Schnippsel

Josefa Schennach

Eine große Wohltäterin von Reutte

Aus: Außferner Bote vom 16. April 1932
Es sind nun 40 Jahre her, daß eine große Wohltäterin des Marktes Reutte im Grabe ruht. Bei dieser Gelegenheit soll der heutigen Generation zum Bewußtsein gebracht werden, was eine edle Frauenseele in ihrem christlichen Opfersinn für alle Zeiten zum Wohle der Menschheit geleistet hat. Die älteren Bürger des Marktes haben die Witwe Josefa Schennich noch in bestem Angedenken und wissen dankbar ihre großen Stiftungen zu würdigen.

Josefa Schennich entstammte dem alten, angesehenen Geschlechte der „Hüttenmüller" die aus Ehrwald zugezogen waren. Die Hüttenmühle, an einer der schönsten Stelle weit in der Runde gelegen, erhielt ihren Ramen von der dort einstmals gestandenen Schmelzhütte, woselbst der Bergsegen des Säulings verarbeitet wurde. Sie war zuletzt im Besitze des berühmten Geschlechtes der Fugger.

Die Verstorbene war die Tochter des Alois Schennich aus erster Ehe. Dieser erlernte in der Jugend das Uhrenmacher-Handwerk und brachte es hierin zu großer Kunstfertigkeit. Als Geselle arbeitete er in einem der ersten Geschäfte Wiens, wo er einen Siegelring der Kaiserin Maria Theresia mit einem kunstvollen Miniatur-Ührchen versah, welche Kunstleistung Aufsehen erregte und allgemeine Anerkennung fand. Alois Schennich wurde dafür reich beschenkt.

In die Heimat zurückgekehrt, erwarb er sich mit seinen ansehnlichen Ersparnissen das „Graue Haus" im Untermarkt und richtete dort einen Uhrenladen ein, der seinen Wohlstand vermehrte. Seine Tochter Josefa verehelichte sich mit dem Witwer Müller von Mühl. Ihre Ehe war kinderlos. Nach dem Tode ihres Vaters errichtete sie im ererbten Hause ein Tuch- und Seidenwarengeschäft, wohl das einzige dieser Art im Außerfern, das ausgezeichnet gedieh und bei ihrer reellen Führung und beispielgebenden Sparsamkeit Reichtum erbrachte.

Diesen verwendete sie nicht zum Wohlleben und für weltliche Dinge, sondern für Zwecke, die der Bevölkerung zugute kamen und noch kommen. Sie stiftete das Waisenhaus in Reutte, das nun die Bezeichnung „St. Josefsheim" führt. Zu dem stattlichen Haus im Obermarkte, gerade für ein Waisenhaus geeignet, spendete sie noch 2 Kühe und Feld dazu, auch ein entsprechendes Stiftungskapital für den Unterhalt von 2 Schwestern und 20 Waisenkindern.

Ein weiterer Akt ihres Wohltätigkeitssinnes war die Beistellung einer beträchtlichen Summe zur Errichtung des hiesigen Kindergartens. Dann bedachte sie die Kirche in Breitenwang und die Klosterkirche in Reutte des öfteren mit Spenden und Beiträgen zur Ergänzung der Kirchenwäsche u. dgl. Sie ermöglichte armen Studenten das Studium und gab auch sonst viel an Arme und Bedürftige.

Ihre große Freigebigkeit beschränkte sich nicht nur auf ihre Heimat allein, sondern erstreckte sich auch nach auswärts. So verdankte ihr Lech-Aschau die Schulschwestern, ferner stiftete sie dort eine wöchentliche Messe in der Filialkirche und das Frühmeßbenefizium in Heiterwang.

Sie erreichte ein Alter von 82 Jahren und starb im Zeilerischen Hause. Die noch spärlich vorhandenen Außenstände an Geldern mußten eingetrieben werden, um die Krankheits- und Beerdigungskosten bestreiten zu können. Man kann wohl sagen, daß sie arm gestorben ist.

In Anerkennung und zum Danke enthält die Wandtafel der in Breitenwang begrabenen Barmherzigen Schwestern auch den Namen dieser großen Wohltäterin.


Hans von der Trisanna

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