnte, wie es seit Menschengedenken nicht mehr der Fall war. Auch an der Funealb, die neben und unter dem Bannwald und Errach liegt und von der die Aschauer Steuer und Gilten gelben, sei an Auen, Wun und Waid bis zu der neuen Brücke Schaden angerichtet worden. Bei Weißenbach sei die Landstraße bedroht, und wenn das große Fuhrwerk komme, seien auch Auen, Wun und Waiden, Haus, Hof, Stück und Güter, Leib und Leben in Gefahr. Auch Unterhalb von Jörg Eggeli rinne der Lech in die Güter, ebenso unterhalb der Brücke.
Für diese Schäden verlangten die Aschauer 300 Gulden, bemerkten aber stolz dazu, daß sie sich damit noch lange nicht entschädigt fühlen, weil ihnen ihr Schutz- und Bannwald, ihre Alpen, ihr Holz, ihre Waiden und Auen über alles gehen und um kein Geld feil seien. Diese Eingabe, die vertreten wurde, durch Christian Schratz, derzeit Mayr, Benedikt Weißenbach, Hans Ranueß, Hans Leupprecht, Matheus Schwaiger und Jerg Kecht, Glaser, hatte Erfolg. Augsburg zahlte eine einmalige Abfindung für alle Schäden in Höhe von 300 Gulden, erklärte aber für eventuelle spätere Schäden, die durch Naturgewalten entstehen könnten, nicht mehr aufzukommen.
Auch die Pfarrgemeinde Breitenwang erhob Beschwerde über den durch die Trift erlittenen Schaden und verlangte Vergütung hiefür. Am 21. November 1567 fand eine Lechbesichtigung von Reutte bis Stanzach statt. An dieser beteiligten sich der Pfleger von Ehrenberg, Georg Krantz, Jürg Frankh, Richter daselbst, dann der Triftenmeister Hans Fischer von Zirl, der Holzmeister Michael Toll und der Waldschreiber Plaickner. Letzterer berichtete nach Augsburg, als man am 22. November wieder nach Reutte kam, sei der Bürgermeister samt etlichen Gerichtsherren erschienen und habe vorgebracht, durch die von Augsburg erbauten Klausen sei im letzten Jahre viel Sand von Stanzach herab geschwemmt worden, auch sei der Lech in die Fluren eingebrochen. Erst wenn ihnen dieser Schaden ersetzt sei, könnten sie mit Augsburg über die geplante Trift verhandeln.
Dann erschien auch noch der Mayramtsverwalter Christian Schratz von der Pfarrei Aschau samt etlichen Fürgeordneten aus Aschau und Weißenbach. Diese brachten durch Hans Rudeli die gleichen Klagen vor mit der Forderung auf Schadenersatz. Der Waldschreiber lehnte die Forderungen ab mit der Bemerkung, die Schäden kämen von dem Hochwasser dieses Jahres und nicht von dem Klausenwasser, das höchstens beim Einfluß des Stanzacher Baches einigen Schaden angerichtet habe. Immerhin gab er die Klage der Ortsvertreter nach Augsburg weiter. Am 16. Februar 1568 wurde dann auf dem Rathaus zu Reutte mit der Pfarrei Breitenwang eine Abrede getroffen, wonach Augsburg für die bisherigen Schäden 400 Gulden rheinisch zahlte. Daraufhin gaben die Reuttener, die fest entschlossen waren, die neue Trift mit Gewalt zu verhindern, ihren Widerstand auf, und so konnte die große Trift beginnen. Sie aber brachte neues Unheil über die Lechgemeinden von Stanzach bis Pflach und Pinswang. Der Lech grub sich damals, wie die Reuttener behaupteten, ein völlig neues Bett durch ihre Fluren, „für ewige Zeiten."
Nachdem Augsburg den Gemeinden Tausende von Gulden geleistet hatte, glaubten auch die Aschauer Fischer, noch geschwind eine Rechnung von 50 Gulden präsentieren zu sollen, wegen Verdienstentgang aus der Fischerei. Aber die schlauen Augsburger hatten inzwischen ausfindig gemacht, daß der Jahresertrag, den die Fischer an den Pfleger von Ehrenberg ablieferten, nicht mehr als 3 Gulden 36 Kreuzer wert sei; so viel wurde den Fischern angeboten, womit sich diese dann auch zufrieden gaben.
