Wege und Pfade
Tourenvariante
Tourenbericht von Kauk vom 9. Juni 2012
Von der Gaichtspitze zur Schneid
Eine glückliche Fügung ermöglichte mir, Fronleichnam arbeitsfrei zu gestalten, so dass sich die momentan einzige Wetterlücke nutzen ließ. Da bei der Vorbereitung die Prognosen fürs Allgäu in der Entwicklung immer noch labil eingeschätzt wurden (was letztlich unzutreffend war), suchte ich nach einem moderaten Ziel mit schnellen Rückzugsmöglichkeiten. Die Wahl fiel deshalb aufs östlichste Tannheimer Tal: Gaichtspitze (1986 m), Hahnenkamm (1938 m), Ditzl (1817 m) und Schneid (2009 m).
Route: Parkplatz an der Nesselwängler Ach - Gaicht - Westlflanke - Südrücken - Gaichtspitze - P. 1811 - Hahnenkamm - Tiefjoch - Ditzl - Hochjoch - Südflanke - Schneid - Westgrat - Sabachjoch - Nesselwängle - Parkplatz
Ausgangspunkt für die Runde ist ein kleiner kostenloser Parkplatz an der Nesselwängler Ach. Man findet ihn von Nesselwängler her kommend auf der linken Seite nach einer Brücke, dort wo die Straße zum Gaichtpass in einem Rechtsknick aus dem Tannheimer Tal herausknickt. Zunächst folgt man dem Fahrweg Richtung Gaicht, der Ort wird in etwas auf und ab nach ca. 20 Minuten erreicht. Allerdings am besten nicht dem Weg ganz hinab ins Dorf, sondern nach links hinauf und oben dem querenden Weg folgen. Nach einem kleinen Hüttchen an der nächsten Kreuzung links der neuen Forststraße folgen, nach der ersten Kehre zweigt rechts der Steig in die Westflanke der Gaichtspitze ab. Zumeist durch Wald mit ab und an freien Ausblicken auf dem nicht zu verfehlenden Steig weiter. Nach einer längeren, ansteigenden Querung Richtung Ost erreicht man bei ca. 1740 m den Südrücken, über den es meist frei, zuletzt durch Latschen zum Gipfelkreuz geht.
Vom Gipfel dem Wegweiser zum Hahnenkamm folgen, etwas absteigen und längs der Latschen in einen Einschnitt östlich des Gipfels. Hier beginnt die Schlüsselstelle der Tour. Eine steile Rinne hinab, sie ist unangenehm abgespeckt, bröselig und wohl auch meist feucht. Die eigentlichen Schwierigkeiten lassen sich auch umgehen, allerdings macht das wohl eher auch keinen Spaß. Ein durchgehendes Tau erleichtert das Agieren in der Rinne, ohne ist das I. Schwierigkeitsgrad. Der schwierigste Abschnitt, eine glatte Platte wurde inzwischen mit künstlichen Tritten versehen. Bei viel Verkehr besteht akute Steinschlaggefahr. Im Anschluss an die Rinne noch die Ostflanke queren und dem Weg Richtung P. 1811 folgen. Nun auf der Piste hinauf, man erspäht auf einem Kopf neben vielen Verbauungen der Telekommunikationsbranche ein Gipfelkreuz. Entweder weglos direkt ansteigen oder im Zickzack auf Wegen hinauf. Das Kreuz markiert nicht den eigentlichen Gipfel des Hahnenkamms, dieser ist etwas nördlich gelegen und mit der charakteristischen Antenne geschmückt.
Weiter geht es auf dem Wanderweg über den Nordrücken hinunter ins Tiefjoch (1717 m) und auf der gegenüberliegenden Seite zunächst in Serpentinen und dann die Flanke unter dem Ditzl-Gipfel querend weiter zum Hochjoch (1754 m). Wer den Gipfel mitnehmen will folgt am zweiten Graskopf der schwachen Spur nach rechts hinauf (der erste ist zwar auf einem deutlicheren Steig besteigbar, allerdings nur lohnend, wenn man den eigentlichen Gipfel sehen will).
