
Rekonstruktionsversuch der Seeger Motte
In der sanften Hügellandschaft des Ostallgäus, nahe der Gemeinde Seeg, verbirgt sich eine archäologische Besonderheit: die Motte Burk. Wer heute vor dem markanten, kegelstumpfförmigen Hügel steht, blickt auf eines der besterhaltenen Beispiele einer Turmhügelburg in ganz Bayern.
Die Geschichte der Motte Burk beginnt vermutlich im 12. Jahrhundert. Zu einer Zeit, als ritterliche Tugenden und feudale Herrschaftsstrukturen das Land prägten, errichteten die Herren von Seeg – namentlich als Suuiker und Gerboldus de Seekke überliefert – diesen wehrhaften Wohnsitz auf ihrem Eigenbesitz. Als ministeriale Dienstmänner der mächtigen Welfen und später des Hochstifts Augsburg schufen sie in einer ursprünglich sumpfigen Talebene an der Lobach einen künstlich aufgeworfenen Erdhügel, den sogenannten Turmhügel. Mit einer Höhe von etwa 8,5 Metern und einem Plateau-Durchmesser von circa 25 Metern erhob er sich über die Umgebung. Eingehegt war dieser Kern der Burg sehr wahrscheinlich von einer hölzernen Palisade, die einen zentralen Wohnturm schützte. Ein System aus einem Wassergraben und einem vorgelagerten Wall machte die Anlage zu einer schwer zu nehmenden Festung.

gotischer Schlüssel von Burk
aus: Deutsche Gaue, Christian Frank (1902)
Südöstlich des Haupthügels befand sich eine Vorburg. Hier waren vermutlich Wirtschaftsgebäude, Ställe und Werkstätten untergebracht, die das Überleben der Burgbesatzung sicherten. Schon gegen Ende des Hochmittelalters verlor die Burg ihre strategische Bedeutung und wurde aufgegeben. Über Jahrhunderte wurde die Fläche landwirtschaftlich genutzt. In jüngerer Zeit wurde der historische Wert der Stätte erkannt: Nach dem Jahr 2000 wurde der Ringgraben teilweise wieder ausgehoben und geflutet, um den ursprünglichen Charakter der Wasserburg zu verdeutlichen.
Heute ist die Motte Burk als Bodendenkmal geschützt. Zwar befindet sich das Plateau in Privatbesitz und ist mit einem kleinen Wochenendhaus überbaut, doch lässt sich die beeindruckende Dimension der Anlage vom öffentlichen Weg aus hervorragend begreifen.

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