Schnippsel

Die Lechtaler Kirchengeschichte

Aufsatz von Arthur Lechleitner, Elmen (1932)

Serie aus: Außferner Bote (Juli 1932)
Die älteste Seelsorge im Lechtale ist die Pfarre Elbigenalp. Sie erstreckte sich anfänglich von Lech-Aschau bis zum Tannberg und soll vom hl. Magnus gegründet worden sein, was aber nicht einwandfrei festgestellt werden kann. Der Wahrheit am nächsten dürfte liegen, daß sie von seinen mit gleichem apostolischem Eifer beseelten Ordensbrüdern zu Füssen kurze Zeit später ins Leben gerufen worden ist, von wo aus auch an Sonn- und Feiertagen ein Konventuole (Stiftsgenosse) zur Abhaltung des Gottesdienstes entsandt wurde, bis ein ständiger Priester nach Elbigenalp kam.
Zur selben Zeit mußten die Kranken im ganzen Lechtal vom Pfarrer in Elbigenalp versehen werden. Da sich aber die Volkszahl allmählich vermehrte, der Weg zur Pfarrei oft durch Ueberschwemmungen, Lawinen und Vermurungen ungangbar gemacht wurde, die älteren Leute diese weite und beschwerliche Strecke nicht bewältigen konnten und der Pfarrer außerstande war, all seine Kranken zu providieren, traten schließlich die Bewohner des oberen Lechtales an den Bischof Burkhard von Augsburg, welcher aus dem schwäbischen Geschlechte der Erben von Ellerbach, entsproß, mit der Bitte heran, die Errichtung einer eigenen Pfarre in Holzgau zu bewilligen. Bischof Burkhard kam im Einverständnis des Pfarrers von Elbigenalp und des Konventes zu Füssen tatsächlich der Bitte entgegen und errichtete in Holzgau eine besondere, mit allen zur Seelsorge gehörigen Rechten ausgestattete Pfarrei. Als Grenze dieser beiden Pfarreien galt der Sulzbach. Nun hatten aber die damaligen Pfarreien sogenannte Filialen, die je nach Einrichtung Lokalie, Expositur oder Kuratie genannt wurden. So waren die Gemeinden Häselgehr, Elmen und Steeg Lokalien, Stanzach, Bach, Stockach, Hägerau und Kaisers Exposituren und Hinterhornbach eine Kuratie.

Die Gemeinde Elmen, ein der Seelsorge nach früher zu Elbigenalp gehöriger Ort, hatte im Jahre 1433 bereits eine Kirche und noch im selben Jahre einen, wenn auch nicht perpetuierlichen (beständigen) Priester. Einen solchen erhielt Elmen erst im Jahre 1515, da zu dieser Zeit am Sonntag nach Maria Geburt mit Einverständnis des Klosters Füssen als Lehensherrn oder Kollator eine ewige Messe oder Pfründe genannt, gestiftet wurde, zur Kirche Unserer Lieben Frau und der Hl. Drei Könige, mit 32 rheinischen Gulden samt Wohnung, Hofstätte und Zugehör für einen ständigen Kaplan. Das Kloster Füssen hatte aus irgend einer Ursache, welche die noch vorhandene Urkunde verschweigt, Elmen die Aufbewahrung des Venerabile (Hostie in der Monstranz) und der hl. Oele wohl zugestanden, nicht aber die des Chrysams und es mußte das Sakrament der Taufe, des Altars und der letzten Oelung vom Pfarrer selbst gespendet werden, ausgenommen, wenn ein Notfall vorhanden war.

