Aus: Neues bayerisches Volksblatt vom 23. Feb. 1864
Heute fand dahier [Vils] unter zahlreicher Begleitung die Bestattung einer verunglückten Weibsperson statt, deren Schicksal und die besondere Zurichtung ihres Sterbeortes das ganze Städtchen zur Theilnahme und Mitleid hingerissen hat. Vorgestern als am 16. fanden zwei Knaben beim Holzeinsammeln an der Sonnenseite am Zwischberge nicht weit von der Ruine Vilsegg (im Thale) im Gestrüppe am Bergabhange unter einem vorspringenden Felsen ein mit Sorgfalt zusammengetragenes Mauerwerk, worüber ein Umhängtuch an den Enden mit Stecknadeln an Aeste und Stämmchen mit vielem Fleiß gespannt worden war. Bei näherer Untersuchung fand sich dahinter ein entseelter weiblicher Leichnam, dem die Augen bereits fehlten. Beim Kopf lag ein Tragkörchen mit einem Haarkamm und etwas Mehlbeeren, dann 3 Paar Frauenschuhe, nebst einem aus runden Stäbchen mit Faden und Glasperlen zusammengebundenen Kreuzchen. Die gerichtliche Kommission erkannte, daß die Unglückliche bereits vor sechs Wochen daselbst gestorben sein müsse. Ein hiesiger Bürger gab zu Protokoll, daß diese Person in den letzten Tagen Dezembers zu ihm gekommen sei und um Nachtquartier gebeten habe. Man gab ihr zu essen da sie sehr hungrig war. Dabei erzählte sie, daß sie Pelagia Schnirl heiße, von Augsburg sei, keine Eltern mehr, wohl aber eine Schwester 'Amalia' habe, die sie in Füssen aufsuchen wollte, dort aber hörte, daß diese 'Amalia' vielleicht in Vils zu treffen sei. In dieser Absicht kam sie hieher. Am andern Morgen, als sie gesättiget worden war, ging sie wieder fort und ist nicht mehr in Vils gesehen worden.
Die Meinungen dahier gehen dahin, daß die Erbarmenswürdige durch geheimen Kummer und Nahrungssorgen in einem schweren Seelenleiden excentrisch geworden, und sich vielleicht unbewußt auf dem einsamen Plätzchen sorgfältig eine Schlafstelle zugerichtet, hinangekrochen und durch die Kälte gestorben sei.
Der Herr Pfarrer Sebastian Prieth dahier hat ihr wie jedem Angehörigen der Gemeinde zur großen Befriedigung Aller über diese wahrhaft christliche Humanität die Gebetstunde unter Theilnahme der Gemeinde abgehalten und ein sehr ehrbares Begräbniß veranstaltet. – Dieß zum Trost aller etwa vorhandenen Angehörigen und Bekannten.
Heute fand dahier [Vils] unter zahlreicher Begleitung die Bestattung einer verunglückten Weibsperson statt, deren Schicksal und die besondere Zurichtung ihres Sterbeortes das ganze Städtchen zur Theilnahme und Mitleid hingerissen hat. Vorgestern als am 16. fanden zwei Knaben beim Holzeinsammeln an der Sonnenseite am Zwischberge nicht weit von der Ruine Vilsegg (im Thale) im Gestrüppe am Bergabhange unter einem vorspringenden Felsen ein mit Sorgfalt zusammengetragenes Mauerwerk, worüber ein Umhängtuch an den Enden mit Stecknadeln an Aeste und Stämmchen mit vielem Fleiß gespannt worden war. Bei näherer Untersuchung fand sich dahinter ein entseelter weiblicher Leichnam, dem die Augen bereits fehlten. Beim Kopf lag ein Tragkörchen mit einem Haarkamm und etwas Mehlbeeren, dann 3 Paar Frauenschuhe, nebst einem aus runden Stäbchen mit Faden und Glasperlen zusammengebundenen Kreuzchen. Die gerichtliche Kommission erkannte, daß die Unglückliche bereits vor sechs Wochen daselbst gestorben sein müsse. Ein hiesiger Bürger gab zu Protokoll, daß diese Person in den letzten Tagen Dezembers zu ihm gekommen sei und um Nachtquartier gebeten habe. Man gab ihr zu essen da sie sehr hungrig war. Dabei erzählte sie, daß sie Pelagia Schnirl heiße, von Augsburg sei, keine Eltern mehr, wohl aber eine Schwester 'Amalia' habe, die sie in Füssen aufsuchen wollte, dort aber hörte, daß diese 'Amalia' vielleicht in Vils zu treffen sei. In dieser Absicht kam sie hieher. Am andern Morgen, als sie gesättiget worden war, ging sie wieder fort und ist nicht mehr in Vils gesehen worden.
Die Meinungen dahier gehen dahin, daß die Erbarmenswürdige durch geheimen Kummer und Nahrungssorgen in einem schweren Seelenleiden excentrisch geworden, und sich vielleicht unbewußt auf dem einsamen Plätzchen sorgfältig eine Schlafstelle zugerichtet, hinangekrochen und durch die Kälte gestorben sei.
Der Herr Pfarrer Sebastian Prieth dahier hat ihr wie jedem Angehörigen der Gemeinde zur großen Befriedigung Aller über diese wahrhaft christliche Humanität die Gebetstunde unter Theilnahme der Gemeinde abgehalten und ein sehr ehrbares Begräbniß veranstaltet. – Dieß zum Trost aller etwa vorhandenen Angehörigen und Bekannten.
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