Schnippsel

Was ist mit dem Kriegerdenkmal in Reutte? (1933)

Aus: Außferner Bote vom 8. März 1933
Heute, da schon mehr als 14 Jahre seit dem Weltkriege verstrichen sind, erfreut sich fast jeder größere Ort eines würdigen und schönen Kriegerdenkmals, das als dauerndes Mahnzeichen den Gefallenen zur Ehrung, den übrigen Mitbürgern aber, besonders unseren Kindern und Kindeskindern zur Erinnerung dienen soll an jene große Zeit, in der Heldenmut, Einigkeit und zähe Ausdauer in Not und Entbehrungen Wunder der Tapferkeit verrichteten. Auch in Reutte ist dieser Plan, ein solches Kriegerdenkmal zu schaffen, schon oft und oft erwogen und besprochen worden, jedoch ist man bis heute nicht über die guten Vorsätze hinausgekommen. Immer und immer wieder vernimmt man hier die Frage, warum gerade in Reutte die für das Vaterland gefallenen Helden eines solchen Denkmales entbehren müssen. Der Hinweis darauf, daß die Pfarrgemeinde schon gleich nach dem Kriege für ihre Söhne, die Blut und Leben im Kampfe fürs Vaterland opferten, in der Totenkapelle in Breitenwang 2 Heldentafeln angebracht hat, will der Bevölkerung nicht einleuchten, denn man sagt sich: Die Ruhmestaten unserer Krieger sind zu groß, als das sie sich mit einer solchen bescheidenen Ehrung begnügen könnten.

Gestern erschien neuerdings in unserer Schriftleitung ein ehemaliger Vaterlandsverteidiger und machte einen Vorschlag, den wir gewiß recht gerne veröffentlichen. Der Mann entwickelte uns folgenden Gedanken: Man soll als weithin sichtbares Zeichen zum Gedenken unserer Helden auf dem Wolfsberge einen ungefähr 30 Meter hohen Turm errichten und in diesem Turme eine 5000 bis 6000 Kilogramm schwere Glocke, die sogenannte Heldenglocke, anbringen. Ferner soll dort ein Museum untergebracht werden und der oberste Teil des Turmes als Aussichtswarte dienen. Mit diesem Denkmal wäre dann etwas anderes geschaffen als die zu Hunderten im gleichen Baustile schon bestehenden Kriegerdenkmäler. Wie Kufstein bereits eine Heldenorgel besitzt, so würde Reutte, wenn dieser Plan in Verwirklichung ginge, einen Heldenturm mit einer Heldenglocke bekommen. Wir fragten nun den Krieger, wie er sich die Aufbringung der nötigen Mittel um diesen Plan auszuführen, vorstelle. Darauf erwiderte er uns, daß es wohl im ganzen Talkessel von Reutte keinen Menschen gäbe, der sich nicht dazu bereit erklären würde, freiwillige Arbeitsdienste beim Bau zu verrichten, oder wenn er solche Arbeiten nicht leisten wolle, sein Scherflein in Form von Geld oder Baustoffen beizusteuern. Auf diese Weise könnte dann der Turm während der Zeit der großen Arbeitslosigkeit hergestellt werden. Was die Glocke anbelangt, so sei der Preis des hiezu nötigen Metalles heute so nieder, das die Anschaffung gewiß nicht auf zu große Schwierigkeiten stoßen würde.

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