Aus: Neue Münchener Zeitung - Morgenblatt vom 17. Sep. 1859
Imst, 12. Sept. Gegen einen auf den Bergen des Imster Gerichtsbezirkes hausenden Bären, der bedeutenden Schaden unter den Schafen anrichtete, wurde bereits zu wiederholten Malen eine Treibjagd gehalten. Bei der letzten am 10. l. Mts. wurde das Raubthier in der Gemeinde Gramais vom Schützen Anton Wechner erlegt.

Aus: Tiroler Schützen-Zeitung
Gramais, 10. Sept. (Bärenjagd.) Die Schützenzeitung hat schon öfter eines Räubers Erwähnung gethan, dessen Habhaftmachung weder den Streifzügen der Lechthaler, noch dem allgemeinen Aufgeboth des Gerichtes Imst, dessen Scharfschützen ihn schon im Sack zu haben glaubten, gelang; der sich weder über Fallbrücken hinabstürzen, noch vergiften lassen wollte. Ich kann Ihnen nun heute zum Trost besonders jener Schützen, die um Tausend Gulden nicht mehr auf die Bärenjagd gingen, melden, daß dieser Räuber, ein stattlicher männlicher Bär, am 9. Sept, auf einer Streifjagd vom Jagdpächter Anton Wechner, der Faßmaler und ein kleiner Tausendkünstler ist, geschossen wurde.
Dieser Schütze begab sich am 9. gegen 10 Uhr Mittags auf die Gemsenjagd, und sah, freilich außer Schußweite, das Unthier in dem Zunderngehölze sich herumbewegen und die Gegend ausspioniren. Er lief nun eiligst nach Hause, und bot Schützen auf, was er aufbringen konnte, da der Arbeiten auf den Bergmähdern wegen nur wenige zu Hause waren. Im ersten Augenblick waren nur 5 Schützen und 2 Knaben von 15 bis 16 Jahren aufzubringen, die sich mit Stutzen und Flinten bewaffneten. Nach kurzer Berathung über die Aufstellung besetzten einige Mädchen und ein 76jähriger Mann mit seinem Stutzen den gegenüberliegenden Berg, um die Bewegungen des Bären zu beobachten, ein Knabe wurde geschickt, um Treiber aufzubiethen, während die Schützen um 12 Uhr sich an Ort und Stelle begaben. Ich beobachtete mit meinem Stutzen die Gegend unter dem Geschröfe und zog mich dann mit den Treibern hinauf auf die Höhe. Auf einmal hören wir ober uns jammern: "O jöh! mir hats das Kapsle verschlagt.“ Der Bär zog sich durch den Lärm der Treiber geschreckt zu den zwei weiter oben postirten Schützen, von denen der Eine ihn in die vordere Tatze traf. Auf der Höhe des Berges angekommen war alle Spur verloren; doch auf dem Wege herunter, wo wir mit Anton Wechner und den Treibern vereinigt waren, trafen wir seine Spur wieder, und derselben folgend ging Anton Wechner etwas seitwärts, während wir auf ihn warten sollten. Doch nicht lange, da knallte es, und der Bär, nachdem er noch seine Wuth an Holz und Steinen ausgelassen, rollte über Felsen hinunter und blieb erst beinahe in der Thalsole liegen.
Er ward aus der Ferne eines guten Scheibenschusses durch das linke Ohr geschossen, so daß die Kugel vor dem rechten Vorderfuße herauskam. Mit Jubel wurde er nun nach Hause geliefert, und von der ganzen Gemeinde mit Freuden empfangen, und von allen Seiten besehen und bewundert, insbesondere dessen Tatzen und Zähne, mit denen er schon so viele Schäflein gemordet, und in Bach sogar ein Kalb zerrissen haben soll. So fand also dieser zottige Räuber, der zwar nicht Länder, aber doch so manches Schaf raubte, in Gramais sein Ende, und wird sich wohl keiner mehr so schnell in diese Gegend wagen, besonders wenn sie einiges von diesem Berichte in Ihr überall hin verbreitetes Blatt aufnehmen, wodurch es alle Bären durch's ganze Land erfahren dürften.