Wer nun noch auf die Schneid möchte hat drei Möglichkeiten. Entweder vom Hochjoch hinüber ins Sabachjoch queren und über den scharfen Westgrat oder mit einer weiteren Querung ins Gehrenjoch und über die sanfte Nordostflanke zum Gipfel. Diese Varianten beschreibt die aktuelle Literatur.
Es gibt aber eben auch noch eine dritte Variante. Sie fehlt in der Austriamap und in der Literatur, ist aber bspw. in den Kompasskarten verzeichnet, wenn auch ungenau. Dort scheint es, als würde es den Südrücken direkt zum Gipfel gehen, was für Wanderer jedoch nicht möglich ist. Aber es führt vom Hochjoch ein meist gut zu findender, unmarkierter Steig auf eine Schulter am Westgrat. Unten werden über Gras zwei Felsköpfe umgangen, dann im Schutt nach Nordwesten rausgequert zu einem dritten Felskopf und danach über weiteren Schutt zum Westgrat und einfach zum Gipfel.
Am dritten Felskopf habe ich mir dann doch noch Linie nahe der Direttissima gesucht und bin weglos weiter. Rechts vom Pfad ab, über Gras und Schutt immer steiler werdend hinauf. Ziel ist eine kleine Mulde am Westgrat kurz vor dem Gipfel, zu der eine auffällige Grasverschneidung hochzieht. Die Steilheit ist nicht zu unterschätzen, das Gras aber gut gestuft. Es liegt viel Gebrösel rum und der Fels ist brüchig.
Zum Abstieg dann dem Pfad am Westgrad folgen, der sich zunächst zahm präsentiert, dann aber zu einer schmalen Schneide wird, deren Flanken steil nach links und rechts abfallen. Hier ist absolute Trittsicherheit nötig und eine Portion Schwindelfreiheit sicher nicht verkehrt. Ab dem Sabachjoch profitiert man vom Klettersteig Köllenspitze, dessen Erschließung im letzten Jahr wohl zur Erneuerung des weiteren Abstiegs beigetragen hat. Komfortabel steigt man hinab zur kleinen Jagdhütte im Kar unter der Köllenspitze und folgt den Wegweisern nach links Richtung Tannheimer Hütte und Gimpelhaus. An der nächsten Kreuzung bei der nächsten Jadghütte links hinab nach Nesselwängle. Der renovierte Weg folgt im unteren Teil nicht mehr dem alten, der wohl renaturiert werden soll. Hält man sich auf dem Fahrweg, kann man oberhalb von Nesselwängle dem Fahrweg nach Osten folgen und kommt so wieder problemlos zum Parkplatz.
Fazit: Schöne Runde hoch über dem Tannheimer Tal und dem Lechtal mit großartigen Ausblicken. Wer jedoch die Einsamkeit liebt ist hier zumindest während den Betriebszeiten der Reuttener Seilbahn fehl am Platz...allein sein wird man vermutlich kaum. Es lohnt sich, nach Niederschlägen noch zu warten, bis die Wege etwas abtrocknen, da sich doch viel Matsch bildet.
Erweiterungsmöglichkeit(en)
Geschichte und Sonstiges
Kärntner Zeitung vom 24. Februar 1931Ein Skifahrer acht Tage ohne Nahrung.
Ein gewisser Karl Frankensteiner aus Dresden unternahm eine Skitour auf den Hahnenkamm bei Reutte, von der er nicht mehr zurückkehrte. Die Gendarmerie suchte tagelang vergeblich nach dem Vermißten.
Am 15. Feber fand ein Aufsichtsjäger in einem leeren Heustadel den völlig ermatteten und halb erfrorenen Mann, der sich auf seiner Skitour verirrt hatte, in eine Staublawine geraten war und sich schließlich ermattet in die Hütte geflüchtet hatte, wo er fast acht Tage lang ohne Nahrung zubrachte.



















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