Ferner sollte der Kaplan an Sonn- und Aposteltagen in Elmen predigen, an gewissen Festtagen er selbst (mit der ganzen Gemeinde) in der Mutterkirche Elbigenalp erscheinen, dem Pfarrer mit Meßlesen, Singen und Beichthören behilflich und bei Totengottesdiensten auf Verlangen gewärtig sein. Letzgenannte, Jahrtage und Begräbnisse mußten vom Pfarrer selbst abgehalten werden und ward der Kaplan von Elmen gezwungen, das Opfergeld und das, was über seinen Gehalt hinausgehe, dem Pfarrer abzuliefern. Eine Bindung des Kaplans war weiter, ohne entschuldbaren Grund niemals länger als einen Monat abwesend zu sein und die hl. Messe pünktlich zur Zeit lesen. Außerdem wurde dem Kaplan die Vollmacht erteilt, im Falle die Gülten (Abgaben aller Grundstücke an das Widum) nicht eingehen sollten, die Güter, worauf sie haften, selbst genießen zu können. Dies alles wurde in einer Urkunde vom 13. November 1515 von Bischof Heinrich genehmigt und gefertigt. Dadurch wird die Vermutung widerlegt, daß Kaiser Max I. die Kirche von Elmen dem Kloster Füssen abgekauft und das meiste zu ihrer Gründung beigetragen habe. Auch ist die Urkunde noch vorhanden, in welcher sich Stanzach, Martinau, Vorder- und Hinterhornbach verpflichten, dem Kaplan Michael Surch auf dessen Versprechung hin, lebenslänglich in Elmen zu verbleiben, die Dotation auf 48 Gulden zu erhöhen und dem Kaplan jährlich pro Haus ein Klafter Holz zu stellen. (Urkunde vom 24. April 1538). Am 17. Mai 1768 ist laut Gubernialdekret mit Zustimmung des Ordinariates Augsburg die Kaplanei zur Lokalie erhoben worden. Wie schon Eingangs erwähnt, hatte Elmen im Jahre 1438 eine Kirche. Im Jahre 1667 von den Flammen vernichtet, wurde sie nach zweijähriger Bauzeit wiederhergestellt. Auf den Turm kamen 4 Glocken. Der Guß der großen Glocke fand im Jahre 1787 statt, der Gießer war Simon Peter Müller aus Innsbruck. Vom Glockengießer Barth. Graßmayr aus dem Oetztale stammen die 2. und die 3. Glocke. Die 4. wurde vom Religionsfonde unentgeltlich beigestellt. Einer Bemerkung wert ist noch folgende interessante Begebenheit: Als am 12. Mai 1685 unter Leitung des Georg Falger die neuerbaute Kirche zu Elbigenalp geweiht wurde, erließen die kompetenten Würdenträger ein Dekret, wonach Elmen unter Androhung der Kirchenstrafe verpflichtet wurde, für die dortige neuerbaute Kirche Beiträge zu leisten. Darüber waren die Elmer sehr empört und es fruchtete diese Verfügung soviel wie gar nichts. Daraufhin wurde vom Gerichte Ehrenberg gegen Elmen die Exekution eingeleitet und zur Amtshandlung dorthin ein Gerichtsschreiber und ein Amtsdiener entsandt, die aber verjagt und sogar geprügelt wurden. Der Pfleger (Gerichtsherr) von Ehrenberg wußte dagegen schon Rat und entsandte einfach eine 8 Mann starke Abordnung, die dann 11 der Unruhigsten Mitnahmen und einsperrten, und zwar so lange, bis der Beitrag zur Pfarre Elbigenalp geleistet und die auf 1707 Gulden 56 Kreuzer angelaufenen Prozeßkosten bezahlt wurden.

Angeführt seien noch die Seelsorger von Elmen der Reihe nach: Michael Surch 1538, Leonhard Hodum (beginnt das Taufbuch) 1668—1673, Christ. Schuler 1674-1687, Joh. Jak. Pertlin 1687—1690, Christ. Gebhard 1690 bis 91, Michael Frei 1691 bis 1732, Ant. Ruscher 1732 bis 47, Anton Huber, Prov. 1747, Simon Leykrämer 1748 bis 1750, Johann Georg Zeller 1750 bis 1766, Johann Georg Hofer 1767 bis 1772, Nikolaus Uelses 1773 bis 1808, P. Apertius Krepp (Prov.) Josef Kim (Prov.), Josef Brunner (Prov.) 1810 bis 1816, Georg Falger von Elbigenalp 1817 und Eugen Falger aus Holzgau.