Imst, 12. Sept. Gegen einen auf den Bergen des Imster Gerichtsbezirkes hausenden Bären, der bedeutenden Schaden unter den Schafen anrichtete, wurde bereits zu wiederholten Malen eine Treibjagd gehalten. Bei der letzten am 10. l. Mts. wurde das Raubthier in der Gemeinde Gramais vom Schützen Anton Wechner erlegt.

Aus: Tiroler Schützen-Zeitung
Gramais, 10. Sept. (Bärenjagd.) Die Schützenzeitung hat schon öfter eines Räubers Erwähnung gethan, dessen Habhaftmachung weder den Streifzügen der Lechthaler, noch dem allgemeinen Aufgeboth des Gerichtes Imst, dessen Scharfschützen ihn schon im Sack zu haben glaubten, gelang; der sich weder über Fallbrücken hinabstürzen, noch vergiften lassen wollte. Ich kann Ihnen nun heute zum Trost besonders jener Schützen, die um Tausend Gulden nicht mehr auf die Bärenjagd gingen, melden, daß dieser Räuber, ein stattlicher männlicher Bär, am 9. Sept, auf einer Streifjagd vom Jagdpächter Anton Wechner, der Faßmaler und ein kleiner Tausendkünstler ist, geschossen wurde.
Dieser Schütze begab sich am 9. gegen 10 Uhr Mittags auf die Gemsenjagd, und sah, freilich außer Schußweite, das Unthier in dem Zunderngehölze sich herumbewegen und die Gegend ausspioniren. Er lief nun eiligst nach Hause, und bot Schützen auf, was er aufbringen konnte, da der Arbeiten auf den Bergmähdern wegen nur wenige zu Hause waren. Im ersten Augenblick waren nur 5 Schützen und 2 Knaben von 15 bis 16 Jahren aufzubringen, die sich mit Stutzen und Flinten bewaffneten. Nach kurzer Berathung über die Aufstellung besetzten einige Mädchen und ein 76jähriger Mann mit seinem Stutzen den gegenüberliegenden Berg, um die Bewegungen des Bären zu beobachten, ein Knabe wurde geschickt, um Treiber aufzubiethen, während die Schützen um 12 Uhr sich an Ort und Stelle begaben. Ich beobachtete mit meinem Stutzen die Gegend unter dem Geschröfe und zog mich dann mit den Treibern hinauf auf die Höhe. Auf einmal hören wir ober uns jammern: "O jöh! mir hats das Kapsle verschlagt.“ Der Bär zog sich durch den Lärm der Treiber geschreckt zu den zwei weiter oben postirten Schützen, von denen der Eine ihn in die vordere Tatze traf. Auf der Höhe des Berges angekommen war alle Spur verloren; doch auf dem Wege herunter, wo wir mit Anton Wechner und den Treibern vereinigt waren, trafen wir seine Spur wieder, und derselben folgend ging Anton Wechner etwas seitwärts, während wir auf ihn warten sollten. Doch nicht lange, da knallte es, und der Bär, nachdem er noch seine Wuth an Holz und Steinen ausgelassen, rollte über Felsen hinunter und blieb erst beinahe in der Thalsole liegen.
Er ward aus der Ferne eines guten Scheibenschusses durch das linke Ohr geschossen, so daß die Kugel vor dem rechten Vorderfuße herauskam. Mit Jubel wurde er nun nach Hause geliefert, und von der ganzen Gemeinde mit Freuden empfangen, und von allen Seiten besehen und bewundert, insbesondere dessen Tatzen und Zähne, mit denen er schon so viele Schäflein gemordet, und in Bach sogar ein Kalb zerrissen haben soll. So fand also dieser zottige Räuber, der zwar nicht Länder, aber doch so manches Schaf raubte, in Gramais sein Ende, und wird sich wohl keiner mehr so schnell in diese Gegend wagen, besonders wenn sie einiges von diesem Berichte in Ihr überall hin verbreitetes Blatt aufnehmen, wodurch es alle Bären durch's ganze Land erfahren dürften.
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