Geschichte

Der freiwillige Arbeitsdienst ab 1933

Der Freiwillige Arbeitsdienst (FAD) wurde in Österreich unter dem autoritären Regime von Engelbert Dollfuß ab 1933 zu einem zentralen Instrument der staatlichen Arbeitsmarkt- und Gesellschaftspolitik. Angesichts der verheerenden Folgen der Weltwirtschaftskrise diente die Maßnahme vordergründig der Bekämpfung der extrem hohen Jugendarbeitslosigkeit, entwickelte sich jedoch rasch zu einem Werkzeug politischer Erziehung und Kontrolle.

Hauptziel war es, erwerbslose Jugendliche und junge Erwachsene durch gemeinnützige Arbeiten (z. B. im Straßenbau oder in der Forstwirtschaft) von der Straße zu holen und finanziell minimal abzusichern.

Aus: Außferner Bote vom 29. Juli 1933
Infolge des freiwilligen Arbeitsdienstes in Oesterreich wird Gelegenheit geboten, raschestens eine Beschäftigung zu finden. Für diesen Dienst kommen männliche Personen im Alter von 18—25 Jahren in Betracht. Die zu beschäftigenden Arbeitsdienstwilligen werden auf die einzelnen Arbeitslager verteilt, in welchen sich gute Bettstellen (nicht Pritschenlager) mit Decken und Leintuch befinden. Jeder Arbeitsdienstwillige erhält volle gute Verpflegung bestehend aus drei Mahlzeiten, außerdem 10 Zigaretten und 50 Groschen Taschengeld täglich. Besonders für die von der Wirtschaftsnot so hart betroffenen Kriegsopfer wäre es eine bedeutende Erleichterung, wenn sie ihre Söhne, welche keine Beschäftigung finden können, dem freiwilligen Arbeitsdienst zuführen würden.

Unter dem Ständestaat verlor der Dienst jedoch schrittweise seine rein sozialpolitische Ausrichtung. Er wurde eng an die Vaterländische Front angebunden und zur Vermittlung ständestaatlicher sowie katholisch-autoritärer Werte genutzt. Neben Verpflegung, Unterkunft und einem geringen Taschengeld standen Ordnung, Disziplin und die Eingliederung in eine kollektive Gemeinschaftsordnung im Vordergrund.

Die Arbeitskräfte wurden für arbeitsintensive, technisch einfache Infrastrukturprojekte im ländlichen Raum eingesetzt, um ohne hohen Kapitaleinsatz öffentliche Bauten zu realisieren.

Damit bildete der FAD unter Dollfuß ein Bindeglied zwischen krisenbedingter Notstandsmaßnahme und autoritärem Erziehungsinstrument, das in Organisation und Zielsetzung spätere Strukturen wie den nationalsozialistischen Reichsarbeitsdienst (RAD) in Teilen vorwegnahm.

Aus: Außferner Bote vom 17. Jän. 1934
Bereits im Laufe des Jahres 1933 haben einzelne Gemeinden in Außerfern, insbesondere im Zugspitztalkessel mit Hilfe des freiwilligen Arbeitsdienstes (in Hinkunft FAD bezeichnet) zusätzliche Arbeiten, wie Holzbringungswegbauten, Entsumpfung, Alpräumungen usw. durchgeführt. Dies geschah in der Form, daß die FAD-Arbeiter eine Entlohnung erhielten, in welcher die Kosten für Unterkunft und Verpflegung bereits Inbegriffen waren. Mit Rücksicht auf die Verwendung von ausschließlich einheimischen, ortsansätzigen Arbeitskräften, war diese Form der Inanspruchnahme der FAD-Zuschüsse die beste Lösung, umsomehr, als die durchgeführten Arbeiten nicht für einen längeren Zeitraum vorgesehen waren und sich die Investitionen für die Unterkünfte der FAD-Arbeiter nicht rentiert hätten.

[...]

Es befindet sich je ein Lager in Hinterbichl bei Lechaschau mit etwa 40 Mann Belag, in Erach bei Weißenbach mit etwa 90 Mann Belag, in Musau (Roßschläg) mit etwa 40 Mann Belag und in Vils mit etwa 50 Mann Belag, also insgesamt vier Lager mit etwa 220 Mann. Die FAD-Leute dieser Lager werden zusammen mit einer Anzahl Arbeiter, für die Zuschüsse aus den Mitteln der produktiven Arbeitslosenfürsorge bestehen, zu Flußregulierungsarbeiten verwendet, die auch im Winter durchgeführt werden, ja zum Großteil nur bei dem jetzigen niedrigen Wasserstand möglich sind.

[...]

Von den an diesen Flußregulierungsarbeiten interessierten Gemeinden wird diese Einrichtung sehr begrüßt. Auch die hiesigen Geschäftsleute sehen es gerne, daß über 200 Mann ständig verpflegt werden müssen, da die Einkünfte für die Lager nach Möglichkeit in der nächsten Umgebung getätigt werden.

Auffallend ist jedoch der geringe Prozentsatz der im Bezirke wohnhaften Arbeitskräfte, die beim FAD beschäftigt sind. Auch aus dem übrigen Tirol sind nur sehr wenige Arbeitsfreiwillige in unseren Lagern. Der Prozentsatz der Nichttiroler übersteigt z. B. im Lager Musau 80 Prozent des Standes, in den Lagern Vils, Erach und Hinterbichl ist der Prozentsatz der Nichttiroler allerdings weit geringer.


Der Übergang vom österreichischen Freiwilligen Arbeitsdienst (FAD) bzw. dem ab 1936 geführten Staatlichen Arbeitsdienst (SAD) zum nationalsozialistischen Reichsarbeitsdienst (RAD) erfolgte unmittelbar nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938. Dabei wurden bestehende Strukturen nahtlos übernommen, jedoch ideologisch und organisatorisch radikal umgebaut.

Die NS-Verwaltung löste die österreichischen Einrichtungen auf und gliederte zwischen März und Juli 1938 die bestehenden Barackenlager, Ausrüstungen und Arbeitsstätten direkt in das RAD-System ein. Geografisch wurde das Bundesgebiet in NS-„Arbeitsgaue“ (wie Alpenland oder Oberdonau) neu strukturiert.

Während der FAD offiziell auf Freiwilligkeit basierte (wenn auch unter sozialem und finanziellem Druck), wurde am 1. Oktober 1938 die Reichsarbeitsdienstpflicht für junge Männer zwischen 18 und 25 Jahren in Österreich gesetzlich eingeführt. Ab September 1939 galt diese Pflicht auch für die weibliche Jugend. Unter Reichsarbeitsführer Konstantin Hierl wandelte sich der Arbeitsdienst schließlich von einer reinen Notstands- und Beschäftigungsmaßnahme zu einer straff exerzierten, paramilitärischen Organisation. Der Spaten wurde als „Waffe des Arbeitsmannes“ inszeniert und der sechsmonatige Dienst diente direkt als Vorbereitung auf den anschließenden Dienst in der Wehrmacht.

Mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs verlor der zivile Nutzen (wie Güterwegebau oder Bodenverbesserungsmaßnahmen) rasch an Bedeutung. Der RAD wurde zügig für den Bau von Festungsanlagen (z. B. Westwall), Logistik und ab 1944 direkt für den Einsatz an der Heimatfront (Luftabwehr) herangezogen.

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