Die Gemeinde Häselgehr bewarb sich in den Jahren 1706, 1712 und 1715 um einen eigenen Priester, jedoch immer vergeblich. Als sie diese Zwecklosigkeit einsah, wandte sie sich an den päpstlichen Stuhl und erhielt nach kurzer Zeit vom Papste Klemens XI. ein an den Bischof von Augsburg gerichtetes Breve, mit 4. Jänner 1717 datiert, worin dieser beauftragt wurde, in Häselgehr das Lesen der hl. Messe zu genehmigen. Für Häselgehr war die Sache von da an immer günstiger und bereits am 14. November 1720 wurde es ihr gestattet, einen eigenen Kaplan anzustellen.

Am 9. Feber 1720 wurde Häselgehr der drückende Revers abgefordert, im Jahre 39 mal die Pfarrkirche in Elbigenalp zu besuchen, die hl. Sakramente dort zu empfangen, im dortigen Gottesacker die Toten zu begraben, und außerdem habe der Kaplan aus Häselgehr auf Pfarrers Verlangen diesem Dienste zu leisten, die Hälfte des Opfergeldes abzuliefern, das Venerabile weder aufzubewahren noch überhaupt einzusetzen. Zufolge Beschlusses des Generalvikariats Augsburg von 24. Jänner 1765 wurde Häselgehr der Pfarrkirchenbesuch in Elbigenalp von jährlich 39 Mal auf 16 Mal herabgesetzt. Erst im Jahre 1786 am 17. Mai wurde von der josefinischen Regierung dieses Benefizium mit Gubernialdekret im Einverständnis des Ordinariats zu einer Lokalkaplanei erhoben und aus dem Religionsfond für den Kaplan ein jährlicher Beitrag von 129.5 Gulden bewilligt. Mit bischöflicher Einwilligung vom 28. Juni 1792 wurde der Weiler Unterschönau ohne jedwegliche Vergütung leisten zu müssen, der Lokalie Häselgehr zugewiesen und es hat sich die Gemeinde damals auch mit 230 Gulden gänzlich vom Mutterverbande losgekauft. Die schon sehr alte Kapelle, dem hl. Martinus geweiht, wurde im Jahre 1701 erweitert und 1706 mit Altären und einer Kanzel versehen. Die Erlangung einer 3. Glocke ist von interessanter Art. Michael Köpfle, Bauer in Häselgehr, machte einer Person ein Eheversprechen und, weil ihm dann seine Braut nicht mehr gefiel, konnte er sich seines ohne reifere Ueberlegung gegebenen Wortes nur dadurch entledigen, daß er im Jahre 1741 eine 4 Zentner schwere Glocke gießen ließ.

Die Gemeinde Stanzach hatte sich seelsorglich an Elmen angeschlossen. Um aber auch etwas Recht zu erlangen und geistige Hilfe in Anspruch nehmen zu dürfen, zahlte Stanzach an die Kirche in Elmen jährlich 60 Gulden und leistete auch beim Wiederaufbau des dortigen abgebrannten Gotteshauses 1691 Fronschichten unter der Bedingung, den Kaplan von Elmen hiefür zu Kranken rufen zu dürfen. Den ersten Priester, Christ. Haslach, erhielt Stanzach im Jahre 1690. Von der Gemeinde wurden für ihn jährlich 80 Gulden bewilligt, das notwendige Holz gestellt und eine Wohnung erbaut. Aus dem Kirchenvermögen erhielt Stanzach 500 Gulden zum Zwecke, die Kirche schöner zu gestalten. Im Jahre 1772 wurde die Kirche ein Raub der Flammen. Sie wurde aber sofort wieder aufgebaut, die hl. Konsekration vollzog am 28. Juli 1782 der Weihbischof von Augsburg. Zu einer Expositur wurde Stanzach im Jahre 1786 umgewandelt und dem Priester die Rechte einverleibt, alle geistlichen Funktionen ausüben zu dürfen.

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