Die Spesen einer solchen großen Trift waren nicht gering. Die Löhne für die Holz-, Trift- und Werkmeister, Waldschreiber, Waldarbeiter, ferner die Zölle, Schadenersatzleistungen, Gratifikationen an die Grundherren und dgl. verschlangen eine ansehnliche Summe. Nach einer hinterlassenen Zusammenstellung betrugen alle Unkosten einer solchen Trift 2478 Gulden, was zu damaliger Zeit schon etwas hieß, woselbst das Geld einen hohen Wert hatte. Dabei machte der Zoll für die Trift im Jahre 1565 allein schon 1317 Gulden aus. Hievon entfielen auf die Zollstelle in Pinswang 317 Gulden. Der Gehalt für den kaiserlichen Triftmeister Hans Fischer aus Zirl, der 10 Wochen tätig war, betrug 50 Gulden, dazu erhielt er noch ein paar Hosen und ein „Wammas".
Unter teilweiser Benützung der historischen Beilage zum 'Füssener Blatte' Nr. 22 vom 7. Dez. 1927.
Auf dem Lechfluß fanden namentlich um die Mitte des 16. Jahrhunderts große Holztriften statt. Die Stadt Augsburg deckte ihren Holzbedarf zum Großteil aus den Wäldern des mittleren Lechtals. Das geschlägerte Holz wurde dann nach Bayern vertriftet. Nach einer noch in Füssen vorhandenen Schrift vom Zöllner in Pinswang belief sich die Trift im Jahre 1568 auf 355.000 Hölzer. Im Jahre 1565 wurden in Namlos für die Trift 132.700 und in Fallerschein 78.850 Bäume geschlägert. Da bekommt man eine kleine Vorstellung von dem ungeheuren Holzreichtum zu damaliger Zeit und von der Größe einer solchen Trift. Ein Jahr darauf betrug in den genannten Wäldern die Schlägerung 182.900 Stück. Hiebei fanden bis zu 300 Holzknechte Arbeit. Zur Trift benötigte man noch 100 dazu. Diese großen Triften hatten ungeheure Streitigkeiten mit den Gemeinden, Anrainern, Flößern und Fischern im Gefolge. Vor jeder Trift mußte sich Augsburg ausdrücklich verpflichten, für alle daraus entstehenden Schäden aufzukommen. Zur Feststellung dieser Schäden dienten die sogenannten "Lechbereitungen" oder Lechbesichtigungen, die ursprünglich Füssen für das dortige Stadtgebiet durchgesetzt hatte und die dann später auf den ganzen Lech von Stanzach bis Augsburg ausgedehnt wurden. Diese Besichtigungen wurden vorgenommen durch eine unparteiische Lechkommission, deren Entscheidung bindend war für beide Teile. In einem Vertrag mit Lech-Aschau heißt es hierüber:
"Und wann oder alß offt sy mit ainer Trift Holtz von Stanzach am Lech auß der Holtzlende daselbst gen Augspurg faren und das Holtz auf dem Lech ainwerfen lassen wollen, sollen sy das alweg bei guetter Zeit und ee ainig Holtz inn Lech aingeworffen wirdet, unserem Pfleger zu Erenberg zu wissen thuen, der solle ... samt denen von Augspurg hierzu Verordneten Mitverständigen Unpartheiischen Trifft und Archmaistern ... auf Ihr, deren von Augspurg, Coste den Lech bederseits notdurfftlich besichtigen."
Wie notwendig diese Besichtigungen waren und welche Verheerungen die Triften gerade im Oberlauf des Lech anrichteten, zeigen die Klagen der Lechaschauer. Am 3. Januar 1563 reichten sie eine schriftliche Beschwerde beim Augsburger Waldschreiber ein des Inhalts:
Bei Stanzach, wo das Triftholz mit dem Klausenwasser des Namloser Baches in den Lech geschwemmt wurde, sei der Lech durch die Klausen mit Gewalt über Wege und Stege getrieben worden, so daß die Aschauer und die von Hornbach nicht handeln und wandeln könnten, und nicht mehr wie von altersher zu einander kommen könnten. Unter dem Beichlstuen und vor dem Errachwalde sei Holz geschlagen worden, wodurch der Wind in dem Bann- und Schutzwald der Aschauer ungeheuren Schaden anrichten konnte, wie es seit Menschengedenken nicht mehr der Fall war. Auch an der Funealb, die neben und unter dem Bannwald und Errach liegt und von der die Aschauer Steuer und Gilten gelben, sei an Auen, Wun und Waid bis zu der neuen Brücke Schaden angerichtet worden. Bei Weißenbach sei die Landstraße bedroht, und wenn das große Fuhrwerk komme, seien auch Auen, Wun und Waiden, Haus, Hof, Stück und Güter, Leib und Leben in Gefahr. Auch Unterhalb von Jörg Eggeli rinne der Lech in die Güter, ebenso unterhalb der Brücke.
