Burgen

Burg Werdenstein

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Wer heute auf der Bundesstraße B19 durch das Oberallgäu fährt, erblickt kurz vor Immenstadt auf einem bewaldeten Hügelrücken die Ruine Werdenstein. Über ein halbes Jahrtausend lang war dies das Machtzentrum eines der einflussreichsten Adelsgeschlechter der Region.

Es begann etwa um das Jahr 1200. Die Herren von Werdenstein, die erstmals 1239 mit Hildebrand von Werdenstein in Erscheinung traten, errichteten ihren Stammsitz auf einem Nagelfluhsporn, von dem aus sie das mittlere Illertal kontrollieren konnten. Als Ministeriale des Stifts Kempten stiegen sie rasch auf, bekleideten das angesehene Amt des Erbkämmerers und prägten die Politik zwischen den Machtblöcken Kempten, Österreich und den Grafen von Montfort.

Die Beziehungen verliefen jedoch nicht immer friedlich. Gerade mit dem Haus Montfort lag man in Fehde, 1457 belagern die sogar die Burg. 1491 begaben sich die Werdensteiner unter den Schutz des Hauses Habsburg und dienten unter dem König Maximilian I.

Architektonisch war Werdenstein eine klassische Kastellburg. Das Herzstück der Anlage war der mächtige Palas, flankiert von einer Ringmauer und dem noch heute sichtbaren Torturm. Eine Besonderheit der Burg war ihre frühe Anpassung an die moderne Kriegsführung: Während viele andere Allgäuer Burgen noch auf Bogenschützen setzten, rüsteten die Werdensteiner ihre Mauern bereits im 15. Jahrhundert mit Schlitzmaulscharten aus – spezialisierten Öffnungen für Hakenbüchsen, die ein erheblich weiteres Schussfeld ermöglichten.

Im Bauernkrieg 1525 wurde die Anlage geplündert, mit der Übersiedelung der Linie Werdenstein nach Dellmensingen bei Ulm im Jahr 1659 nutzte man die Burg nur noch als Sommersitz. 1785 ging die Burg an ihre neuen Besitzer, die Grafen von Königsegg. Diese sahen die ramponierte, aber noch halbwegs intakte Burg schon bald als eine Steuerlast an, so ließ man die Dächer abdecken um sich die Gebäudesteuer zu sparen – dies war der Anfang vom Ende. Im 19. Jahrhundert wurde Werdenstein von den umliegenden Bauern als Steinbruch für ihre Gehöfte genutzt, und sogar das Fundament der vorbeiführenden Straße besteht in Teilen aus den Quadern der alten Ritterburg.

Dass man heute noch durch das Burgtor schreiten kann, ist privatem Engagement zu verdanken. Seit 1898 im Besitz der Familie Rapp, wurde die Ruine ab 1988 in einer umfangreichen Sanierungsaktion gesichert.

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