
Ein Bollwerk der Zuflucht im Wald
Wer heute auf dem „Heinrichweg“ durch den Wald zwischen Ottacker und Kohlenberg wandert, ahnt vermutlich nicht, dass er sich auf historischem Boden befindet. Doch wer genau hinsieht, erkennt im Gelände markante Erhebungen und Senken – die letzten Zeugnisse einer Zeit, in der das Allgäu arg in Bedrängnis stand.
Mythos Kelten oder nackte Not im Mittelalter?
Im Volksmund wird die Anlage oft als „keltische Fliehburg“ bezeichnet. Der Gedanke ist verlockend: Keltische Bauern mit ihren Familien und dem Vieh, die hinter den Wallanlagen Schutz suchen. Und tatsächlich nutzten spätere Generationen oft genau die Plätze, die schon die Kelten strategisch geschickt ausgewählt hatten.
Die Wissenschaft ist jedoch etwas nüchterner – was die Geschichte aber nicht weniger spannend macht: Die heute sichtbaren Wälle werden nach neuesten Erkenntnissen meist dem 10. Jahrhundert zugeordnet. Es war die Zeit der großen Angst vor den Magyaren (Ungarn). Wenn die Nachricht von herannahenden Reiterscharen das Land erreichte, blieb den Bauern nur die Flucht.
Wie funktionierte das „Safehouse“ der Ahnen?
Jedenfalls waren dies keine Ritterburgen mit prunkvollen Sälen. Die Fliehburg bei Ottacker war ein rein zweckmäßiger Schutzbau:
Diese Fliehburg war kein isolierter Ort. Vielmehr war sie Teil einer Sicherheitseinrichtung. Ähnlich den später bekannten Kreidefeuern dienten solche Plätze zum Schutz der Bevölkerung, sobald die Kunde über das Nahen des Feindes vernommen wurde.
Heute ist die Natur Herrin über die Wälle bei Ottacker. Moos überwuchert die Gräben, und alte Wurzeln schlängeln sich über den Waldboden, der in seiner einstigen Funktion wohl einer Vielzahl von Menschen das Leben rettete.


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