Für diese Schäden verlangten die Aschauer 300 Gulden, bemerkten aber stolz dazu, daß sie sich damit noch lange nicht entschädigt fühlen, weil ihnen ihr Schutz- und Bannwald, ihre Alpen, ihr Holz, ihre Waiden und Auen über alles gehen und um kein Geld feil seien. Diese Eingabe, die vertreten wurde, durch Christian Schratz, derzeit Mayr, Benedikt Weißenbach, Hans Ranueß, Hans Leupprecht, Matheus Schwaiger und Jerg Kecht, Glaser, hatte Erfolg. Augsburg zahlte eine einmalige Abfindung für alle Schäden in Höhe von 300 Gulden, erklärte aber für eventuelle spätere Schäden, die durch Naturgewalten entstehen könnten, nicht mehr aufzukommen.
Auch die Pfarrgemeinde Breitenwang erhob Beschwerde über den durch die Trift erlittenen Schaden und verlangte Vergütung hiefür. Am 21. November 1567 fand eine Lechbesichtigung von Reutte bis Stanzach statt. An dieser beteiligten sich der Pfleger von Ehrenberg, Georg Krantz, Jürg Frankh, Richter daselbst, dann der Triftenmeister Hans Fischer von Zirl, der Holzmeister Michael Toll und der Waldschreiber Plaickner. Letzterer berichtete nach Augsburg, als man am 22. November wieder nach Reutte kam, sei der Bürgermeister samt etlichen Gerichtsherren erschienen und habe vorgebracht, durch die von Augsburg erbauten Klausen sei im letzten Jahre viel Sand von Stanzach herab geschwemmt worden, auch sei der Lech in die Fluren eingebrochen. Erst wenn ihnen dieser Schaden ersetzt sei, könnten sie mit Augsburg über die geplante Trift verhandeln.
Dann erschien auch noch der Mayramtsverwalter Christian Schratz von der Pfarrei Aschau samt etlichen Fürgeordneten aus Aschau und Weißenbach. Diese brachten durch Hans Rudeli die gleichen Klagen vor mit der Forderung auf Schadenersatz. Der Waldschreiber lehnte die Forderungen ab mit der Bemerkung, die Schäden kämen von dem Hochwasser dieses Jahres und nicht von dem Klausenwasser, das höchstens beim Einfluß des Stanzacher Baches einigen Schaden angerichtet habe. Immerhin gab er die Klage der Ortsvertreter nach Augsburg weiter. Am 16. Februar 1568 wurde dann auf dem Rathaus zu Reutte mit der Pfarrei Breitenwang eine Abrede getroffen, wonach Augsburg für die bisherigen Schäden 400 Gulden rheinisch zahlte. Daraufhin gaben die Reuttener, die fest entschlossen waren, die neue Trift mit Gewalt zu verhindern, ihren Widerstand auf, und so konnte die große Trift beginnen. Sie aber brachte neues Unheil über die Lechgemeinden von Stanzach bis Pflach und Pinswang. Der Lech grub sich damals, wie die Reuttener behaupteten, ein völlig neues Bett durch ihre Fluren, „für ewige Zeiten."
Nachdem Augsburg den Gemeinden Tausende von Gulden geleistet hatte, glaubten auch die Aschauer Fischer, noch geschwind eine Rechnung von 50 Gulden präsentieren zu sollen, wegen Verdienstentgang aus der Fischerei. Aber die schlauen Augsburger hatten inzwischen ausfindig gemacht, daß der Jahresertrag, den die Fischer an den Pfleger von Ehrenberg ablieferten, nicht mehr als 3 Gulden 36 Kreuzer wert sei; so viel wurde den Fischern angeboten, womit sich diese dann auch zufrieden gaben.
Die Spesen einer solchen großen Trift waren nicht gering. Die Löhne für die Holz-, Trift- und Werkmeister, Waldschreiber, Waldarbeiter, ferner die Zölle, Schadenersatzleistungen, Gratifikationen an die Grundherren und dgl. verschlangen eine ansehnliche Summe. Nach einer hinterlassenen Zusammenstellung betrugen alle Unkosten einer solchen Trift 2478 Gulden, was zu damaliger Zeit schon etwas hieß, woselbst das Geld einen hohen Wert hatte. Dabei machte der Zoll für die Trift im Jahre 1565 allein schon 1317 Gulden aus. Hievon entfielen auf die Zollstelle in Pinswang 317 Gulden. Der Gehalt für den kaiserlichen Triftmeister Hans Fischer aus Zirl, der 10 Wochen tätig war, betrug 50 Gulden, dazu erhielt er noch ein paar Hosen und ein „Wammas".
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