Schnippsel

Die Nationalsozialisten und das Sprengstofflager

Aus: Außferner Bote vom 14. Jän. 1933
Durch eine der Polizei zugekommene Mitteilung hat die Behörde Nachricht davon erhalten, daß in Wien sich ein großes Sprengstofflager befinde, das, wie in der Anzeige ausgeführt wurde, zur Verfügung der nationalsozialistischen Partei gehalten werde. Nach Erhalt der Anzeige ist die Polizei unverzüglich eingeschritten und hat tatsächlich in dem bezeichneten Hause in der Millergasse 40 in Mariahilf in den Magazinen einer dort etablierten Firma ein großes Lager von Sprengstoffen gefunden, und zwar von Ammonit, dessen Menge genügt hätte, sämtliche Häuser einer nicht allzu langen Straße in Schutt zu legen. Diese Sprengmassen wurden beschlagnahmt, der Prokurist dieser Firma, Kurt Barisani, ein Mitglied der nationalsozialistischen Partei, wurde in Haft genommen. Der Mann erklärte bei seiner Einvernahme, überhaupt von der Einlagerung dieser Sprengstoffe keine Kenntnis gehabt zu haben. Ob diese beschlagnahmten 44 Kilogramm von Ammonit tatsächlich, wie dies in der Anzeige hieß, zur Verfügung der nationalsozialistischen Partei bereitgehalten worden sind und zu welchem Zweck ihre Verwendung gedient hätte, ist noch nicht festgestellt, da die Polizeibehörde weitere Beweise bisher nicht erbringen konnte.

Zwischenzeitlich gewinnt die NSDAP immer mehr Macht und hält in der Folge oft schützend die Hand über seine Sympathisanten.

Aus: Außferner Bote vom 5. April 1933
Kurt Barisani freigesprochen. In fortgesetzter Verhandlung gegen den kaufmännischen Leiter einer technischen Firma, Kurt Barisani, wegen Verbrechens nach Paragraph 6 des Sprengstoffgesetzes wurde am 3. ds. in Wien von einem Senat des Landesgerichtes das Urteil verkündet. Der Angeklagte wurde vom Verbrechen gegen das Sprengmittelgesetz freigesprochen, hingegen wegen Uebertretung des Waffenpatents zu 30 Schilling Geldstrafe, im Nichteinbringungsfalle zu 48 Stunden Arrest verurteilt. Barisani war angeklagt, in einem Lagerraum seiner Firma 44 Kilogramm Ammonit verwahrt zu haben.

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